Neuss: Deutsche Kammerakademie spielte unter Alexander Lonquich

Konzert der Deutschen Kammerakademie: Weihnachtsmusik mit  empfindsamen Melodien

Die Deutsche Kammerakademie spielte im Zeughaus unter der Leitung von Pianist Alexander Lonquich.

Das Sonderkonzert zur Weihnachtszeit der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) war bei etlichen Solisten in besten Händen. Als Gastdirigent war Alexander Lonquich (58) eingeladen, er gilt als Pianist, Kammermusiker und Dirigent als einer der wichtigsten Interpreten seiner Generation.

Das Weihnachtskonzert begann mit dem „Concerto grosso Nr. 8 g-Moll“ (aus Opus 6) von Arcangelo Corelli, das mit dem Zusatz „Fatto per la notte di Natale“ mit dem abschließenden wiegenden „Pastorale“ besonders populär geworden ist. Das wegen der häufigen Aufführungen ein wenig verbraucht wirkende Werk interpretierte Alexander Lonquich am Cembalo mit den DKN-Solisten Fenella Humphreys und Selma Sadek (Violine) sowie Milan Vrsajkov (Violoncello) aber mit einer Ausdruckskraft, die diese Weihnachtsmusik schlechthin wieder hörenswert machte.

Gleich neun gleichberechtigte Solisten der DKN, in Gruppen zu je drei Violinen, Bratschen und Violoncelli zusammengefasst, bestritten mit Unterstützung von Kontrabass und Cembalo Johann Sebastian Bachs „Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur“. Das exzellente Zusammenspiel gipfelte nach einer ruhigen Cembalo-Kadenz in einer Final-Gigue mit pausenlos dahinjagenden Sechzehnteln. Alexander Lonquich zog das ohnehin schnelle Tempo zu sehr an, so, als wolle er die Klasse der Solisten nach vermutlich harter Probenarbeit vorführen.

Joseph Haydns „Sinfonie Nr. 46“ in der seltenen Tonart H-Dur ist selten im Konzertsaal zu hören, passt aber wegen ihrer empfindsamen Melodien so richtig in ein Vorweihnachtskonzert. Vor allem das h-Moll-„Adagio“ im wiegenden Dialog zwischen Violinen und Bässen ist einfach nur schön.

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In der Pause konnten aufmerksame Besucher im ausverkauften Zeughaus die neue DKN-Produktionsleiterin Teresa Haider (bisher am Odeon-Theater in Wien) kennenlernen, denn das Cembalo wurde gegen den Flügel ausgetauscht.

Alexander Lonquist spielte zunächst das „Rondo a-Moll“ für Klavier solo von Wolfgang Amadeus Mozart, sodann mit der DKN Mozarts „Jenamy“-Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur. Mozart hatte es 1777 für die Pariser Klaviervirtuosin Louise Victoire Jenamy geschrieben. Was Alfred Brendel als „eines der größten Weltwunder“ bezeichnet, erfordert bis zum hoch virtuosen Final-Rondo den brillanten Solisten.

Und obwohl Alexander Lonquich diesem Anspruch in hohem Maße gerecht wurde, nahm er sich immer wieder Zeit für eine intensive Kommunikation mit dem Orchester, das sein Spiel und seine Inspiration perfekt aufnahm.

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