Neuss: Der Galgenberg in Meertal bleibt kahl

Historisches Gelände in Neuss: Der Galgenberg in Meertal bleibt kahl

Im vergangenen Sommer wurde der Hügel im Kleingartenverein „Römerlager“ kahlgeschlagen. Eine Wiederaufforstung wird es nicht geben.

Wenn Otto Saarbourg einen seiner ausgiebigen Spaziergänge durch das Gelände des Kleingartenvereins „Römerlager“ im Meertal macht, ist er jedes Mal aufs Neue enttäuscht. Seit der Galgenberg – ein auf dem Gelände gelegener Hügel – im vergangenen Sommer „ratzekahl“ geschlagen worden ist, sei dort nichts mehr passiert. „Das ist ein unverschämter Zustand“, sagt Saarbourg, wütend darüber, dass noch keine Wiederaufforstung stattgefunden hat.

Er kenne den Galgenberg ganz anders, erzählt er weiter, zuvor hätten dort viele Sträucher und vor allem große Bäume gestanden. Und außerdem sei der Galgenberg auch eine „historische Landmarke“, fanden dort im Mittelalter doch zahlreiche Hinrichtungen statt. Vor langer Zeit diente der Galgenberg tatsächlich als Richtstätte, hunderte zum Tode verurteilte Menschen wurden dort gehangen.

Auch zu Zeiten der Hexenverfolgung spielte der Hügel eine große Rolle, das Verhörprotokoll des Hexenprozesses gegen Hester Jonas, die 1635 von einem Scharfrichter auf dem Galgenberg getötet wurde, ist noch heute im Stadtarchiv Neuss einzusehen. Bei zahlreichen Nachforschungen in der Vergangenheit, beispielsweise bei Ausgrabungen in den 1920er Jahren, fand man am Galgenberg Skelette in über zwei Meter Tiefe.

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Bis zum Frühjahr 2018 standen auf dem geschichtsträchtigen Hügel im Meertal aber noch zahlreiche Bäume. Etwa 30 Robinien sorgten dort für eine üppige Vegetation. Gefällt wurden diese schließlich, weil sie unter anderem „Fäulnis, Risse, Stauchungen oder Brüche“ aufwiesen. Das hatte die Stadt bereits Wochen vor der Fällung auf ihrer Internetseite erklärt. Seitdem haben sich mehrere Bürger, Kleingartenbesitzer, die Bürgerinitiative „Casa Meertal“ und auch Vertreter der Politik – die SPD stellte im Juni 2018 einen entsprechenden Antrag im Kulturausschuss – für eine Wiederaufforstung und die Darstellung der Historie des Ortes, beispielsweise durch eine Hinweistafel, eingesetzt.

Doch bisher ist nichts geschehen, und aus den genannten Wünschen wird wohl auch nichts: Auf Anfrage unserer Redaktion teilte die Stadtverwaltung mit, dass es keine Bepflanzung auf dem Galgenberg geben werde. Der Grund: Der Hügel sei ein Bodendenkmal, stehe unter Denkmalschutz und solle deshalb für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Dazu müsse die Oberfläche einschließlich der darunter liegenden Schichten aber möglichst ungestört bleiben.

Dennoch werde der Galgenberg regelmäßig von der Stadt gepflegt: „Mitarbeiter der Stadt haben damit begonnen, die Aufwüchse auf den Robinienstubben zu entfernen, die Restpflanzungen zurückzuschneiden und die Krautschicht zu mähen. Dabei wurden auch dort illegal abgelegter Rückschnitt sowie Müll entsorgt“, sagt Nicole Bungert, Sprecherin der Stadt Neuss. Die Bürgerinitiative „Casa Meertal“ sowie die Kleingärtner der Anlagen hätten zudem angekündigt, die Stadt bei dieser Arbeit zu unterstützen.

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