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Neuss: Das Castrum Novaesium in Gnadental ist Teil eines 10-Millionen-Projekts

Niedergermanischer Limes : Neue Römer-Forschungen in Neuss

Die Uni Bonn startet ein Großprojekt zu den römischen Legionsstützpunkten entlang des Limes. Tiefergehende Analysen sollen unter anderem Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten oder die Mobilität der Römer liefern. Im Zentrum der Forschung steht dabei auch das „Koenen-Lager“ in Neuss.

Es ist mehr als 2000 Jahre her, dass die Römer im Neusser Raum eine Reihe von Militärlagern errichteten. Seitdem hat man schon einiges über das römische Leben am Niederrhein herausfinden können. Doch: Es gibt noch immer zahlreiche ungeborgene Wissensschätze entlang des Niedergermanischen Limes.

Aus diesem Grund erhalten Archäologen der Universität Bonn nun zehn Millionen Euro für ein besonderes Großprojekt. Im Fokus der Forschung steht neben den römischen Legionsstützpunkten in Bonn, Xanten und dem niederländischen Nimwegen auch das römische Lager Castrum Novaesium in Gnadental, das Ende des 19. Jahrhunderts vom Neusser Archäologen Constantin Koenen entdeckt wurde und daher auch als „Koenen-Lager“ bezeichnet wird.

 Die Karte zeigt den Verlauf des niedergermanischen Limes.  
  Karte: Steve Bödecker
Die Karte zeigt den Verlauf des niedergermanischen Limes. Karte: Steve Bödecker Foto: Karte: Steve Bödecker, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Grafik: Martin Pütz, LVR-LandesMuseum Bonn; Kartengrundlage GLOBE Task Team and others

„Das Vorhaben bewegt sich auf der spannenden Schnittstelle von hochmoderner digitaler Forschung und Kulturerhalt“, sagt Projektleiter Jan Bemmann von der Abteilung Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn im Gespräch mit unserer Redaktion. „Neuss ist dabei ein wichtiger Punkt. Es ist dort nur in den vergangenen Jahren nicht so viel passiert, wie es hätte passieren sollen. Es gibt dort mehrere ältere Berichte und Pläne, aber was uns fehlt, ist etwas Zusammenfassendes oder tiefer gehend Analysierendes“, erklärt Bemmann.

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Genau dort will der Projektleiter nun gemeinsam mit seinem Team aus jungen Wissenschaftlern ansetzen. „Der Schwerpunkt dieses Förderprogramms liegt auf der langfristigen Edition im Sinne der Sicherstellung von kulturellen Erbe“, sagt Bemmann. Es geht bei dem Zehn-Millionen-Projekt nicht um aktuelle Geländetätigkeiten, sondern um Fundmaterial der vergangenen 150 Jahre, das noch in den unterschiedlichsten Archiven schlummert und nun erstmalig vollständig wissenschaftlich analysiert werden soll.

 Eine virtuelle Rekonstruktion des „Koenen-Lagers“ in Gnadental.  
  Foto: Clemens-Sels-Museum
Eine virtuelle Rekonstruktion des „Koenen-Lagers“ in Gnadental. Foto: Clemens-Sels-Museum Foto: CSM

„Wir haben den Vorteil, das wir mit den neusten naturwissenschaftlichen Analyseverfahren noch ganz andere Informationen gewinnen können als früher“, erklärt der Archäologe. Das Forscherteam erhofft sich so unter anderem neue Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten, Gesundheit oder Mobilität der römischen Bewohner. „Haben sich die Römer damals eher fleischhaltig oder eher rein-pflanzlich ernährt? Aßen sie viel Fisch? Und kommen die beerdigten Soldaten im Lager wirklich aus dem mediterranen Raum? Das sind alles Fragen, die uns beschäftigen“, führt Bemmann weiter aus.

 Jan Bemmann von der Abteilung Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn.
Jan Bemmann von der Abteilung Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn. Foto: Schafgans

Für eine tiefer gehende Analyse des „Koenen-Lagers“ wird allerdings auch das Umland der Quirinus-Stadt entscheidend sein. „Ganz alleine versteht man ein Lager eben nicht. Das wäre so als würde man eine Insel untersuchen. Die Lager sind vernetzt mit ihrem Umfeld und der gesamten Infrastruktur in ihrer Nähe“, erklärt der Projektleiter der Uni Bonn.

Unterstützt wird das Zehn-Millionen-Projekt unter anderem vom LVR-Landesmuseum Bonn, der Universität Nimwegen (Niederlande) und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Aber auch das Clemens-Sels-Museum, das eine reichhaltige Auswahl an Fundstücken aus dem Neusser Legionslager, der Zivilsiedlung und den Gräberfeldern beherbergt, wurde in die Planungen eingebunden. „Wir haben einen guten Kontakt mit den Kollegen in Neuss. Sie waren auch mit an der Projektkonzeption beteiligt. Gemeinsam werden wir abstimmen, welche Bereiche höchste Priorität haben und welche besonders vielversprechend sind“, berichtet Bemmann.

Der Archäologe aus Bonn verspricht zudem, dass man die Geschichte des „Koenen-Lagers“ in Zukunft ganz anders erzählen könne als bisher möglich. Nur bis es soweit ist, müssen sich die geschichtsinteressierten Neusser noch etwas gedulden. Der Förderzeitraum des Projekts umfasst nämlich insgesamt 18 Jahre.

(dni/epd)