Neuss: Experten diskutieren über Erfolge und Aussichten des Euro

Experten-Talk in Neuss : Experten diskutieren über Erfolge und Aussichten des Euro

Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte. Im Forum der Sparkasse Neuss machten Experten deutlich, was gut ist und wo Verbesserungsbedarf besteht.

Am Donnerstagabend lud der Rhein-Kreis Neuss zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung ein, in der es um den Euro ging. Der Tag war eher durch Zufall gut gewählt, denn zur gleichen Zeit trafen sich die EU-Finanzminister in Brüssel, und die Moderatorin des Abends im Forum der Sparkasse Neuss, Silke Wettach, hatte am gleichen Tag einen bemerkenswerten Beitrag zum Thema veröffentlicht. Seit 2002 ist Silke Wettach EU-Korrespondentin für die WirtschaftsWoche in Brüssel. Ihr Bericht „Greift Olaf Scholz die deutschen Spareinlagen an?“ behandelte das überraschende Konzept des deutschen Finanzministers für eine erweiterte europäische Bankenunion – ganz im Gegensatz zur bisherigen Haltung der Bundesregierung.

Das beinhaltet eine Form der europäischen Einlagensicherung. Und genau darum ging es nicht nur am Rande auch bei der Diskussion „Erfolge und Aussichten des Euro“ in Neuss. Zunächst hatte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke in seiner Begrüßung gefordert: „Wir könnten mehr Stolz zeigen!“ Immerhin sei der Euro für 140 Millionen Menschen das Zahlungsmittel. Fast wie abgesprochen ergänzte Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalvertretung der EU-Kommission in Bonn und damit erster Ansprechpartner für Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland: „In den letzten 24 Quartalen konnten alle EU-Staaten ein Wachstum bilanzieren.“ Und der EU-Parlamentarier Stefan Berger, Mitglied im Ausschuss „Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments“ fügte hinzu: „Wir können nur Erfolg haben, wenn wir mehr Europa wagen. Dabei müssen wir aber die Menschen mitnehmen.“

Nahezu einmütig kritisiert wurde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Volker Gärtner vom Vorstand der Sparkasse Neuss bestätigte, dass diese Politik nahezu allen Geldinstituten Kopfzerbrechen bereite. Sein Institut löse die Probleme teilweise durch die Pflege neuer Geschäftsfelder. „Die EZB hat bisher vieles richtig gemacht“, betonte stattdessen der Wirtschaftswissenschaftler Paul J.J. Welfens. Der im Neusser Stadionviertel wohnende Professor hat an der Bergischen Uni Wuppertal den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, makroökonomische Theorie und Politik inne. Allein die Anleihenpolitik der EZB spare jedem einzelnen EU-Bürger rund 700 Euro im Jahr. Woran es fehle, sei eine bessere internationale Abstimmung. Ein Euro-Einlagensicherungsbeschluss, wie von Olaf Scholz in Aussicht gestellt, käme für ihn viel zu früh. Aber auch bei notwendiger Kritik „sollten wir zeigen, dass wir in der EU gut dastehen“.

Die „graue“ Theorie um große Geldpolitik lockerte die 13-jährige Franca Stappen, Schülerin der Musikschule des Rhein-Kreises, mit drei wunderbaren Gitarrenstücken auf.

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