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Neuss: Feuerwehrmann Ralf Sikorra aus Holzheim erfolgreich bei WM und EM

Firefighter Combat Challenge 2019 : Neusser Feuerwehrmann holt WM-Silber

Ralf Sikorra wird bei den „Firefighter Combat Challenge“ mit seinem fünfköpfigen Ü-50-Team Vizeweltmeister und Europameister. Ans Aufhören denkt der 53-Jährige keineswegs. Denn die Jüngeren kann er noch lange ärgern.

Nach der Wettkampfsaison gönnt sich Ralf Sikorra Lebkuchen. Die hat er sich dann mehr als verdient. Der Neusser hat mit seinem Team bei der „Firefighter Combat“- Weltmeisterschaft in Kanada und der anschließenden Europameisterschaft in Slovenien wieder einmal Erfolge erzielen können. In ihrer Altersklasse „Ü-50“ erreichten sie zwei Vizeweltmeistertitel und Gold bei der Europameisterschaft. In der Einzelwertung schaffte es Sikorra auf Platz 4 in der Welt und Platz 5 in Europa. „Trotz der Top Leistung nervt es mich irgendwie doch“, sagt Sikorra mit einem tiefen Lachen. Es ist das dritte Mal in Folge, dass der Neusser bei der WM nur knapp das Treppchen verfehlte.

Ralf Sikorra macht sich bei der Firefighter Challenge in Kanada mit einem 20 Kilogramm schweren Schlauch auf zum Turm, auf den er das schwere Gepäck schleppen muss. Foto: Feuerwehr/Feuerwehr Neuss

Seit 25 Jahren ist Sikorra Feuerwehrmann. Er arbeitet bei der Werkfeuerwehr eines großen Chemieunternehmens und ist bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Neuss aktiv. Und wenn er mal nicht arbeitet, dann misst er sich gerne mit Feuerwehrmännern auf der ganzen Welt. Der Holzheimer Feuerwehrsportler reist mehrmals im Jahr zur Firefighter Combat Challenge. Übersetzt bedeutet das „Feuerwehr Kampf Herausforderung“. Der Name ist Programm. Ob im Einzel, im Tandem oder in der Staffel – eine Herausforderung jagt im Feuerwehr-Parcours die nächste. Dabei gewinnt die beste Zeit.

Der Sport kommt ursprünglich aus Nordamerika; mittlerweile gibt es weltweit Wettkämpfe, in denen sich Feuerwehrleute aus der ganzen Welt in den „härtesten zwei Minuten des Sports“ miteinander messen. „Das Ding boomt richtig“, sagt Sikorra. Als er angefangen habe, seien die deutschen Veranstaltungen wie etwa der Feuerwehrlauf in Berlin kaum ausgelastet gewesen. Mittlerweile aber sind die Teilnahmen bei den Events nach drei Minuten online ausgebucht. Wer es geschafft hat darf sich freuen, und viel Schweiß verlieren.

In voller Ausrüstung wird ein 20 Kilogramm schweres Schlauchpaket auf einen dreistöckigen Turm getragen. Oben angekommen wird ein weiteres Paket an einem Seil hochgezogen. Danach geht es so schnell wie möglich wieder runter. Dabei muss jede Stufe einzeln genommen werden und immer eine Hand am Geländer bleiben. Denn es gilt safety first – auch im Rettungssport-Wettkampf. Unten angekommen schlägt der Feuerwehrmann ein 75 Kilo schweres Gewicht mit einem Hammer eineinhalb Meter weit nach hinten. Je weniger Schläge, desto besser die Zeit. Anschließend läuft der Feuersportler im Slalom zu einem mit Wasser gefüllten und unter Druck stehenden Löschschlauch, der 30 Meter weit gezogen werden muss.

Bei der letzten Herausforderung wird eine 80 Kilo schwere Puppe rückwärts ins Ziel gezogen. Sikorra braucht für diesen Parcours 1,39 Minute. Der derzeit schnellste Feuerwehrsportler der Welt kommt aus Kanada und benötigt 1,10 Minuten. „Niemand weiß, wie das möglich ist“, sagt Sikorra verblüfft. Die kanadischen und US-amerikanischen Feuerwehrmänner sind auf einem anderen Level. Sie nutzen diesen Hindernisparcours nicht etwa nur als Wettkampf, sondern auch als Einstellungstest für die Dienstfeuerwehr und als Lehrgangsprüfung an sogenannten Fire-Colleges. „Aber die Europäer holen auf“, so Sikorra.

Um fit zu bleiben, trainiert Sikorra drei Mal die Woche Cross-Fit, eine Kombination aus Ausdauer und Kraft. „In meinem Alter brauche ich zwischendurch einen Ruhetag“, sagt Sikorra. Mit 53-Jahren denkt er aber noch lange nichts ans Aufhören. In Kanada war ein 70-Jähriger dabei. „Es ist nicht so, dass man uns mal eben so schlagen kann. Da müssen sich die Jungen schon etwas einfallen lassen“, sagt Sikorra stolz.

Das Fünfer-Team aus ganz Deutschland ist bei den Wettkämpfen mittlerweile zum Kult geworden. Die jungen Teilnehmer fänden es toll, gegen „ihre Väter“ zu kämpfen. „Wir können die ganz jungen nicht mehr schlagen, aber wir können sie ärgern“, sagt Sikorra. Die haben gegenüber den Oldies einen entscheidenden Vorteil: Sie regenerieren besser und können somit mehr trainieren. „Die sind schon was für den Feuerwehrkalender“, sagt Sikorra mit einem Lachen.

Durch die Wettkämpfe lernt Sikorra neben den Menschen auch Länder und Kulturen kennen. So war er unter anderem in Polen, Dubai, Slowenien, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf seiner Liste weit oben steht Neuseeland. Aber die langen Reisen sind anstrengend. Auf die WM in Kanada im nächsten Jahr habe er aber „schon wieder richtig Lust“. Und die endet vielleicht nicht wieder mit dem 4. Platz.