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Neuss: Dank Teilhabechancengesetz wieder im Berufsleben

Teilhabechancengesetz in Neuss : Nach 19 Jahren wieder im Berufsleben

Fatih Mehmet Bozkir war lange arbeitslos. Nun hat er einen Job gefunden. Möglich wurde das durch eine Gesetzesänderung.

Wenn Fatih Mehmet Bozkir von seinem Alltag erzählt, wirkt er glücklich. Darüber, dass er früh morgens aufstehen muss, dass er jeden Tag von Neuss nach Düsseldorf pendelt und vor allem darüber, dass er endlich eine Arbeit gefunden hat. Seit November ist er bei der Group Airport GmbH in der Nähe des Düsseldorfer Flughafen als Express-Kurierfahrer tätig. Hauptsächlich ist er im Raum Duisburg unterwegs und bringt Pakete zu ihren Empfängern. Seine Vorgesetzte ist zufrieden: „Wir erleben ihn als zuverlässigen, sehr höflichen und immer gut gelaunten Mitarbeiter“, erzählt Jenny Kathrin Riehl.

Dabei hätte sie ihn aufgrund seines Lebenslaufs wohl eher nicht eingestellt: Darin steht, dass Bozkir seit gut 20 Jahren arbeitssuchend ist. „Das schreckt schon ab“, sagt Riehl. Dass der Neusser dennoch eingestellt wurde, ist einer Gesetzesänderung zu verdanken. Denn vor einem Jahr ist das Teilhabechancengesetz 16i in Kraft getreten und soll dabei helfen, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Programm fördert Leistungsbezieher ab 25 Jahren, die seit mindestens sechs Jahren Grundsicherungsleistungen beziehen und in diesem Zeitraum nicht oder nur sehr kurz erwerbsfähig waren. Kommunen und private Unternehmen können ihnen Stellen anbieten: Sie werden für fünf Jahre gefördert, in den ersten beiden Jahren des Arbeitsverhältnisses gibt es einen Lohnkostenzuschuss von 100 Prozent, danach sinkt der Zuschuss um jeweils zehn Prozent. Gut ein Jahr nach dem Start des Programms möchten Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe (CDU), der das Gesetz mit auf den Weg gebracht hat, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Wolfgang Draeger, Geschäftsführer des Jobcenter Rhein-Kreis Neuss ein Zwischenfazit ziehen und von Fatih Mehmet Bozkirs Erfahrungen hören.

Der 46-Jährige erzählt seine Geschichte: Lange hat er als Be- und Entlader für einen Modemarkt gearbeitet, wurde dann zum Hausmeister und Sicherheitsbeauftragten, wechselte das Unternehmen und war dort als Maschinenführer beschäftigt. „Irgendwann habe ich gesundheitliche Probleme bekommen. Ich hatte einen Hexenschuss und war krankgeschrieben“, erzählt er, „dann wurde mir gekündigt.“ Er zog mit dem Fall vor das Arbeitsgericht, bis eine Entscheidung da war seien zwei Jahre vergangen. „In der Zeit konnte ich mir keine neue Arbeit suchen“, erzählt Bozkir. Und auch später hatte er keinen Erfolg. Ein Teufelskreis. Je länger er arbeitslos war, umso schwerer wurde es für ihn, eine neue Stelle zu finden.

Doch aufgegeben hat er nie: Er nahm an Schulungen des Jobcenters teil, ließ sich 2014 zum Sicherheitsbeauftragten fortbilden und wollte als Revierfahrer anfangen. Doch auch das gelang nicht. Bis dann die Group Airport GmbH einen Fahrer suchte, Bozkir wurde zum Probearbeiten eingeladen, bewehrte sich und hat nun eine Vollzeitstelle. Begleitet wird er von einem Coach. Einmal in der Woche treffen sie sich, sie helfen bei allgemeinen Fragen und Problemen, aber auch besonders bei Anträgen und behördlichen Dokumenten. „Die Teilnehmer sollen sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren“, sagt Draeger.

190 Langzeitarbeitslose nehmen im Rhein Kreis an dem Programm teil, „60 Prozent von ihnen haben einen Platz in der privaten Wirtschaft gefunden“, sagt Draeger.

Auch wenn es gut angelaufen ist, werden im Rhein-Kreis Neuss weitere Unternehmen gesucht, die an dem Programm teilnehmen wollen. Ebenso Langzeitarbeitslose, die wieder in den Beruf einsteigen möchten. „Arbeit heißt auch immer eine Teilhabe am sozialen Leben“, sagt Landrat Heinz-Jürgen Petrauschke. Bozkir bestätigt das. „Ich bin einfach happy, mein Tag verläuft nun ganz anders.“