Neuss: Computer-Virus legt das Lukaskrankenhaus lahm

Hacker-Angriff in Neuss: Computer-Virus legt das Lukaskrankenhaus lahm

Nach einem Hacker-Angriff musste das Computer-Netzwerk des Lukaskrankenhauses komplett heruntergefahren werden. Experten aus Neuss, Frankfurt und London arbeiten fieberhaft an einer Lösung. Hunderte Rechner sind befallen.

Dr. Nicolas Krämer hat wie viele andere Mitarbeiter der Städtischen Kliniken Neuss eine schlaflose und kurze Nacht hinter sich. Seit 6.30 Uhr ist der kaufmännische Geschäftsführer des Lukaskrankenhauses schon wieder im Einsatz, um sich mit dem kurzfristig einberufenen Krisenstab zu treffen und sowohl Mitarbeiter des Hauses als auch Patienten über das Ausmaß des Virus-Befalls per Flugblatt zu informieren. "Am Mittwochmorgen haben wir eine Schadsoftware bemerkt und unser IT-System daraufhin präventiv heruntergefahren, um zu verhindern, dass das Virus hochsensible Patientendaten befällt, ändert oder gar löscht", sagt der Geschäftsführer.

Ausgelöst wurde die Attacke auf das Computer-System des Krankenhauses durch einen geöffneten E-Mail-Anhang. Noch am vergangenen Freitag hatte der Leiter der IT-Abteilung im Lukaskrankenhaus, Udo Purwin, nach einer Meldung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vor dem Öffnen solcher Anhänge gewarnt.

Die Computer-Probleme haben ein erhebliches Ausmaß auf den Betrieb im Lukaskrankenhaus, das seit mehr als zehn Jahren auf Papier verzichtet, komplett "online" arbeiten und Ärzte sich etwa Patientenbefunde im Normalfall auf dem Tablet-PC anschauen. "Durch das Virus sind wir auf den Stand von 2006 zurückgeworfen worden und können nicht auf gewohntem Niveau arbeiten. Hunderte Rechner sind vom Virus befallen", sagt der ärztliche Geschäftsführer Professor Tobias Heintges.

Foto: Andreas Woitschützke

Herzinfarkt-Patienten etwa würden deswegen aktuell an andere Krankenhäuser verwiesen, da gerade dieser Bereich besonders auf die digitale Technologie angewiesen sei. Auch geplante Eingriffe würden auf die kommende Woche verschoben, heißt es aus der Geschäftsführung. "Durch das Virus sind die Systeme sehr langsam geworden, zum Teil sind einzelne Funktionen nicht mehr verfügbar", sagt Krämer. Die allgemeine Patientenversorgung bliebe hingegen gewährleistet, auch die Telefone des Krankenhauses würden funktionieren. "Wir arbeiten derzeit im Notfallbetrieb", sagt Heintges.

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Um das PC-Problem in den Griff zu bekommen, hat die siebenköpfige IT-Abteilung des "Lukas" sich Verstärkung aus dem In- und Ausland besorgt. Zwei Fachkräfte der Firma "Controlware" aus der Nähe von Frankfurt am Main sind nach Neuss gekommen, um den Code des Virus zu entschlüsseln. Zudem arbeitet die Londoner Sicherheitssoftware-Firma "Sophos" ebenfalls rund um die Uhr, um an die Signatur der Schadsoftware zu gelangen. "Bis wir das Virus entschlüsselt und ein Antidot entwickelt haben, bleiben unsere Systeme voneinander isoliert", sagt Krämer. Das hartnäckige Virus ändert seinen Code stündlich und macht es den IT-Fachkräften so schwierig, ein Gegenmittel zu finden, um es zu eliminieren.

Der finanzielle Schaden, der durch das Virus entsteht, ließe sich noch nicht beziffern, sagt Dr. Nicolas Krämer. "Aber fest steht: Jeder Tag, an dem der OP still steht, sorgt dafür, dass Erlöse verloren gehen." Eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei mit Fokus auf Datenschutzsicherheit sei bereits eingeschaltet.

Wie die Geschäftsführer der Städtischen Kliniken mitteilten, seien in den vergangenen Wochen zwei weitere Krankenhäuser und eine Firma aus der Region Opfer eines ähnlichen Hacker-Angriffs geworden.