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Neuss: Die Schulen und ihre Transparenz

Kolumne - Hermann merkt an : Die Schulen und ihre Transparenz

Im Gymnasium Norf steigt die Anspannung. Denn am Montag kommen die „Wertungsrichter“, die auch Unterrichtsbesuche in den Klassen machen.

Bei denen geht es nicht darum, ob ein armer, gequälter Referendar sein Lehrerexamen bekommt und weiter unterrichten darf. Nein, die Schulpraktiker und Bildungswissenschaftler wollen in einer zweitägigen Visite ergründen, ob das „kleine Dorfgymnasium“, wie Schulleiter Stefan Kremer die größte weiterführende Schule in Neuss gerne verniedlicht, die beste Schule Deutschlands ist.

Unter die Top 20 hat es das Gymnasium in dem bundesweit anspruchsvollsten Schulwettbewerb schon geschafft, nun geht es darum, ob die Norfer Penne – wie bereits 2016 – zu den Finalisten zählt, die im Sommer nach Berlin eingeladen werden.

In der Branche sind solche Wettbewerbe und Rankings nicht unumstritten. Es gibt Schulen, wo man darüber die Nase rümpft: All das habe mit dem Bildungsauftrag nichts zu tun, sagen sie und unterstellen jenen, die sich diesem Stress aussetzen, nur nach einer weiteren hübschen Plakette zu gieren, die sie neben dem Haupteingang andübeln können. Aber: Das ist nur der Reflex der Bequemlichkeit. Denn wer in diesem Wettbewerb bestehen will, muss große Anstrengungen auf sich nehmen. Und er gibt sich in die Situation, dass Externe sein Schulkonzept durchleuchten, analysieren – und zerfleddern. Wenn von Transparenz die Rede ist: Hier wird sie greifbar.

Es gibt aber auch das Gegenstück dazu. Schulen zum Beispiel, die sich zwar der regelmäßigen Qualitätsanalyse, die das Land seit 2006 vorschreibt, nicht entziehen können, mit den Ergebnissen dann aber hinter dem Berg halten. Diesem Check haben sich seit 2012 kreisweit 92 Schulen unterzogen, davon 35 in Neuss. Von den Gymnasien in Neuss und Kaarst etwa waren auf Nachfrage nur fünf bereit, den Analysebericht der Bezirksregierung bereitzustellen. Allerdings gaben sie unterschiedlich viel preis und leiteten nur selektiv Kriterien zur Auswertung zu. Um es klar zu sagen: Das Schulgesetz lässt das ausdrücklich zu, indem es Schulen freistellt, das Ergebnis der Untersuchung publik zu machen. Eine Veröffentlichung ist ohne Zustimmung der Schulkonferenz sogar unzulässig und unterliegt auf jeden Fall dem Datenschutz. Doch lässt all das tief blicken. Bald startet die Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen. Vielleicht lohnt es sich für Eltern ja, dabei mal nach dem Ergebnis der Analyse zu fragen.