Neuss: Facharbeitskreis „Kinder in Erfttal“ stellt sich vor

Facharbeitskreis in Neuss-Erfttal : Gemeinsam gegen den „Problembezirk“

Erfttal gilt als schwieriger Stadtteil. Darum soll den Kindern und Jugendlichen dort besonderes Augenmerk zukommen. Dafür arbeiten die unterschiedlichsten Akteure im Facharbeitskreis „Kinder in Erfttal“ zusammen.

Wenn von Erfttal die Rede ist, ist auch die Bezeichnung „sozialer Brennpunkt“ nicht weit. „Als ich vor 14 Jahren als Lehrerin hier an die Grundschule kam, hatte auch ich schlimme Vorstellungen von diesem Stadtteil“, gibt Bettina Wiese, inzwischen kommissarische Leiterin der Gebrüder-Grimm-Schule in Erfttal, zu. Doch dieses Bild stimme so nicht. Erfttal sei ein vielfältiger Stadtteil, der die große Welt im Kleinen abbilde. „Du bist anders – den Spruch gibt es hier nicht“, so Wiese. „Denn hier ist jeder anders.“

Unbestritten hat Erfttal mit knapp 5340 Bewohnern auf einem knappen Quadratkilometer Fläche seine Probleme. Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger liegt bei 24 Prozent, der Ausländeranteil bei 28,1 Prozent und etwa jeder Vierte ist unter 21 Jahren. Deshalb gilt den Kindern und Jugendlichen besonderes Augenmerk. Dafür arbeiten die unterschiedlichsten Akteure im Facharbeitskreis „Kinder in Erfttal“ zusammen. Ihr Ziel: Beim Großwerden fördern und unterstützen.

In Erfttal aufgewachsen ist auch Tatjana Schulz. Drei Jahre alt war sie, als sie mit ihren Eltern 1986 aus dem Kaukasus nach Neuss kam, weil der Vater hier Arbeit gefunden hatte. Sie kennt die Zeit, als Erfttal bekannt dafür war, dass dort Kinder lebten, die verhaltensauffällig und tagesobdachlos waren. „Das hat sich aber alles sehr gewandelt“, sagt sie. Schulz ist „ihrem“ Stadtteil treu geblieben. Mittlerweile leitet sie das DRK-Familienzentrum in Erfttal und ist daher auch Mitglied im Arbeitskreis.

Auch Klaus Winkels kann sich gut an diesen Wandel erinnern. Seit 33 Jahren arbeitet er in Erfttal, leitet das Kinder- und Jugendzentrum „Kontakt Erfttal“ vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM). „Es gab eine gewalttätige Zeit hier Ende der 90er Jahre, doch das haben wir gut in den Griff bekommen.“

Damit sich solche Zeiten nicht wiederholen, arbeiten die verschiedenen Akteure eng vernetzt zusammen. Und vor allem kümmern sie sich. Deshalb ist ihnen auch so wichtig, dass der brachliegende Wasserspielplatz bald wieder funktioniert. Schon im vergangenen heißen Sommer konnte er nicht genutzt werden. „Dabei ist er gerade für kinderreiche Familien, die keinen eigenen Garten und auch nicht genug Geld für Freibadbesuche haben, wichtig“, sagt Ulrike Marquardt vom SKM Bürgerhaus Erfttal. Dieses Anliegen werden sie jetzt an die Stadtteilkonferenz weiterleiten. Erst dann ist auch die Politik gefragt, die beim Arbeitskreis bewusst außen vorbleibt.

„Denn wir kümmern uns auf kurzem Wege um die unterschiedlichsten Bedürfnisse“, so Winkels. So werde ein begleitetes Aufwachsen der Kinder in Erfttal sichergestellt, fügt Kathrin Dietze, Leiterin der Kita „Waldwichtel“ hinzu. Konkret funktioniert dies nicht nur beim Übergang von Kindertagesstätte zur Grundschule und dann zur weiterführenden Schule, sondern indem alle Einrichtungen, die Kontakt mit Mädchen und Jungen haben, zusammenarbeiten.

Damit nicht genug: Gemeinsam bieten sie auch unterschiedlichste Projekte für Eltern und Kinder an. Von Gewalt- und Adipositas-Prävention über Elterntraining und Lesepatenschaften bis hin zu besonderen Angeboten für Schwangere oder Alleinerziehende. „Besonders Highlight sind unsere Kinderkulturtage alle zwei Jahre“, sagt Marquardt. Eine Woche lang stehen die Talente der Kinder im Mittelpunkt. Zum Abschluss gibt es ein pralles Programm mit Musik, Tanz, Theater sowie Ausstellungen der Mal- und Bastelarbeiten.

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