Neuss: Frau nach Campingplatz-Mord vor Gericht

Gewalttat auf Campingplatz in Niederkrüchten : Neusserin wegen Mordes vor Gericht

Beim Prozessauftakt am Dienstag schilderte die 52-Jährige ihre Sicht. Der Richter glaubte ihr nicht.

Vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach ist am Dienstag der Prozess um den Campingplatz-Mord in Niederkrüchten eröffnet worden. Eine 52 Jahre alte Frau aus Neuss wird beschuldigt, ihren Lebensgefährten (54) aus Viersen ermordet zu haben. Ihrem Sohn (21) sowie zwei Mitangeklagten (23 und 24 Jahre alt) wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Mutter und Sohn sollen die jungen Mönchengladbacher angestiftet haben, dem Lebensgefährten der Frau einen „Denkzettel“ zu verpassen, da er seine Partnerin misshandelt haben soll.

Laut Anklage sollen die beiden Männer das Opfer am Abend des 18. Januar abgeholt haben, woraufhin die drei zum Campingplatz „Laarer See“ fuhren. Während der Sohn am Auto geblieben sei, seien die beiden jungen Männer mit Pfefferspray und Teleskop-Schlagstock zum Wohnwagen des Vierseners gegangen. Dort hätten sie die Tür eingetreten und den Mann mit Pfefferspray, Fäusten und Schlagstock attackiert. Danach seien sie geflohen. Die Frau habe den Wagen betreten und dem Opfer mindestens zweimal mit einem Pflasterstein auf den Kopf geschlagen. Es sei ihre Absicht gewesen, ihn zu töten. Um den Überfall als Raubmord zu tarnen, habe sie Wertgegenstände mitgenommen. Das Opfer starb an seinen Verletzungen.

Vor Gericht beschrieb die Angeklagte das Zusammenleben mit ihrem Lebensgefährten als „Martyrium“. Er sei sehr eifersüchtig gewesen, habe ihr Handy kontrolliert und verlangt, ihm unbekannte Kontakte zu löschen. Als sie einmal eine harmlose Nachricht von einem Freund erhielt, sei er ausgerastet, habe sie angeschrien und gewürgt, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Als sie den Notruf wählen wollte, habe er sie so fest gegen die Balkonbrüstung gestoßen, dass sie fast darüber gefallen wäre. Auch sexuelle Übergriffe habe es gegeben. Er habe ihr gedroht, wenn sie nicht „funktioniere“, würden ihre Kinder „tot im Rinnstein liegen“. Irgendwann habe eine Nachbarin nach einem gewalttätigen Vorfall zu ihrem Sohn gesagt, er solle sich um seine Mutter kümmern, da ihr Lebensgefährte sie misshandele.

Im Januar habe die Frau mit ihrem Sohn überlegt, dass er Freunde anheuern solle, damit der Lebensgefährte eine „Tracht Prügel“ bekomme. Aus Panik, ihr Freund könne sie angreifen, habe sie vor dem Betreten des Wohnwagens einen Pflasterstein aufgehoben. Das Opfer habe auf dem Boden gelegen. Ohne genau hinzusehen, habe sie mit dem Stein seitlich in Richtung des Halses geschlagen, jedoch nicht getroffen. Dann sei sie ziellos über den Platz gelaufen, habe später Handys und Geldbörse geholt und ihr Handy in den See geworfen. Dann habe sie einen Eimer Wasser in der Dusche geleert, um vorzutäuschen, sie sei während der Tat dort gewesen.

„Nur, dass wir uns nicht missverstehen: Ich glaube das alles nicht, was Sie hier erzählen“, sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Wenn man jemanden leblos am Boden liegen sehe, gebe es keinen Grund, mit einem Stein auf ihn einzuschlagen. Die beiden sagten aus, dass das Opfer noch lebte, als sie gingen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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