Neuss: Frauen besuchen Friedensnobelpreisträger Mukwege im Kongo

Erste Begegnung 2011 in Panzi, Ostkongo : Die Neusser Frauen des Nobelpreisträgers

Friedensnobelpreis für Denis Mukwege. Mit dem kongolesischen Gynäkologen freuen sich Stephanie Straaten und Juliane Kronen. Die Neusserinnen besuchten bereits 2011 den Arzt, der Vergewaltigungsopfer im Ostkongo behandelt.

Es war ein Wiedersehen via Internet. Plötzlich, aber nicht unerwartet. Als am Freitagmittag das Foto von Denis Mukwege über die Medien weltweit verbreitet wurde, da freute sich in Neuss die Ärztin Stephanie Straaten (54) ganz besonders, dass dem kongolesischen Mediziner der Friedensnobelpreis zu gesprochen worden war. Beide kennen sich seit 2011. Damals war Mukwege Kandidat für den alternativen Nobelpreis, mit dem er schließlich 2013 auch ausgezeichnet wurde.

Vor sieben Jahren besuchte Straaten gemeinsam mit ihrer Neusser Freundin Juliane Kronen (55) Mukwege in seinem Hospital in Panzi, dem Armenviertel von Bukavu, in einer der instabilsten und somit gefährlichsten Regionen der Welt. Kronen, die Betriebswirtschaftslehre studierte und als Unternehmensberaterin arbeitet, engagiert sich für Right Livelihood, also für jene Stiftung, die alljährlich den alternativen Friedensnobelpreis vergibt. In ihrer Überzeugung, die Kronen und Straaten damals gewannen, fühlen sie sich nun durch das Nobelkomitee bestätigt. „Wenn einer den Friedensnobelpreis verdient hat, dann diese charismatische Persönlichkeit“, sagt Straaten, „er hilft als Arzt den Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, medizinisch, versucht ihnen eine Lebensperspektive zu geben und kämpft als Politiker dafür, das Vergewaltigung als Kriegswaffe endlich geächtet wird.“

Juliane Kronen beschreibt Mukwege als einen Menschen, „der in sich ruht, eine klare Sprache spricht und sehr empathisch ist“. Er ist erst der zweite Preisträger, der zunächst mit dem alternativen Nobelpreis und dann mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Vor Mukwege war es die kenianische Wissenschaftlerin Wangari Maathai die für die Gründung des Aufforstungsprojekts „Green Belt Movement“ 1984 den Alternativen Nobelpreis erhielt und 20 Jahre später erneut nach Skandinavien reisen durfte. Sie nahm für ihren Einsatz für „nachhaltige Entwicklung, Frieden und Demokratie“ die weltweit renommierteste Auszeichnung entgegen: den Friedensnobelpreis — wie es jetzt Denis Mukwege tun wird.

Kronen und Straaten werden wohl nicht dabei sein, wenn in Oslo der Friedensnobelpreis übergeben wird. Der Kreis der geladenen Gäste ist klein. Sie waren aber 2013 dabei als Denis Mukwege in Stockholm den alternativen Nobelpreis erhielt. Die beiden Neusserinnen werden den Festakt in den Medien verfolgen und sich mit Denis Mukwege freuen. Der kongolesische Gynäkologe teilt sich in diesem Jahr den Friedensnobelpreis mit Nadia Murad, einer Jesidin, die Sklavin des IS war und heute als Aktivistin bekannt ist. Sie lebt in Deutschland. Beide werden „für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten“ ausgezeichnet, wie es die Vorsitzende des Nobelkomitees formulierte. „Zwei Preisträger, ein Thema“, sagt Juliane Kronen, „eine sehr gute Entscheidung des Komitees.“ Während Mukwege als Arzt und somit Helfer der Frauen ausgezeichnet werde, erhalte mit Murad ein Opfer den Preis, das zugleich auch Zeugin sei.

Mit der Entscheidung, Denis Mukwege den Friedensnobelpreis zu zuerkennen, schließt sich für das Neusser Duo Kronen und Straaten ein Kreis. 2011 waren sie zu einer Recherchereise aufgebrochen, um den Kandidaten Denis Mukwege, der auf der Liste der Bewerber für den alternativen Nobelpreis stand, vor Ort zu erleben. Dafür reisten sie über Ruanda in ein Land, in dem es weder Polizei noch staatliche Ordnung gibt. Selbsternannte Milizen verbreiten Angst, Schrecken und Tod. Opfer sind immer wieder die Frauen. Die reichen Bodenschätze werden ausgeplündert; Coltan, für die Handyproduktion wichtig, findet über Ruanda in den Weltmarkt. „Alle reden über die Gorillas in jener Region“, schimpfen Kronen und Straaten, „aber kaum jemand über die Menschen und ihr Leid.“

Juliane Kronen 2011 auf ihrer Recherchereise durch Ostkongo. Foto: Stephanie Straaten
Zumeist Frauen kommen mit ihren Kindern ins Hospital von Mukwege. Foto: Stephanie Straaten
Am Hospital in Panzi, einem Stadtteil von Bukavu, arbeitet Mukwege. Foto: Stephanie Straaten/Stepanie Straaten

Sie hoffen, dass der Friedensnobelpreis für Denis Mukwege zwei Impulse setzt: Erstens, dass die Anstrengungen erhöht werden, um der sexuellen Gewalt gegen Frauen, die als Kriegswaffe eingesetzt wird, ein Ende zu setzen. Zweitens, dass die Staatengemeinschaft sich „endlich durchringt, für Stabilität in Ostkongo und der Region zu sorgen“.

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