1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Erinna König zeigt Zeichnungen, Objekte und Malerei auf der Raketenstation

Ausstellung in Neuss : Aus Fundstücken werden Kunstwerke

Der Künstlerin Erinna König ist eine Ausstellung auf der Raketenstation gewidmet. In der Skulpturenhalle der Thomas-Schütte-Stiftung zeigt sie Zeichnungen, Objekte und Malerei aus mehreren Jahrzehnten.

Zwei Jahre ist es her, dass die Düsseldorfer Künstlerin Erinna König die Zusage für eine Ausstellung bekam, die in ihren Augen auch eine Auszeichnung ist: in der Skulpturenhalle der Thomas-Schütte-Stiftung auf der Raketenstation. „Ich bin einfach froh, dass die Kunststiftung NRW diese Ausstellung unterstützt“, sagt die Künstlerin, die zudem den Stiftungsgründer, Bildhauer Thomas Schütte, seit vielen Jahren kennt und weiß, dass er Werke von ihr angekauft hat. Eines davon, „Septemberbild“ von 2002, gehört natürlich zu jenen Exponaten, die nun in der Skulpturenhalle zu sehen sind. Ausgesucht und kuratiert von der Künstlerin selbst und dem langjährigen Wegbegleiter Schüttes, Dieter Schwarz.

 „Der Weg“ (1985) ist eine Arbeit, die geschickt vor eine Tür nach draußen platziert wurde.
„Der Weg“ (1985) ist eine Arbeit, die geschickt vor eine Tür nach draußen platziert wurde. Foto: Helga Bittner

Dem Coronvirus zum Trotz ist die Ausstellung am Wochenende zu besichtigen, eröffnet wurde sie natürlich ohne die übliche Vernissage. Pfeile weisen auf den Ein- und den Ausgang hin: „Wir können die Besucher problemlos trennen“, sagt Thomas Schütte; auf einen ausgezeichneten Rundweg durch die Ausstellung hat er jedoch verzichtet, setzt dabei auf die Eigenverantwortung der Besucher.

 Auch eine „Treppe“ (2019 entstanden) gehört zu den Objekten.
Auch eine „Treppe“ (2019 entstanden) gehört zu den Objekten. Foto: Helga Bittner
  • Erinna König vor ihrer Arbeit „Der
    Künstlerin arbeitet in Düsseldorf : Aus Fundstücken werden Kunstwerke
  • Kinderstiftung Lesen bildet Neuss : Kleine Künstler machen das Leben der Eule bunt
  • Das Multiple auf Filzplatten, die ein
    Ausstellung in Moyland : Beuys’ Filz und Capri-Batterie

So ist jedem überlassen, die Werke Königs für sich zu entdecken. Sparsam sind sie in dem Raum verteilt, stehen oder hängen so, dass sie mit der ungewöhnlichen Architektur korrespondieren. So nehmen die „Schatten“ von 1983 eine der halbrunden Wände fast ein: Holzstücke, auf die König damals Teer aufgetragen hat. Oder „Der Weg“ (1985), eine leicht erhöhte und sich perspektivisch verjüngende Plattform, ist vor einer Tür nach draußen platziert.

Dass diese Arbeiten aus den 1980er Jahren stammen, heißt indes bei Erinna König wenig. „Die Ausstellung ist keine Retrospektive“, sagt sie entschieden, sie habe einfach geschaut, was gut zu dem Raum passt. Seit sie weiß, dass die Ausstellung zustande kommt, habe sie „viel gearbeitet“. Mehr als 44 Arbeiten seien in der Zeit entstanden, 38 hat sie für die Schau ausgewählt. Fundstücke sind oft genug die Grundlage, sie sammelt sie und bewahrt sie in ihrem Atelier: „Manches braucht zehn Jahre, bis ich genau weiß, wie ich es verarbeiten kann“, sagt sie lachend. Die „Treppe“ etwa gehört zu ihren neuen Arbeiten. Stufen, die ihre Größe verändern umrunden einen Pfosten – der ein Original-Treppenpfosten ist: „Er war rot lackiert, und habe ich ihn bearbeitet“, sagt sie. Dass die kleinsten Stufen mit ihren Öffnungen einem Haus ähneln, ist natürlich gewollt: „Treppen gibt es nun mal in einem Haus...“, sagt die Künstlerin.

 Erinna König (an der Wand einige der 16teiligen Reihe „Der Schatten“ von 1983) in ihrer Ausstellung in der Skulpturenhalle.
Erinna König (an der Wand einige der 16teiligen Reihe „Der Schatten“ von 1983) in ihrer Ausstellung in der Skulpturenhalle. Foto: Helga Bittner

Viele Arbeiten Königs haben etwas mit dem Alltag zu tun. Das zeigen Werke wie „Nacht“ (2020) oder die Tischchengruppe aus Holz, Marmor und Kunststoff von 2018. Ersteres wirkt dank der Spiegelung in einer Edelstahlplatte und der drapierten Gardine wie ein Fenster in die Unendlichkeit, das zweite macht aus dem Kabinett mitten im Ausstellungssaal zusammen mit Bildern von „Hemdchen“ einen intimen Raum.

König sieht in den Fundstücken zunächst nur das Material, nicht schon ein Kunstwerk. Das werde es erst in der Verarbeitung, meint sie und weiß zum Beispiel noch genau, wie schwierig es war, das rosa Frotteebadetuch wie ein Bild hinter Glas zu bekommen: Mühsam habe sie die Falten nach ihren Vorstellungen zurechtgeschoben: „Lange habe ich nach einem Kleber gesucht, der mir die Zeit ließ.“

Im Kassenraum der Skulpturenhalle sind unter anderem neben eigenständigen Zeichnungen („Porträts, die in einem Strich entstanden sind“) und anderen Objekten auch Dinge aus ihrem Atelier ausgestellt, die entweder mal wichtig waren oder noch wichtig sind: Modelle, Skizzen, Objekte. Wenn überhaupt von Retrospektive, einer Erinnerung an vergangene Tage gesprochen werden kann, dann dort.