Obdachloser in Neuss erstochen Bundesgerichtshof hebt Mord-Urteil auf

Neuss · Im April 2022 wurde ein obdachloser Mann in Neuss von einem damals 17-Jährigen erstochen. Die Verurteilung wegen Mordes wurde nun aufgehoben. Das sind die Gründe.

 In Gedenken an den getöteten jungen Mann wurden Kerzen und Blumen am Tatort platziert.

In Gedenken an den getöteten jungen Mann wurden Kerzen und Blumen am Tatort platziert.

Foto: Simon Janßen

Der Bundesgerichtshof hat die Verurteilung eines zur Tatzeit 17-jährigen Jugendlichen wegen Mordes aufgehoben. Der Jugendliche hatte in Neuss einen Obdachlosen in dessen Zelt erstochen. Kostenpflichtiger Inhalt Im vergangenen September hatte ihn das Landgericht Düsseldorf dafür zu neun Jahren Jugendhaft wegen Mordes verurteilt. Die Revision des Angeklagten in Karlsruhe hatte nun teilweise Erfolg.

Der Jugendliche hatte durch eine Zeltplane gestochen. Beim ersten Stich müsse er gemerkt haben, dass er den Obdachlosen getroffen und verletzt habe, so die Richter des Landgerichts. Spätestens beim zweiten der beiden Messerstiche, die den Obdachlosen trafen, habe er damit dessen Tod in Kauf genommen.

Dabei erwähnten die Richter, dass unklar geblieben sei, welcher der beiden Messerstiche der tödliche war und welcher das Opfer nur verletzte. Daraus schloss der BGH, dass, falls der erste Stich tödlich war, möglicherweise kein Tötungsvorsatz vorlag. Der Fall muss nun von einer anderen Strafkammer des Landgerichts neu aufgerollt werden. Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten äußerte der BGH nicht.

Der Angeklagte hatte die Tat im Prozess bestritten. Er kann nun auf eine mildere Strafe hoffen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten zehn Jahre Haft gefordert. Der Jugendstrafprozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Passant hatte die Leiche des Obdachlosen in der Nähe des Güterbahnhofs in Neuss gefunden.

(dpa/jasi)