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Neuss: Neuss fotografieren für den Sohn

Neuss : Neuss fotografieren für den Sohn

Die Touren-Reihe "Neusser Ecken" kommt der fotobegeisterten Furtherin Anne Jungbluth gerade recht. Sie erstellt für Sohn Martin ein sehr persönliches Fotobuch über seine Heimatstadt.

Ausgerechnet an der Hafenführung am Pfingstsonntag konnte Anne Jungbluth nicht teilnehmen. Dabei fand bislang keine der "Neusser Ecken"-Führungen, die Neuss Marketing und NGZ seit Mitte März in 14-tägigem Rhythmus anbieten, ohne die 55-Jährige statt. So gehört sie auch zu den fleißigsten Einsendern beim begleitenden Fotowettbewerb. Theater und Kirchen, Mühlen und Hauszeichen — stets hatte Anne Jungbluth die Digitalkamera schussbereit.

Doch vorgestern hatte der Schützenlustzug ihres Sohnes Martin, die "Further Engel", zur Krönung eingeladen. Und da wollte sie dabei sein. "Gerade der Hafen hätte mich sehr interessiert. Da gab es sicher jede Menge spannender Motive", bedauert die Furtherin, die derzeit mit einem ganz besonderen Projekt beschäftigt ist: einem Fotobuch für Sohn Martin.

Der heimatverbundene 25-Jährige studiert an der Universität zu Köln Deutsch und Religion — aber wer weiß, wo er später einmal eine Anstellung als Lehrer bekommt. Da soll er ein Stück Heimat mitnehmen können. "Natürlich kann man Bücher und Bildbände über Neuss auch kaufen, aber ich wollte für meinen Sohn gern eins zusammenstellen, das mit ihm persönlich zu tun hat: wo er aufgewachsen, zur Schule und zur Kirche gegangen ist", erzählt Anne Jungbluth.

Die "Neusser Ecken" gaben schließlich den Anstoß, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Kindergarten, erster Schultag in der Leoschule, Erstkommunion in der Christ-König-Kirche, Abiturfeier am Marie-Curie-Gymnasium — alle Lebensstationen ihres Sohnes hat Anne Jungbluth mit der Kamera dokumentiert. "Ich war immer die Mutter, die einen Fotoapparat dabei hatte", erinnert sie sich, "zu meiner Verwunderung oft die einzige. Wenn man mit der Kamera unterwegs ist, nimmt man Details wahr, die sonst nicht so auffallen."

Doch der Neusserin, die in der Patientenverwaltung des Johanna-Etienne-Krankenhauses arbeitet, ist auch bewusst, dass die Jagd nach tollen Motiven die Gefahr birgt, den Augenblick zu verpassen. So setzt sie sich gerne einfach mal entspannt in ein Café und lässt die Umgebung auf sich wirken.

Übrigens auch in Neuss. "Im Sommer auf dem Marktplatz zu sitzen, wenn Münster und Rathaus beleuchtet sind — im Urlaub würden wir da aufspringen, um ein Foto zu machen", glaubt sie. "So bewundern wir beispielsweise in London die historischen Fassaden und nehmen sie in Neuss, etwa an der Drususallee oder der Breite Straße, kaum wahr."

Bei den "Neusser Ecken"-Führungen werden ihr solche Motive quasi auf dem Silbertablett präsentiert, kommt sie an Orte, die ihr ohne Gästeführer verborgen oder verschlossen blieben. Und vielleicht hat sie das erforderliche Quäntchen Glück und gewinnt beim Wettbewerb eine neue Kamera.

(NGZ)