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Neuss: Die echte "Häschenschule" von Kaninchenzüchterin Silke Menzel

Ostern 2022 in Neuss : Was Kaninchen  in der „Häschenschule“ lernen müssen

Fast wie im Kinderbuchklassiker „Die Häschenschule“ müssen auch Kaninchen eine Menge lernen. Dafür geht‘s raus aus der „Kaninchenstube“ zum Unterricht im Freien. Ein Besuch.

Ob Mama Arya ihren Kleinen auch noch einmal die Nase mit einem Kohlblatt putzte? Die Pfötchen der Kaninchen sind jedenfalls rein, eine Schultasche haben Funny, Flake, Falco und Faxe aber nicht dabei: Ohne Stift und Buch hoppeln sie in den Unterricht – auf dem Lehrplan steht: „Welches Gemüse ist lecker?“

Wer sich nun an den Kinderbuchklassiker „Die Häschenschule“ erinnert fühlt, liegt damit genau richtig: Für ein NGZ-Foto hat die Neusser Hobbyzüchterin Silke Menzel nämlich eine Schulstunde aus der beliebten Ostergeschichte nachgestellt. Genau wie im Buch liegt ihr Klassenzimmer im Freien, ausgestattet ist es mit einer Tafel und allerhand gesunden Leckereien. Zwergwidder Jake übernimmt kurzerhand die Aufgabe des Lehrers. Seine Schüler: der vier Wochen alte Nachwuchs von Häsin Arya.

 Silke Menzel züchtet Kaninchen. Die Kleinen müssen in den ersten Wochen nach der Geburt viel lernen.
Silke Menzel züchtet Kaninchen. Die Kleinen müssen in den ersten Wochen nach der Geburt viel lernen. Foto: Judith Michaelis (jumi)

Und zu Lernen haben die Kleinen noch einiges, erzählt Silke Menzel. Sie muss es wissen, immerhin hat sie schon viele Kaninchen aufwachsen sehen. Seit gut acht Jahren betreibt die Neusserin eine kleine Zucht mit Zwergwiddern: „Allerhasigen“, so nennt sie ihre „Kaninchenstube“, eine Anspielung auf ihren ehemaligen Wohnort „Allerheiligen“. Aktuell leben drei Häsinnen, ein Hase und zwei kastrierte Kaninchen bei der Familie. Kürzlich hat es außerdem Nachwuchs in „Allerhasigen“ gegeben: Ein Wurf mit sechs Kaninchenbabys kam vor zehn Tagen auf die Welt, ein anderer mit vier Zwergwiddern ist gute vier Wochen alt. Eine Zeit, in der bei den Kleinen viel passiert: „In den ersten beiden Wochen werden die Babys von ihrer Mutter gesäugt, sie wachsen, bekommen Fell und wärmen sich gegenseitig“, erzählt Silke Menzel. Ihr Nest verlassen sie in der Zeit nicht. „Sollen sie auch nicht“, sagt die Züchterin, denn noch sei ihr Orientierungssinn nicht ausgeprägt. Nach zwei Wochen öffnen die Kleinen dann ihre Augen und mit drei Wochen sind sie schon im Stall unterwegs. Nicht immer klappe es auf Anhieb mit dem Gleichgewicht. In der ganzen Zeit lernen sie nicht nur die Geräusche und Gerüche ihrer Umgebung kennen, sondern auch die Nähe zum Menschen – das mache die Kaninchen besonders zahm, sagt Silke Menzel. Wenn die Kaninchenkinder ein Gewicht von 500 Gramm erreicht haben, das ist etwa im Alter von sieben bis acht Wochen der Fall, können sie zu ihrer neuen Familie ziehen.

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„In dem Alter unserer Schulkinder“, Silke Menzel deutet auf die vier Zwergwidder, „geht es für sie darum festzustellen, dass es neben der Muttermilch auch noch andere leckere Dinge gibt.“ Da wären etwa Gemüse, Kräutermischungen, Gänseblümchen, Apfelzweige oder Löwenzahn. Das will gelernt sein: „Manche sind anfangs noch etwas skeptisch und mögen keine Petersilie. Aber nach ein bis zwei Tagen hat sich das eingespielt, dann hat sich auch die Darmflora an die feste Nahrung gewöhnt“, sagt die Züchterin. Nur mit Kohl, der im Kinderbuch immerhin Hasenhans Lieblingsessen ist, sei sie bei den Kleinen noch vorsichtig.

All das soll Kaninchenlehrer Jake nun an den Nachwuchs vermitteln. Das Unterrichtsfach kommt bei seinen Schützlingen gut an: Eifrig wird sich durch das Frischfutter-Angebot geknabbert. Doch ganz so diszipliniert wie im „Häschenschulen-Bilderbuch“ geht es bei ihnen nicht zu: Von Pfötchen heben keine Spur, stattdessen hoppeln die Kleinen über den Tisch, schnuppern an der Tafel und wagen es gar, sich hinter dem Lehrer zu verstecken. Doch der sieht nachsichtig darüber hinweg – am ersten Hasenschultag kann man nicht allzu viel erwarten.