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Neuss: Der schöne Unbekannte - unterwegs auf dem Arnold-Mock-Wanderweg

Wandern in der Region : X2 – Der schöne Unbekannte

Wandern am Niederrhein: Harald Becker hat sich darauf eingelassen und einen Wanderweg dokumentiert, der die Vielfalt der Region zeigt.

Eifel-Steig, Saar-Hunsrück-Steig, Rothaarsteig: Die Liste der Fernwanderwege ließe sich fortsetzen, bliebe aber unvollständig. Denn einen Niederrhein-Steig – touristisch erschlossen und auch überregional vermarktet – sucht man vergeblich. Dabei gibt es ihn, wie Harald Becker betont: Den mit einem X gekennzeichneten Hauptwanderweg 2 von Kleve nach Düren. „Ein unerwartet schöner Fernwanderweg“, sagt der 68-jährige Further über diesen nach Arnold Mock benannten Trail, der leider ein Schattendasein fristet. Das würde Becker gerne ändern helfen.

 Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X 2 hier: Hohlweg am Kloster Kamp
Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X 2 hier: Hohlweg am Kloster Kamp Foto: Harald Becker

Becker ist seit seiner Studienzeit mit Freunden per pedes auf Wanderwegen im In- und Ausland unterwegs. Auf den X2, von ihm „Der Niederrheiner“ genannt, stieß er bei einem Spaziergang am Jröne Meerke, als er zufällig ein ganz offenbar altes Wanderzeichen entdeckte. Einen Fernwanderweg am Niederrhein? Das weckte seine Neugier. Weil er dem Braten aber nicht recht traute, sprach er für das Projekt Erkundung nur einen in Kleve lebenden Freund an. „Testperson eins“, wie Becker heute sagt. Der wollte ursprünglich nur die 17 Kilometer lange erste Etappe von Kleve nach Kalkar mitgehen, blieb dann aber am Ball. Becker weiß, warum. Nachdem er die 223 Kilometer bis Düren gewandert ist, kann er nur sagen: „Wow. Eine Zu-Fuß-Erlebnisroute, um sich den Niederrhein als Region zu erschließen.“ Damit hatte er nicht gerechnet.

 Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X2 Niederrhein hier: Burg Alt-Kaster
Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X2 Niederrhein hier: Burg Alt-Kaster Foto: Harald Becker
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Daheim hielt er jede der zehn Etappen, in die er seinen Trail gegliedert hat, beschreibend fest. „Damit die Erinnerung nicht durchrauscht“, wie er sagt. Zudem wollte Becker damit Freunden eine Handreichung zur Orientierung geben. Denn den X2, nachweislich in den 1920er Jahren angelegt, erlebte er unterwegs als „zerzaust“. Die Markierung sei nicht durchgängig vollständig und manchmal, so Becker, „wurde der Weg umgelegt, ohne dass man erkennen kann, warum.“ Das bestätigen auch Wanderportale wie Singletrails. Dort findet man zwar Kartenmaterial und GPX-Dateien zum Herunterladen, doch der Warnhinweis sollte ernst genommen werden: „Die Route ist stark fragmentiert und daher vielleicht zur Navigation nicht geeignet“.

 Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X2 Niederrhein hier: Park in Krefeld
Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X2 Niederrhein hier: Park in Krefeld Foto: Harald Becker

Erst in einem weiteren Schritt wurde Becker klar, dass dieser Weg großes Potenzial besitzt. Die Frage: „Warum kümmert sich niemand?“ führt ihn schnell zu einer weiteren: „Warum ist die Region werblich so zersplittert?“ Als Beamter im Landeswirtschaftsministerium hat er oft hautnah erlebt, „wie schwer Tourismusförderung in Nordrhein-Westfalen ist“. Aber am linken Niederrhein scheint alles noch etwas spezieller. Es gebe keine Struktur wie etwa die Eifel-Touristik GmbH, um den Arnold-Mock-Weg in Richtung Premiumwanderweg zu entwickeln und einem größeren Publikum bekannter zu machen, recherchierte Becker. Und auch eine professionelle Vermarktungsstruktur suchte er vergeblich. Die Niederrhein Tourismus GmbH in Viersen etwa, nach eigenen Angaben das Dach für alles, was mit Tourismus zu tun hat, vermarktet nur Ziele in den Kreisen Viersen, Wesel, Heinsberg und Kleve. Sie bewirbt dabei auch Wanderangebot, aber vorrangig die zertifizierten Rundwanderwege im Naturpark Schwalm-Nette.

 Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X 2 hier: Wegezeichen im Hochwald (Xantener Forst
Fernwanderweg Arnold-Mock-Weg X 2 hier: Wegezeichen im Hochwald (Xantener Forst Foto: Harald Becker

„Dieses Aufgesplitterte, das zu nichts führt, muss man überwinden“, sagt Becker, soll ein Fernwanderweg entstehen, „der Rückgrat einer ganzen Region sein könnte“. Er will deshalb bei der Niederrhein Tourismus und dem in Krefeld beheimateten Verein Niederrhein, der den X2 unterhält, mit der Frage vorstellig werden, ob dort Interesse an einem solchen Projekt besteht. Schließlich sei ein Wanderweg, wenn er denn gut gemacht ist, immer auch ein Wirtschaftsfaktor.

Er selbst könnte für inhaltlichen Input sorgen und würde seine Aufzeichnungen zur Verfügung stellen, sagt Becker. Sein Text sei noch kein entwickelter Wanderführer mit Fotos, Ausschnittkarten, Anfahrtsplänen oder dergleichen, gibt der Wanderer zu. Dafür aber liefere er mehr als nur eine Wegbeschreibung, sondern gehe auch auf all die Punkte und Besonderheiten ein, damit Wanderer diesen, so Becker, „reizvollen Raum“ auch in seiner Historie und kulturellen Bedeutung erleben können. Um den Wanderweg in der Landschaft unter Premiumqualitätsaspekten zu entwickeln, müssten am Ende ohnehin noch Profis – etwa vom Deutschen Wanderinstitut – beteiligt werden. Aber auch Kreise, Kommunen und Wirtschaftsförderer könnten Treiber der Entwicklung werden.

Becker selbst hat den Weg genossen, der ihn über den eiszeitlichen niederrheinischen Höhenzug bei Kleve ebenso geführt hat wie – ab Neuss – entlang der Erft. Mitunter gebe es auch zähe Abschnitte, gibt er zu, etwa entlang der Braunkohlegruben, aber selbst von den Großstädten wie Krefeld oder Neuss bekäme man wenig zu sehen. Der X2 verlaufe auch dort meist durch erlebnisreiche Grünzüge.