Neuss: Neuss – die unsichtbare Stadt

Neuss : Neuss – die unsichtbare Stadt

Ob Grafik in der "Zeit", die WDR-Wetterkarte, Navigationsgeräte oder Autobahn-Beschilderung – Neuss wird nicht, zu klein oder unpräzise dargestellt – sagt Ex-Ratsherr Hüsch. Er fordert das Presseamt auf, für Abhilfe zu sorgen.

Ob Grafik in der "Zeit", die WDR-Wetterkarte, Navigationsgeräte oder Autobahn-Beschilderung — Neuss wird nicht, zu klein oder unpräzise dargestellt — sagt Ex-Ratsherr Hüsch. Er fordert das Presseamt auf, für Abhilfe zu sorgen.

Das WDR-Internet: auch hier fehlt Neuss. Foto: ngz

Dr. Heinz Günther Hüsch ärgert sich. Schaut der Ex-Ratsherr und bekennende Neusser, der heute 83 Jahre alt wird, auf die Internet-Wetterkarte des WDR, entdeckt er keinen Hinweis auf Neuss, ebenso wenig auf einer großen NRW-Karte, die kürzlich in der Wochenzeitung "Die Zeit" erschien.

Inga Hassink outet sich mit Wappen auf dem Auto als Neusserin. Foto: Woitschützke, Andreas

Das Navigationsgerät seines Mercedes zählt die Quirinusbasilika nicht zu den Sehenswürdigkeiten und wenn er sich seiner Heimatstadt über die Autobahn A 46 aus Richtung Aachen nähert, "fehlen die Hinweisschilder auf den drittgrößten Binnenhafen Deutschlands". Nach Auffassung von Hüsch wird Neuss mit seinen fast 155 000 Einwohnern als größte eingekreiste Stadt Deutschlands überregional zu wenig beachtet, weil es nicht offensiv genug vermarktet wird: "Das städtische Presseamt träumt."

Seit vielen Jahren kritisiert Hüsch die Außendarstellung der Stadt Neuss, die sich zu den ältesten Städten in Deutschland zählt. Das Rathaus weist die Kritik zurück. Alle bedeutenden Hersteller von Navigationsgeräten seien angeschrieben worden, erklärt Stadtsprecher Michael Kloppenburg, "und Neuss und seine Sehenswürdigkeiten sind in den aktuellen Systemen angemessen dargestellt".

Auch die Beschilderung auf der Autobahn sei nicht schlecht: "Allein zwischen dem Hildener Kreuz und der Fleher Brücke habe ich acht Schilder gezählt, die den Weg nach Neuss weisen." Die Stadt verfüge mit der Skihalle, dem Schützenfest und der Quirinusbasilika drei Botschafter, die überregional bekannt seien.

"Die Zeit" veröffentlichte unlängst eine Grafik mit Städten und Sehenswürdigkeiten in Nordrhein-Westfalen. Grevenbroich mit dem Tagebau-Bagger und Zons mit der Windmühle waren vertreten — Neuss nicht. Jan Kruse von der Agentur humanempire in Hamburg, der die Grafik gestaltete, erzählt, dass die Auswahl subjektiv erfolgt sei: "Wir haben nach Dingen gesucht, die über die Grenzen der Region hinaus bekannt sind. Mit Neuss haben der zuständige Redakteur und ich nicht direkt etwas Markantes in Verbindung gebracht." Die Quirinusbasilika oder das Schützenfest seien ihnen nicht spontan eingefallen.

Für Michael Kloppenburg und seinen Kollegen Peter Rebig, Chef von Neuss Marketing, bleibt also noch viel Arbeit. Rebig verweist dabei auf ein kleines Steinchen im großen Marketing-Puzzel: das Stadtwappen als Aufkleber fürs Auto. Ein nur 1,50 Euro teurer Botschafter für die Stadt Neuss. "Jedes vierte Auto, das in Neuss parkt, hat einen solchen Aufkleber", sagt Rebig, "das haben Zählungen ergeben." Ein Anfang ist gemacht!?

(NGZ/rl/top)
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