„Froschteich“ in Neuss Ein Gewässer mit Seltenheitswert

Nordstadt · Der „Froschteich“ an der Nordstadt-Grenze fristet in der Bevölkerung ein Dasein als eher unbekanntes Gewässer. Dabei ist er laut Nabu einer der letzten Laichplätze für Erdkröten in Neuss – darum ist besondere Vorsicht gefragt.

 Wer an den Froschteich gelangen möchte, muss schmale Wege passieren. 
  Foto: jasi

Wer an den Froschteich gelangen möchte, muss schmale Wege passieren. Foto: jasi

Foto: Simon Janßen

Egal ob das Jröne Meerke, der Reuschenberger See oder die Erft – in Neuss gibt es zahlreiche Gewässer, die wegen ihrer idyllischen Lage bei Spaziergängern, Radfahrern und Co. äußerst beliebt und entsprechend hoch frequentiert sind. Während es sich bei den drei genannten Beispielen um bekannte Anlaufpunkte handelt, gibt es aber auch Gewässer, die sogar für Neussern noch relativ unbekannt sind – eines davon befindet sich direkt an der Nordstadt-Grenze im Stadtwald.

Wer den „Froschteich“ – er verfügt sogar über einen Eintrag bei Google Maps – erreichen möchte, hat mehrere Varianten zur Auswahl. Am besten ist er jedoch zu finden, wenn man den Konrad-Adenauer-Ring (Richtung ISR) begeht und eine kleine Abzweigung nutzt, die nach unten ins Grüne führt. Schon nach wenigen Metern ist ein Schild zu entdecken, das darauf hinweist, dass Schwimmen verboten ist. Doch um das Ziel zu erreichen, muss man zunächst einen kleinen Erdweg entlangwandern, der mit einigen Schrägen versehen ist.

Doch der kurze Marsch lohnt sich. So wird der Spaziergänger mit einem idyllischen Blick auf das Gewässer, aber auch auf eine vielfältige Flora belohnt. Verschiedene Wasservögel wie Reiher können ebenfalls mit etwas Glück entdeckt werden. Doch genutzt wird der Teich vor allem von anderen Tieren, die auch als Namensgeber fungierten – und genau wegen dieser kleinen Wesen ist Vorsicht gefragt am verwunschenen Froschteich. Der Naturschutzbund (Nabu) weist per Aushang darauf hin, dass es sich bei dem Gewässer um einen der letzten Laichplätze für Erdkröten in Neuss handelt. Der Appell hängt dort bereits seit Ende März, wurde also in der Laichzeit platziert. Diese beginnt im Frühjahr und kann sich bis in den Frühsommer ziehen, die Hauptpaarungszeiten sind jedoch die Monate April und Mai. Die Weibchen entlassen mehrere Laichballen, die jeweils mehrere Hundert Eier enthalten. Der Nabu bittet Besucher, Rücksicht auf die Kaulquappen zu nehmen, Herumstochern mit Stöcken, Keschern oder ähnlichem töteten tausende kleine Kröten.

Doch offenbar gibt es trotz aller Appelle immer wieder Menschen, die sich nicht an die Regeln halten – und den Bereich zumindest zumüllen. Das wurde nach Angaben von Ingrid Schäfer, Geschäftsführerin des Initiativkreises Nordstadt, auch zuletzt bei einer Wanderung entlang des Nordkanals deutlich, bei der der frühere Verlauf des verschwundenen Gewässers Krur erforscht wurde. Der Historiker Reinhold Mohr zeigte anhand markanter Stellen, wie stark das Gewässer die Landschaft im Stadtwald geprägt hat und dass auch schon vor dem Bau des Nordkanals die Krur von Menschen für wirtschaftliche Zwecke genutzt wurde. An jener Stelle, wo heute der Froschteich zu finden ist, stand laut Mohr früher ein kleiner Hof. „Vor 70 bis 80 Jahren hat der heutige Froschteich noch nicht existiert“, sagt der Fachmann.

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