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Neuss: Feinste Klavierklassik im Zeughaus mit Jospeh Moog

Konzert in Neuss : Feinste Klavierklassik im Zeughaus mit Joseph Moog

Früherkennung hat nicht nur in der Medizin höchst positive Auswirkungen. Als Kulturreferent Rainer Wiertz vor beinahe zwei Jahrzehnten den jungen Pianisten Joseph Moog, damals 16 Jahre alt, auf die Insel Hombroich einlud, hatte er das richtige Gespür für ein überragendes Talent. Mit Anfang 30 zählt er heute zu den besten Pianisten seiner Generation.

Verschiedentlich gastierte er im Zeughaus im Wechsel mit den großen Bühnen der Welt. Noch in diesem Monat spielt er in der Londoner Wigmore Hall, im nächsten in Chicago mit dem heimischen Symphonieorchester, im Mai ist er wieder in der Region beim Klavierfestival Ruhr. Nach Neuss kam er am Sonntag zu einer Matinee ins Zeughaus. Für den Anfang seines Recitals wählte er „Adagio und Rondo E-Dur“ von Franz Schubert, kleine gleichsam improvisierte Klavierstücke, die elegant und leicht wie ein Ausflug des Komponisten in die Salonmusik wirken. Unter seinen vielen Klaviersonaten hat Ludwig van Beethoven nur eine einzige mit einer Programmidee versehen: Die „Sonate Nr. 26 Es-Dur“ trägt den Titel „Das Lebewohl“ und meint den Abschied eines Freundes.

Im zweiten Satz schildert Joseph Moog die Abwesenheit des Freundes mit schier ergreifender Ausdruckskraft. Mit einem Forteschlag kehrt die Stimmung in Jubel um: Der Freund kehrt zurück. Das war grandios gespielt. Franz Liszt hat den Pianisten von klein auf fasziniert. „Diese Gegensätze, Sinnlichkeit und Spiritualität zum Beispiel, reizen mich bis heute“, sagte Joseph Moog Ende vergangenen Jahres in einem Interview. Sein größtes und herausragendes Klavierwerk, die „Sonate h-Moll“, spielte er in Neuss – formal vollendet, in der Interpretation wie eine „Schicksalssymphonie“. Die Hörer stürzte er in ein faszinierendes Wechselbad der Gefühle: tobende Klangkaskaden machten die kleinen lyrischen Abschnitte umso wirkungsvoller.

Joseph Moog, der „bei dieser Gesundheitslage“ über das volle Zeughaus staunte, bedankte sich für den begeisterten Applaus mit zwei Zugaben von Gabriel Fauré und Sergej Rachmaninow.