Neuss: Falkner mit Raubvogel im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

Alexander-von-Humboldt-Gymnasium: Raubvogel-Besuch in der Schule

Weibchen Piata guckt neugierig aus dem Auto-Kofferraum ihres Herrchens heraus. Die Jägerin kann mit ihrem Körpergewicht von sieben Kilogramm Füchse und Rehe erlegen. Seit 9000 Jahren wird ihre Art von Menschen für die Jagd eingesetzt.

Für den heutigen Besuch am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium gibt sich Piata jedoch brav und liebevoll. Trotzdem treten die Kinder aus der sechsten Klasse einige Schritte zurück, als Franz Schnurbusch den Steinadler aus dem Kofferraum holt. Die Schüler brauchen keine Angst haben, versichert Schnurbusch. Er muss es wissen. Seit 65 Jahren ist er Falkner, seinen Beruf hat damals auf eine fast schon schicksalhafte Art angefangen. „Mit 15 machte ich eine Ausbildung zum Waldfacharbeiter. Als ich durch den Wald ging, sah ich einen Habicht mit einem frisch erlegten Kaninchen auf dem Boden. Ich warf meine Jacke über den Vogel, dann gehörte er mir.“ Der örtliche Falkner bot Schnurbusch an, in seinen Beruf einzusteigen. 65 Jahre später besucht der nun 80-jährige Vogelexperte selbst Schulen und gibt sein Wissen weiter. „Greifvögel jagen nur, wenn sie hungrig sind“, sagt Schnurbusch. Die Schüler sind also sicher vor dem langen Schnabel und den spitzen Krallen des Steinadlers. Während der Falkner erzählt, strahlen die Augen der Sechstklässler vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium. In der Fragerunde schießen die Hände hoch, alle wollen mehr über die imposanten Raubtiere wissen. „Wer ist der Boss im Vogelreich?“, will ein Junge wissen. „Da die Tiere keine Rudel bilden, haben sie auch keine Chefs“, klärt Schnurbusch lachend auf. Unter den Arten gibt es allerdings durchaus eine Hierarchie. Das nutzt zum Beispiel der Düsseldorfer Flughafen, der zwei Jagdfalken einsetzt, um andere Vögel vom Gelände fern zu halten. „Die Falken am Düsseldorfer Flughafen habe ich selbst trainiert“, erzählt Schnurbusch den Kindern. Sein Besuch werden sie so schnell nicht wieder vergessen.

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