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Neuss: Ein fast privates Konzert mit großer Ausstrahlung auf Gut Selikum

Auf dem Gut Selikum in Neuss : Ein fast privates Konzert mit großer Ausstrahlung

Statt Hoffest gab es ein Konzert: Coronabedingt mussten die Anwohner von Gut Selikum auf ihr alle zwei Jahre stattfindendes Fest verzichten und luden stattdessen die Kammerakademie ein.

Die Eigentümergemeinschaft des Gutes Selikum kann normalerweise zu ihrem Hoffest rund 400 Gäste begrüßen. Dieses Erlebnis musste in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden. Aber ohne Alternative wollten die zehn Familien nicht bleiben. Karl-Heinz Bretschneider und Wilhelm Petzold suchten Kontakt zur Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN). Beide sind auch der Museumsinsel Hombroich eng verbunden.

DKN-Orchestermanager Martin Jakubeit war geradezu begeistert ob der Anfrage und machte mit Unterstützung der Staatsministerin für Kultur und Medien das „Sommerkonzert auf Gut Selikum“ binnen kürzester Zeit möglich. Hilfreich war auch das Engagement des Kreiskulturdezernenten Tillmann Lonnes.

Gut 100 Zuhörer durften im weiträumigen Atrium des Gutes Platz nehmen und wurden so Ohrenzeugen eines außergewöhnlichen Konzertes. 20 Mitglieder der DKN und als Gast Javad Javadzade (Kontrabass) musizierten unter ihrer künstlerischen Leiterin Isabelle van Keulen, die auch in allen Werken als Solistin (Violine) brillierte. Zusammen mit der Konzertmeisterin Eva Stegemann spielte sie das Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll von Johann Sebastian Bach. Der Mittelsatz „Largo“ war, überwiegend im Piano, von ganz seltener Güte. Wer hätte erwartet, dass diese Feinheit open-air möglich ist. Die unmittelbare Akustik des Innenhofes trug maßgeblich dazu bei. Apart auch die kurze Rhapsodie „Brava!“ für Streichquintett der 25-jährigen Komponistin Laure Chan, einer Schülerin von van Keulen.

„Weil wir uns hier in der Nachbarschaft zum Kinderbauernhof befinden, spielen wir Telemanns Violinkonzert mit dem Beinamen ‚Die Frösche‘“, sagte die Leiterin und übernahm den „Solofrosch“, während die DKN einen heiteren Froschchor bildete. Wechselnde Stimmungen und DKN-Glanz schilderten den Sommer in Vivaldis berühmten „Vier Jahreszeiten“-Konzerten und als Zugabe den Ausblick im friedlichen „Largo“ des Winters mit seinen Pizzicato-Regentropfen zu schmeichelnder Violinmelodie. Dabei blieb das Wetter trocken.