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Neuss: Eleonore Hillebrand schreibt Briefe an ihre Alltagsgegenstände

Buch einer Neusserin : Meine lieben Alltagsgegenstände – Autorin schreibt Briefband

Eleonore Hillebrand, die bis Ende 2021 den Neusser Autorenkreis geleitet hat, hat als Zeichen der Wertschätzung Texte an ihre Gegenstände verfasst.

Die Briefe, die Eleonore Hillebrand in den vergangenen Monaten geschrieben hat, brauchten weder Porto noch Briefkasten. Praktischerweise leben die Empfänger mit ihr unter einem Dach. Da wäre etwa die Bettkante, die Brille oder der Ofen: Sie alle hat die Autorin mit einigen persönlichen Zeilen bedacht. Rund 50 Briefe  hat Eleonore Hillebrand auf diese Weise an ihre Alltagsgegenstände geschrieben. Eine Auswahl davon wurde kürzlich in dem Buch „Briefe an...“ im Neusser Skriptverlag veröffentlicht.

„In der Pandemiezeit war man sehr auf sich selbst zurückgeworfen, da rücken manche Kleinigkeiten stärker in den Blick“, erzählt die Autorin: „Ich habe mir gedacht, warum schreibt man immer nur an Menschen, nicht einmal an die Sachen, die wir täglich in die Hand nehmen und nutzen?“ Als erstes verfasste sie einen Brief an ihren Kleiderschrank, den Hängebauch, wie Hillebrand ihn nennt – immerhin passt er Tag für Tag auf ihre Garderobe auf. Oder an ihr Kehrblech: „Mein lieber Schmutzaufsammler“, schreibt sie, „dass es Dich überhaupt in einem modern geführten Haushalt noch gibt, lehrte mich die Tatsache, dass ich Dich benutzen musste.“ Und weiter: „Du bist noch einer der stabileren Sorte, aus Metall gefertigt, mit roter Emaille überzogen. So eigentlich nicht leicht zu übersehen. Deine schwarze Gummilippe allerdings lässt mir zu oft die feineren Schmutzpartikel durch. Da muss noch mal ein Erfindergeist ran…“.

 Unter anderem ihr Kehrblech als treuer Helfer wurde bedacht.
Unter anderem ihr Kehrblech als treuer Helfer wurde bedacht. Foto: Hillebrand
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Es ist jener skurrile und ironische Unterton, der in den Briefen an die Alltagsgegenstände mitschwingt, und mitunter zum Schmunzeln einlädt. Doch Hillebrand möchte in ihren Briefen vor allen Dingen auch ihre „Wertschätzung“ ausdrücken: „Dass der Wasserhahn uns jeden Tag frisches Wasser spendet, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Hillebrand. Genauso schätzt sie Erfindungen, die den Alltag erleichtern oder drückt ihren Respekt vor dem Materiellen aus. Das ist in Zeiten der Wegwerfgesellschaft ein besonderes Statement. „Hinzu kommt, dass nicht alle Gegenstände einen Geldwert haben, andere haben vielleicht einen anderen ganz besonderen Wert“, sagt Hillebrand und verweist auf ihren Nussknacker. „Du hast ja so eine Art Schwerstarbeit zu leisten. Aber schön bist Du anzusehen, weil der Maler tief in die Farbtöpfe gegriffen und Dir eine rot-weiße Husarenuniform verpasst hat“, schreibt sie ihm. „Wenn ich Dich anschaue, siehst Du durch mich hindurch. Macht nichts. Hauptsache Du knackst meine Nüsse. Zu Weihnachten ist wieder Hauptsaison für Dich. Ruh Dich noch ein wenig aus.“ Ob es noch einen Band gibt, in dem ihr die Gegenstände antworten? Wer weiß.

Info: Gibt es auch einen Gegenstand in ihrem Haushalt, bei dem sie sich bedanken wollen? Dann erzählen Sie uns doch gerne unter aktion@ngz-online.de