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Neuss: Drei von vier Pfarrstellen im Süden der Stadt leiten Ehepaare

Kirche in Neuss : Pfarr-Ehepaare: Neuss-Süd bricht alle Rekorde

Das gibt’s nur im Neusser Süden: Gleich drei Ehepaare verrichten ihren Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Neuss-Süd. Kennengelernt haben sich alle Paare bereits im Studium.

Nadine und Sebastian Appelfeller sind für die Kreuzkirche in Gnadental sowie für Erfttal und das Meertal zuständig. Ulrike Bartkiewitz und Dirk Thamm sind in der Auferstehungskirche in Weckhoven auch für Hoisten im Einsatz und Annette Gärtner deckt mit ihrem Mann Jens Bielinski-Gärtner in Uedesheim in der Friedenskirche auch den Stadtteil Grimlinghausen mit ab. Ergänzt wird das Team um Pfarrerin Beate Müsken aus der Erlöserkirche in Reuschenberg. Sie kümmert sich auch um Gemeindeglieder in Holzheim und Selikum. Pfarrerin Anna Berkholz, die soeben in die Pfarrstelle der noch jungen Gemeinde Am Norfbach gewählt wurde, ist derzeit noch im Rahmen eines „nicht-stellengebundenen Auftrags“ vor allem in Gnadental tätig. Damit zeigt die Gemeinde im Neusser Süden mit vier Pfarrstellen, die auf sieben Personen verteilt sind die höchste Dichte an Pfarrehepaaren im Rheinland auf.

 Das sind die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Neusser Süden: (v.l.) Beate Müsken, Annette Gärtner und Jens Bielinski-Gärtner, Ulrike Bartkiewitz und Dirk Thamm, Nadine und Sebastian Appelfeller sowie Anna Berkholz.
Das sind die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Neusser Süden: (v.l.) Beate Müsken, Annette Gärtner und Jens Bielinski-Gärtner, Ulrike Bartkiewitz und Dirk Thamm, Nadine und Sebastian Appelfeller sowie Anna Berkholz. Foto: Andreas Woitschützke

Kennengelernt haben sich alle Paare im Studium: „Wir haben an der Ruhr-Uni in Bochum studiert und uns tatsächlich schon im 1. Semester gefunden,“ sagt das dienstälteste Paar aus Uedesheim. Damit das Vikariat möglichst in der Nähe voneinander absolviert werden konnte, haben die Beiden noch vorher geheiratet und kamen 1994 in die Gemeinde am Rheinufer. „Wir hatten damals schon unseren ersten Sohn. Er war gerade zwei Wochen alt und so haben wir uns die Pfarrstelle geteilt.“ In Gemeinde- und Familienzeit wird bei Familie Bielinski-Gärnter noch heute unterschieden, aber die Übergänge sind fließend: „Die Abgrenzung ist in unserem Job schon manchmal schwierig, schließlich arbeiten wir mit Menschen,“ erzählt Annette Gärtner. Sie hat mit ihrem Mann die Woche tageweise aufgeteilt, „so dass Termine auch mal ohne Rücksprache gemacht werden können, weil jeder genau weiß, wer wann dran ist.“ Auch Vertretungen im Krankheitsfall sind innerhalb des Pfarrhauses gut zu gewährleisten und so blickt das Paar sehr wohlwollend und dankbar auf die gemeinsamen Dienstjahre.

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Den sprichwörtlich „kurzen Dienstweg“ schätzt auch die Kollegin Anna Berkholz, die vor zwei Jahren als Entlastungspfarrerin vor allem für Pfarrer Appelfeller, der als Vorsitzender des Verbands der Evangelischen Kirchengemeinde in Neuss auch übergeordnete Aufgaben übernimmt, aus Göttingen nach Neuss kam und nun bald in ihre eigene Kirchengemeinde Am Norfbach wechselt. „Wenn man im Pfarrhaus einen telefonisch erreicht, weiß der andere es dann spätestens am Abend auch gleich,“ und ergänzt „wir haben einen Menschenjob – da ist auch das Team von entscheidender Bedeutung.“ Unterschiedliche Meinungen und Ratschläge, miteinander sitzen, arbeiten und erzählen – ein Leben in Gemeinschaft und Beziehung wird in Neuss-Süd großgeschrieben und Pfarrerin Berkholz bezeichnet die bunte Mischung „als Jackpot“.

In Weckhoven beim Ehepaar Bartkiewitz/Thamm, das seit 2009 die Gemeinde an der Auferstehungskirche übernommen hat, wird nur ein gemeinsamer dienstlicher Kalender geführt. Dirk Thamm: „Wir haben feste Arbeitstage und halten diese auch sehr genau ein.“ Seine Frau Ulrike ist zusätzlich ausgebildete Erzieherin, Pfarrer Thamm unterrichtet neben der Kirchenarbeit seit vier Jahren Religion an der Gemeinschaftsgrundschule Kyburg in unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses – da sind genaue Absprachen und die Verteilung der Aufgaben wichtig.

Die Kollegin Beate Müsken aus Reuschenberg empfindet das große Team als „sehr lebendig und für die Gemeinde eine gute Sache“. Alle haben verschiedene Gaben und Talente und können diese segensreich für die Menschen in den jeweiligen Bezirken einbringen. „Aber das Besondere an unserer Gemeinde ist auch, dass wir in unseren jeweiligen Kirchen dennoch sehr eigenständig arbeiten können – auch wenn wir insgesamt ein großes Team sind.“

Im Hause Appelfeller in Gnadental werden die anfallenden seelsorglichen und pfarrdienstlichen Arbeiten nach Aufgaben getrennt: „Wir haben vier Kinder, da macht es Sinn, dass wir beide die Vormittage nutzen, wenn alle mal gleichzeitig eine Weile aus dem Haus sind,“ erzählt Nadine Appelfeller, die seit 2012 mit ihrem Mann Sebastian für die Kreuzkirche in Gnadental zuständig ist. Die damit verbundene Flexibilität erachten sie beide als großen Vorteil und nutzen gerne die guten Möglichkeiten der Vertretung oder des Tauschs, wenn einer mal spontan ausfällt oder die Kinder sie brauchen. Dennoch sei es in Neuss-Süd kein „Pärchending“, betont Pfarrer Appelfeller und die gute Arbeit unter den Kollegen steht für das gesamte Team im Vordergrund. Durch die unterschiedlichen Generationen kann sich jeder etwas bei den anderen abgucken, aber auch Abgrenzung ist in dem Zusammenhang wichtig.

Pfarrerin Müsken ist vor allem froh, dass sie ihre Kollegen nun wieder regelmäßig und in Person sehen kann: „Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns und konnten die Gemeinde auch unter diesen so anderen Bedingungen tragen – nun bin ich aber dankbar, dass ganz bald wieder eine andere Gemeindearbeit mit unserem tollen Team möglich sein wird.“ Und Pfarrer Thamm fasst abschließend zusammen: „Gut, dass wir alle anders sind – das ist doch ein Segen und ein großes Glück.“ Iris Wilcke