Neuss: Eine-Welt-Laden der Dreikönigsgemeinde sucht dringend Nachfolge

Pfarrgemeinde Heilige Dreikönige in Neuss : Nachfolger für Eine-Welt-Laden gesucht

20 Jahre lang hat Hermann Olzem den Laden der Gemeinde Heilige Dreikönige ehrenamtlich betreut. Der 76-Jährige sucht dringend einen Nachfolger, der die Koordination übernimmt – sonst muss der Laden schließen.

Bereits im Januar legte Hermann Olzem sein Ehrenamt als Koordinator des Eine-Welt-Ladens nieder. Seitdem fehlt dem Laden eine Leitung, denn keiner will seinen Posten übernehmen. „Und es kommt noch schlimmer: Viele wollen jetzt auch aufhören“, sagt Olzem.

Rund 15 Ehrenamtliche würden sich derzeit um den Laden kümmern und die Schichten an Mittwochen und Sonntagen untereinander aufteilen. „Allerdings ist unser Altersdurchschnitt schon recht hoch und jüngere Leute haben oft keine Zeit mehr für ein Ehrenamt“, sagt der 76-Jährige. Trotzdem will er nicht, dass der Laden deswegen geschlossen wird, denn die Erträge gehen an soziale Projekte in Indien und Uganda, die ihm sehr am Herzen liegen.

Die Beziehung zu Uganda ist durch Robert Omara zustande gekommen. Der ugandische Pfarrer hat über 14 Jahre hinweg die Ferien-Vertretung für Pfarrer Franzen in der Heiligen Dreikönigsgemeinde an der Jülicher Straße übernommen. Auch dieses Jahr übernimmt er einen Vertretungsdienst – dieses Mal allerdings in einer Gemeinde in Elsdorf.

„Mit dem Geld unterstützen wir zum einen angehende Priester in unseren Seminaren“, sagt Omara. Der andere Teil würde Kindern in Uganda eine Schulbildung ermöglichen. Denn im Gegensatz zu Deutschland endet dort die Schulpflicht nach der Grundschule und ist anschließend kostenpflichtig. „Viele Kinder haben ihre Eltern durch AIDS verloren und können sich die weiterführende Schule nicht leisten“, sagt er. Diese wolle er weiterhin unterstützen und er sei sehr dankbar, dass die Erträge aus dem  Neusser Eine-Welt-Laden ihm das bisher ermöglicht haben.

Vom Ende des Eine-Welt-Ladens will Olzem gar nicht reden – vor allem nicht vor Omara, der gerade zu Besuch ist. „Man weiß einfach, wofür man es tut“, sagt er, nickt und Omara stimmt ihm zu. „Wir können mit ein paar Tausend Euro vieles bewegen“, sagt Olzem, der sich vor allem aus gesundheitlichen Gründen aus dem Ehrenamt zurückzieht.

Dass Omara nach Deutschland  kam, lag daran, dass er nach seinem Studium der Bibelwissenschaften in Rom Deutsch lernen wollte. Er hat sich dann für einen Sprachkurs in Deutschland entschieden und damit er die Sprache nicht verlernt, Vetretungsdienste angenommen. So kam er auch nach Neuss, wo die Freundschaft zu Olzem entstand.

Gegründet wurde der Eine-Welt-Laden bereits 1985 von einem Pfadfinder aus der Gemeinde. Als dieser 1999 überraschend verstorben ist, hat Olzem seine Position übernommen. „Und ich bin erst 2004 in Rente gegangen“, sagt Olzem. Er könne nachvollziehen, dass viele heutzutage neben dem Beruf kaum noch Zeit für ein Ehrenamt aufbringen können. Und trotzdem gibt es derzeit doch nichts, was er sich mehr wünscht. „Dieses Amt gibt einem so viel zurück“, sagt er. Natürlich müsse man die Bestellungen im Blick behalten, aber dafür käme man auch mit reichlich Menschen in Kontakt.

Olzem glaubt auch nicht daran, dass sich durch ein kleines Entgelt für die Dienste im Laden mehr dazu bereit erklären würden. „Es geht nur um die Zeit – die haben die meisten nicht mehr.“ Aufgegeben, das hat Pfarrer Omara aber noch nicht: „Wir beten, dass vielleicht noch jemand kommt.“

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