Neuss: Ein Besuch bei NGZ-Karikaturist Wilfried Küfen

Besuch bei Wilfried Küfen in Neuss : Von der Idee zur Karikatur

Zeichentalent allein reicht nicht aus: Auch ein Thema muss her. Der NGZ-Karikaturist Wilfried Küfen hat sich bei seiner Arbeit über die Schulter schauen lassen.

Ein Kringel mit dem Bleistift, ein Tupfer orange mittig hinein, darunter drei blaue Linien mit dem Pinsel. Fertig. Die Silhouette eines Mannes. Kinderleicht – zumindest wenn man so zeichnen kann wie Wilfried Küfen. Für eine Karikatur reicht Zeichentalent allein aber nicht. Ein Thema muss her und eine Idee, wie dieses Thema karikiert werden kann. Bei Küfen funktioniert das so: „Als erstes lese ich Zeitung“, erzählt er. Normalerweise noch im Bett – heute ausnahmsweise am Schreibtisch. Ein aktuelles Thema: CDU-Frau Ruth Sternemann-Böcking erwägt auch als Bürgermeisterkandidatin anzutreten. Küfen denkt laut: „...alle außer Rosen...“ Und dann: „Die Nüsser Röskes dürfen alles, außer Rosen verteilen, und nehmen statt dessen... eine Blutwurst.“ Themenfindung beendet.

Der Karikaturist nimmt ein Din A4 Blatt und legt es auf seine grüne Schreibtischunterlage, die umzingelt ist von Gläsern mit Pinseln, Stiften und Tuschefedern. Doch Küfen greift zum effen Kugelschreiber. „Damit kann man lockerer zeichnen“, erklärt er und beginnt. Keine zwei Minuten später zeigt das Papier eine Frau, die mit wehendem Kleid und Zopf sowie einer Wurst in den Händen auf einen Grenadierzug zu eilt.

Küfen wechselt auf die andere Schreibtischseite. Dort steht zwar ein Computer, aber: „Ich bin ein Steinzeit-Karikaturist, ich male nur mit Tusche und Farbe.“ Der PC bleibt also aus. Dafür zieht er unter der Schreibtischplatte eine Schublade mit Leuchtpult hervor, auf das er erst die Skizze und dann ein 300 Gramm schweres Papier legt.

Eine Feder wird in die Tusche getunkt und mit der durchschimmernden Skizze als Vorlage das Bild nochmal gezeichnet – nur mit viel mehr Details. Zunächst wieder die Frau, dann folgen die Köpfe der fünf Schützen. Neben die Köpfe je zwei senkrechte Linien – das werden die Gewehre. Sie erhalten jeder zwei Blumen, eine Hand, die das Gewehr hält, dann folgen Schultern, die Rümpfe der Schützen, die Beine und schließlich die Fußspitzen. Einige Details werden ganz anders als in der Skizze. „Ach, die Frau bekommt heute mal keinen Zopf“, beschließt Küfen. Den erhält dafür ein Schütze. Ein anderer bekommt eine Sonnenbrille, denn: „Eine muss immer dabei sein.“

Auch Pferdeäpfel dürfen in einer Schützenkarikatur nicht fehlen. Sie kommen in die linke Ecke, die Signatur in die rechte. Dann wechselt Küfen wieder die Schreibtischseite. Mit Kreppband befestigt er die Zeichnung auf einem Stück Pappe. „Damit sich das Papier nicht wellt“, erklärt er und greift zum Bleistift. Mit ihm zeichnet Küfen – scheinbar wahllos – Kringel und Striche in den Bildhintergrund. Anschließend geht es mit dem Pinsel weiter: Im Farbkasten wird Orange gemischt. „Fürs Gesicht“, sagt der Karikaturist. Als nächstes Blau – für die Uniform des Leutnant, als Schatten auf dem weißen Kleid der Frau und unter ein paar Kringel, die plötzlich zu Zuschauern im Hintergrund werden. Schwarz für Frack, Bauchbinde, Zylinder, Schuhe. „Wenn man einmal eine Farbe am Pinsel hat, muss man überlegen, wo man sie alles braucht“, erklärt er.

Zwischendurch tupft er mit einem Küchenpapier Farbe weg, trägt dort noch etwas Farbe auf und erzählt: Dass er selten eine Zeichnung neu beginnen müsse; Dass es etwa einen Monat dauert, bis das alljährliche Schützenbild fertig sei; Dass er gefühlt schon jeden Neusser Bürger gezeichnet habe – als Schütze bei der Parade, beim Biwak oder auf der Wiese oder als Zuschauer oder Gast; Dass er trotzdem immer mal wieder nachschauen müsse, wie einige Uniformen aussehen. Und dass er die Leute immer so zeichne, dass er ihnen noch in die Augen sehen könne. Und ganz nebenbei wird dabei die Karikatur fertig. Sagenhaft und Kinderleicht – zumindest für Küfen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So entsteht eine Karikatur von Wilfried Küfen

Mehr von RP ONLINE