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Neuss: Diskussion im Kreishaus über Populismus, Extremismus und Hate-Speech

Diskussion im Kreishaus Neuss : Wenn das Internet zur Waffe wird

Auf Einladung der „Partnerschaft für Demokratie“ wurde am Freitag im Kreishaus über die Themen Populismus, Extremismus und Hate-Speech diskutiert. Dabei ging es vor allem um Gewalt in Sozialen Medien.

Pro Minute loggen sich eine Million Menschen bei Facebook ein, in derselben Zeit werden 4,5 Millionen Videos bei YouTube angeschaut. Zahlen, die beweisen, wie verankert Soziale Medien mittlerweile weltweit in der Gesellschaft sind. Rund drei Milliarden Menschen auf dem Planeten nutzen sie regelmäßig, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, Fotos zu veröffentlichten oder sich über Veranstaltungen zu informieren.

Doch Facebook und Co. haben auch eine Schattenseite. Und dieser widmete sich am Freitag die „Partnerschaft für Demokratie“ im Lichthof des Kreishauses unter dem Motto „Populismus, Extremismus und Hate-Speech“. Anlass der Veranstaltung war der Startschuss der zweiten Förderperiode des vom Bund geförderten Programms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“, an dem sich der Rhein-Kreis Neuss auch in Zukunft beteiligen wird.

„Demokratie fällt nicht vom Himmel und sie bleibt nicht von allein erhalten. Sie hat Bestand, wenn die Menschen sich dafür stark machen“, sagte Kreisdirektor Dirk Brügge in seinem Grußwort. Der Rhein-Kreis werde sich weiterhin – auch in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst für Integration und Migration, der Caritas-Sozialdienste sowie der Diakonie – dagegen wehren, dass rechter und linker Extremismus Platz in der Mitte der Gesellschaft finden. „Man darf auf keinem Auge blind sein“, so Brügge. Das Problem: Zweifelhafte Meinungen ließen sich heutzutage ganz einfach per Mausklick verbreiten.

Und genau da setzte Nicole Rieber von der Berghof Foundation an. Sie gab den Gästen einen ausführlichen Überblick über die komplexe Thematik Hate-Speech. Eine ihrer Botschaften: Der Einfluss von Sozialen Medien auf das „echte“ Leben dürfe nicht unterschätzt werden. „In den vergangenen fünf Jahren stellen wir einen Anstieg an politisch motivierte Delikten fest“, so Nicole Rieber. Erschreckend: Menschen, die diese Delikte – zum Beispiel aus rassistischen Gründen – begehen, seien in der Regel davon überzeugt, dass der Großteil der Gesellschaft ihre diskriminierenden Ansichten teile. „Eben, weil ihnen bei Facebook viele Menschen zugestimmt hätten“, so die Expertin, die im Netz zudem eine steigende „Normalität von Diskriminierung“ feststelle.

Den sozusagen optischen Rahmen zur Veranstaltung lieferten am Freitag Studenten der Hochschule Düsseldorf, die unter der Leitung von Wilfried Korfmacher Motive anlässlich des 70. Geburtstages des Grundgesetzes im vergangenen Jahr hergestellt haben.