Neuss: Erstes Engagement für Johanna Werhahn

Theater Krefeld Mönchengladbach: Erstes Engagement in der „Zauberflöte“

Johanna Werhahn hat Gesang studiert. Der Spross der Neusser Unternehmerfamilie singt nun im Chor am Theater Krefeld Mönchengladbach.

Ihre Freude über die unverhoffte Entdeckung zeigt sie: „Da sind wir ja auch!“ Wir, das ist in diesem Fall das Theater Krefeld und Mönchengladbach, dessen Chormitglied Johanna Werhahn (28) in der zweiten Spielzeit ist. Sie sitzt im kleinen Café Küppers in ihrer Geburtsstadt Neuss, wo ihr Blick auf die Prospekte der Kultur- und Freizeitangebote in der Region fällt. Angekündigt wird „Die Zauberflöte“. Mozarts Oper ist in der viel beachteten Inszenierung von Kobie van Rensburg wieder am 18. November in Krefeld zu sehen – mit Johanna Werhahn, die als 3. Dame einen kleinen Solopart singt. „Ich bin sehr dankbar, dass die Wahl auf mich fiel“, sagt sie, „denn ich habe Glück gehabt, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.“ Vielleicht, so denkt sie laut, sei das schon ein Höhepunkt ihrer Karriere.

Die selbstbewusst-charmante junge Frau spricht nicht von Glanz und Glamour, sondern von Handwerk, harter Arbeit und Disziplin: Sie war 16 Jahre alt, da beschloss sie, das Singen zu ihrem Beruf zu machen. Als Spross der bekannten Neusser Unternehmenfamilie Werhahn entscheidet sie sich fürs Singen und für die Bühne. Praktika in Banken und Industriebetrieben hätten sie anschließend in ihrer Entscheidung nur bestätigt.

Johanna Werhahn  – wie sie ohne Maske aussieht. Foto: Johanna Werhahn

„Mich stört es nicht, auf der Bühne zu stehen“, sagt sie und muss schmunzeln, als sie auf ihren Vater Johann-Andreas verweist. Da komme sie doch auf ihn. Der singe zwar nicht, aber der stehe als Kreistagsabgeordneter und Präsident der Bürgergesellschaft auch irgendwie regelmäßig auf einer Bühne. Ohne dass es ihn störe.

Mit dem Master of Music, Hauptfach Gesang, schloss Johanna Werhahn ihr Studium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf ab. „Mir war die Ausbildung an einer staatlichen Universität wichtig“, sagt Johanna Werhahn, „um einen geraden, professionellen Weg zu gehen.“ Dass sie immer wieder von herausragenden Dozenten wie Ulrike Kamps-Paulsen oder Michaela Krämer unterrichtet wurde, empfindet sie als weiteres Glück. Ebenso habe sie an ihrer Schule, dem Norbert-Gymnasium in Knechtsteden, überdurchschnittlich gute Lehrer gehabt.

  • Dormagen : Mezzosopranistin Johanna Werhahn singt zur Orgel

Johanna Werhahn war ein Kind, als alles anfing. Sie lernte zunächst Geige, doch irgendwann kapitulierte sie vor dem Instrument und entschied sich fürs Singen. Dem Ziel, Sängerin zu werden, ordnete sie vieles unter. Sie lernte die italienische Sprache, ein Pflichtfach im Studium, arbeitete sich in Musik-Geschichte und Musik-Theorie ein, nahm Klavier-Unterricht. Hinzu kommt eine disziplinierte Lebensführung. Sie trinkt nur selten Alkohol, um ihre Stimme zu schonen. Um fit für ihre Rollen zu sein, muss sie aufs Gewicht achten, sie joggt, schwimmt und trainiert ihre Ausdauer: „Proben, Singen und Spielen sind körperliche Anforderungen.“ Dass nach dem Abschluss des Studiums nahtlos ein festes Engagement am Theater Krefeld Mönchengladbach möglich wurde, bezeichnet Johanna Werhahn wiederum als Glück: Im Opernchor war die Stelle der ersten Altstimme frei. Johanna bewarb sich und wurde verpflichtet. Dafür ist sie dankbar, denn sie sei in einem netten Umfeld sehr gut von der Kollegenschaft aufgenommen worden: „Ich habe mehr erreicht, als ich noch vor zwei Jahren gedacht habe.“

In ihrem Theater, bei ihrem Ensemble, fühlt sich Johanna Werhahn „angekommen“. Krefeld ist ihre Theater-Welt. Sie wünscht sich, dass es diese Bühne auch noch in 40 Jahren gebe und hätte nichts dagegen, „wenn ich dann noch ein Teil von ihr wäre“. Doch sie ruht nicht. „Es geht weiter“, sagt sie. Der Beruf, der sie ernähre, sei sehr arbeitsintensiv: Auftritte, Proben, Gesangsunterricht, Sport. Daher konzentriert sich Johanna Werhahn darauf, Opernsängerin zu sein. Sie mag auch Jazz und Soul, „aber man muss sich spezialisieren“. Sie hat sich entschieden. Sie freue sich über Abwechslung, wenn Musicals ins Programm genommen würden, auch dürfe eine Inszenierung einmal Klamauk bieten. Sie selbst durchbricht mit eigenen Konzerten den Alltag. So gehört sie beim Winterkonzert der Bürgergsellschaft im Neusser Zeughaus am 19. Januar zu den Solisten.

Ist sie nervös vor den Auftritten? Ja, sagt sie, da spüre sie den Adrenalinkick. Der helfe ihr, Leistung zu bringen. Johanna Werhahn stellt die Kaffeetasse ab, schultert ihren Rucksack, eilt zum Bahnhof. Krefeld ist ihr Ziel. Die nächste Probe wartet, Probe für den nächsten Adrenalinkick.

Mehr von RP ONLINE