Neuss: Diese Aufgaben haben Ordensritter heutzutage

Ordensritter in Neuss : Was Ritter in der Moderne machen

Einige Neusser sind auch Ritter in einem christlichen Orden. Diese Bedeutung und Aufgaben haben sie heutzutage.

Martin Flecken gehört dazu und Thomas Nickel auch. Präsident und Ehrenpräsident der Neusser Schützen sind Ritter. Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Dieser päpstliche Ritterorden dient vor allem der Unterstützung der Christen im Heiligen Land und geht in seiner Tradition auf die Kreuzritter des Mittelalters zurück. Aber so, wie die Schützen nur noch Blumen in ihren Holzgewehren tragen, ist auch das Wirken der modernen „Kreuzritter“ ganz unblutig. Es sind vor allem karitative und kulturell-kirchliche Zwecke, die die heutigen Ritter in Jerusalem und im Heiligen Land verfolgen.

Zu den prominenten Neusser „Grabesrittern“ gehörte auch Engelbert Werhahn. Der längst verstorbene Kaufmann war der Initiator der Ökumenischen Michaelsvesper in der Quirinus-Basilika, dem wohl wichtigsten ökumenischen Gottesdienst in Neuss. Bei diesem Gottesdienst katholischer, evangelischer und orthodoxer Christen gehören die Vertreter der verschiedenen historischen Ritterorden in ihren traditionellen Gewändern selbstverständlich dazu.

Auch in der evangelischen Kirche hat sich die Ritter-Tradition erhalten. Die evangelischen Johanniter fußen in ihrer Geschichte auf dem 1048 gegründeten Hospitalitäts-orden, der bereits vor dem Ersten Kreuzzug (1096-1099) ein Pilgerhospital in Jerusalem betrieben hat. Der katholische Zweig dieser dem heiligen Johannes geweihten Rittergemeinschaft ist der Souveräne Malteserorden, mit der Besonderheit, dass die Malteser ein Völkerrechtssubjekt sind. Nach den Niederlagen der Kreuzritter gegen die muslimischen Heere, verlegten die Johanniter ihren Sitz schließlich 1530 nach Malta. Daher bürgerte sich für den katholischen Teil des Ordens der Name „Malteser“ ein.

Johanniter und Malteser betreiben in Deutschland große Hilfsdienste, die auch in Neuss vor allem im Rettungswesen tätig sind. Diese christlichen Hilfsorganisationen verfolgen in eigener Rechtsträgerschaft die ursprünglichen Ziele der Rettung und Krankenhilfe weiter.

Während die in Deutschland weit verbreiteten Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem ein erst im 19. Jahrhundert gegründeter päpstlicher Laienorden ist, dem man gleichsam wie einem Verein beitritt, werden die seltener anzutreffenden Malteser von ihren Professrittern getragen. Sie legen die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ab. Sie leben also in gewisser Weise wie Mönche, ohne allerdings in einem Kloster wohnen zu müssen.

Johanniter und Malteser sind stark von adligen Mitgliedern geprägt. Ursprünglich konnten überhaupt nur Adlige Mitglieder eines Ritterordens werden. Das hat sich inzwischen geändert. Die Grabesritter dagegen waren stets eine eher bürgerliche Ordensgemeinschaft.

Zu den mittelalterlichen Ritterorden gehörte auch der Deutsche Orden, der 1190 in Akkon von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck gegründet wurde. Auch die Deutschordensritter legten die Mönchsgelübde ab. Seit der Reform des Ordens 1929 sind die Deutschritter als Priester jedoch regulierte Chorherren. Neben den Priestern gibt es beim Deutschen Orden noch Ordensschwestern und Laien, die so genannten Familiaren.

Auch der Deutsche Ritterorden musste das Heilige Land verlassen und wurde schließlich mit der Christianisierung der heidnischen Pruzzen (Ostpreußen) beauftragt. Es entstand der deutsche Ordensstaat mit der Marienburg als Hauptsitz. Nach der Säkularisierung durch den Kurfürsten von Brandenburg im Zuge der Reformation, verlegte der Orden seinen Sitz erst nach Bad Mergentheim und schließlich nach Wien.

Heute sind die Deutsch-Ordenspriester vor allem in der Seelsorge tätig. Die Gemeinschaft betreibt in Deutschland aber auch Krankenhäuser und andere Sozialeinrichtungen, wie etwa Altenheime.

Der geheimnisvollste Ritterorden waren die 1118 im Königreich Jerusalem gegründeten Tempelritter. Ihr Name richtete sich nach dem salomonischen Tempel in Jerusalem. Er ist der einzige der drei mittelalterlichen Ritterorden, der heute nicht mehr existiert. Die Templer fielen einer Intrige des französischen Königs Philipp IV. zum Opfer. Er ließ in einem Machtkampf viele Templer ermorden. 1312 wurde der Orden von Papst Clemens V. offiziell aufgelöst.

Am Anfang aller Ritterorden stand der Schutz und die Versorgung der christlichen Pilger im Heiligen Land. In den Kreuzzügen traten die Ritter aber vor allem auch als Krieger auf. Die modernen Ritterorden haben sich jedoch wieder auf ihren caritativen Auftrag besonnen.

Dabei tritt der Bezug zum Heiligen Land bei den Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem besonders deutlich hervor. Auch Thomas Nickel berichtet, dass er seit 20 Jahren immer wieder nach Israel fahre. „Durch den Ritterorden habe ich einen vertieften Einblick in diese faszinierende und so schwierige Weltregion gewonnen“, sagt der Ehrenpräsident des Neusser Bürger-Schützenvereins. Aktuell bereist er wieder Jordanien und Palästina.

Die Grabesritter pflegen seit jeher ein enges Verhältnis zum Lateinischen Patriarchen von Jerusalem und unterstützen, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und andere Sozialwerke des katholischen Jerusalemer Bischofs. Dazu zählen auch das Priesterseminar und die Pfarren des Patriarchen.

Aufgrund ihrer Nähe zur orientalischen Christenheit, ist den Grabesrittern die Ökumene mit den Orthodoxen besonders wichtig. Als Engelbert Werhahn die ökumenische Michaelsvesper initiierte, war ihm deswegen die Einbeziehung der in Neuss vielköpfig vertretenen Griechisch-Orthodoxen ein Herzensanliegen.

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