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Neuss: Christian Wulff wirbt in der ISR für engen Austausch mit China

Wirtschaftsgespräche in Neuss : Christian Wulff wirbt für Austausch mit China

Der Bundespräsident a.D. war Gastredner bei den deutsch-chinesischen Wirtschaftsgesprächen in der Turnhalle der International School on the Rhine (ISR). Er spricht sich dafür aus, dass beide Länder eng zusammenrücken sollten.

Mit einem freundlichen „Ni hao“ (Hallo) begrüßte Ludger Baten, der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Neuss (DCGN), die vielen Gäste, die zum deutsch-chinesischen Wirtschaftsgipfel in die Turnhalle der International School on the Rhine (ISR) an den Konrad-Adenauer-Ring gekommen waren: allen voran Christian Wulff, den zehnten Bundespräsidenten Deutschlands (2010-2012), Haiyang Feng, den chinesischen Generalkonsul und „gefühlten Neusser“, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und die Verwaltungsspitzen der Städte Neuss und Meerbusch, Reiner Breuer und Angelika Mielke-Westerlage.

Die der deutsch-chinesischen Gesellschaft Neuss von Anfang an (2004) eng verbundene ISR hatte mit allem nur denkbaren Ambiente ihre moderne Turnhalle für diesen Gipfel eingerichtet. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf und den aufmerksamen Service war Annika Poestges von der ISR. Ein schönes Accessoire: Sie hatte das Neusser Bücherhaus am Münster eingeladen, chinesische Wirtschafts- und Fachliteratur zu präsentieren. Peter Soliman, ISR-Geschäftsführer, hatte für diese hochkarätige Veranstaltung sogar Klausuren verschoben und bedankte sich für ihr Verständnis bei Schülern und Eltern.

16 Prozent der ISR-Schülerschaft haben chinesische Wurzeln. „Sie arbeiten enorm und sehr diszipliniert und üben so einen sehr positiven Einfluss auf ihre Mitschüler aus“, sagte der Schulbesitzer. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz hatte zudem beeindruckende Zahlen: 130 chinesische Unternehmen glauben, im Rhein-Kreis Neuss ihren richtigen Standort gefunden zu haben. China hat für exportorientierte Unternehmen (rund 60 Prozent im Rhein-Kreis) mittlerweile die gleiche Bedeutung wie Nordamerika. 40 Prozent des produzierenden Gewerbes im Bereich Mittlerer Niederrhein halten China für einen zukunftswichtigen Markt.

Bundespräsident a.D. Christian Wulff (60) beglückwünschte in seinem Referat zur „modernen Seidenstraße“ zunächst die DCGN zur Wahl des Themas: „In solch deutsch-chinesischen Wirtschaftsgesprächen kann man lernen, genauer hinzuschauen. Das wünsche ich mir für alle internationalen Beziehungen.“ Vor dem Hintergrund der Virenepidemie warb er dafür, Mitgefühl zu zeigen: „Das sollte ein Anlass sein, näher zusammen zu rücken.“ Seit 2004 hat der ehemalige Bundespräsident die Universität Hefei regelmäßig besucht.

Neuss verbindet mit dieser Stadt seit Herbst vergangenen Jahres ein wöchentlicher Güterzug. In China kennt beinahe jeder Student Johann Wolfgang von Goethe, nicht nur wegen seines Gedichtes vom Gingko-Baum. Wer aber kennt in Deutschland Pú Söngling, den berühmten chinesischen Erzähler zur Zeit der Qing-Dynastie (1644-1911)? „Dabei sind wir enger miteinander verflochten, als den meisten Menschen in Deutschland bewusst ist“, sagte Wulff, und: „Es gibt nichts Besseres, als mit den Chinesen in einen intensiven Austausch zu treten.“

Auf die Probleme eines autoritären Staates mit stark eingeschränkten Freiheiten ging er in seinem freien Vortrag nicht ein und betonte stattdessen Chinas Interesse an einer friedlichen, konfliktfreien Welt. One Belt, one Road: Auf die großen Chancen der modernen Seidenstrasse für Europa verwies auch Marcus Hernig (51) in seinem Vortrag und empfahl, sich erfolgreicher Handelskultur der mittelalterlichen Hansestädte zu erinnern. Er lebt seit 1992 in China und ist Professor an der Shanghaier University for Science and Technology.