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Neuss: Das sagen die Eisdielen zur Hitzewelle

So erfrischt sich Neuss : Wenn der Eismann zweimal klingelt

In diesen heißen Tagen suchen die Menschen händeringend nach Erfrischung. Doch Überraschung: Die aktuellen Temperaturen sind nicht unbedingt förderlich für das Geschäft.

Wenn die kleine goldene Glocke geläutet wird, ist vielen Neussern klar, was das heißt: Abkühlung. Die ist an solch heißen Tagen besonders beliebt. Dann strömen die Eis-Liebhaber zu dem dunkelroten Wagen mit der Aufschrift „Italienisches Eis und Sahne“. Je nach Station warten bei den momentanen Temperaturen bis zu 25 Kunden gleichzeitig vor Hassan Karaagacs Eiswagen auf eine seiner kühlen Eisspezialitäten. Seit 22 Jahren ist der Eisverkäufer, der immer zu Scherzen aufgelegt ist, schon im Neusser Stadtgebiet unterwegs. Seine Runde beginnt um 13 Uhr an der Moselstraße. Bei den dort ansässigen Unternehmen ist der Eisverkäufer bekannt wie ein bunter Hund.

Auch andere Eisverkäufer sind mit ihren Wagen unterwegs. Vor dem Eiscafé Tiramisu am Bahnhof Neuss-Süd steht ebenfalls ein voll ausgestatteter Eiswagen, mit dem der 70-jährige Vincenzo Sinesi Kindern und Erwachsenen eine Abkühlung bei der brütenden Hitze bietet. Bevor er seine Fahrt beginnt, stellt der Italiener die süße Speise eigenhändig in seinem Eiscafé her. Für die beliebte Kreation „Kinder-Bueno“ vermischt er eine Paste aus dem Produkt, das eigentlich als Riegel auf dem Markt zu finden ist, mit frischem Eis aus seiner Maschine. „In der Maschine wird die Milch zunächst auf 90 Grad erhitzt, bevor sie dann runtergekühlt wird“, erklärt seine Frau, Erika Sinesi. Sie ist neben den vielen Eissorten besonders stolz auf ihre eigens kreierte Erdbeersauce, die ausschließlich aus regionalem Obst hergestellt wird.

Vincenzo Sinesi ist ebenfalls mit seinem Eiswagen unterwegs. Foto: Sophie Segbers

Die enorme Hitze ist für sie allerdings kein Garant für hohen Umsatz. „Momentan ist es so heiß, dass die meisten Kunden erst zwischen 20 und 21 Uhr kommen, wenn es schon wieder etwas kühler ist“, kommentiert die Eisverkäuferin die Hitzewelle und erklärt weiter: „Tagsüber ist es den meisten Menschen zu warm, um auf die Straße zu gehen und sich ein Eis zu kaufen“. Hinzu komme die Corona-Pandemie, die generell zu weniger Kunden führe.

Sinesi produziert Kinder-Bueno-Eis in seiner Eis-Küche. Foto: Sophie Segbers

Gabi Tetard vom Café Cappuccino erkennt einen ähnlichen Trend: „Die Kunden haben sich an den To-Go-Betrieb gewöhnt, sodass sich viele nicht mehr hinsetzen – schon gar nicht drinnen“. Ihr Chef setzt auf eine farbstofffreie Herstellung und keine traditionellen Sorten. Momentan sei bei Kindern die Sorte Cookie besonders beliebt. Bei Erwachsenen liege der Fokus eher auf Joghurt-Eis und einer Mischung aus Vanille, Nuss und Schokolade.

Schokolade ist auch im Eiscafé Roma von Donato Sicuro am Neusser Markt in diesem Jahr besonders beliebt. „Alle Sorten, die Schokolade beinhalten, laufen momentan sehr gut: Cookie, Stracciatella und eben Schokolade selbst“, erklärt seine 20-jährige Tochter Ida. Auch sie beobachtet den Trend, dass sich die Gäste wegen Corona, wenn überhaupt, draußen hinsetzen wollen. So bleibt immer der größte Anteil an Tischen frei. „Am Wochenende erwarten wir bei der Hitze aber einen größeren Ansturm“, verrät die Tochter des Italieners, der mit 18 Jahren nach Deutschland kam und seit 2000 sein Lokal in Neuss betreibt. Nachdem durch die Hygieneregelungen zunächst nur noch Papp- und Plastikbecher gestattet waren, kann die Erfrischung mittlerweile auch wieder aus Hörnchen genossen werden.