Neuss: Christian Gerhaher begeistert beim Zeughauskonzert

Konzert von Christian Gerhaher und Gerold Huber in Neuss: Gesangskunst auf höchstem Niveau beim Zeughauskonzert

Der Sänger Christian Gerhaher und sein Begleiter Gerold Huber faszinierten mit einem Schubertlieder-Programm im Zeughaus.

Es war für die Veranstalter, für die Stadt Neuss und für das Publikum ein besonderes Glück, Christian Gerhaher, einen der besten deutschen Liedsänger, mit seinem ständigen Begleiter Gerold Huber im Zeughaus zu begrüßen. Von einer „zufälligen Begegnung, die das möglich machte“ ist im Programmheft zu lesen und von der Unterstützung durch Spender.

Gerhaher, der an der Hochschule in München studierte, ein Medizinstudium anschloss und sich schließlich bei Inge Borkh, Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau die hohen vokalen Weihen holte, ist ein Sänger, dem Natürlichkeit und interpretatorische Wahrhaftigkeit über alles gehen. So zurückhaltend er als Mensch ist – im Interview gestand er, dass jeder Auftritt für ihn immer noch mit Lampenfieber verbunden sei – so gestaltet er auch seine Vorträge. Die Schubert-Lieder nach Friedrich Rückert, mit denen der unvergessliche Abend begann, waren geprägt von bezwingender Innigkeit („Du bist die Ruh“, „Lachen und Weinen“) und meist verhaltener Expressivität. Seinen kostbaren, stets bruchlos geführten Bariton zeichnen ungezählte Farben aus, die die Aussagen der Lieder meisterlich unterstreichen – von leuchtenden Nuancen bis zu erschreckender Fahlheit. Dazu zaubert sein fantasievoller Begleiter am Flügel mit pianistischem Edel-Feinschliff Bilder mittels sorgfältig modellierter Tasten – mal zur nächsten vokalen Phrase hinführend, mal sie begleitend oder ihr nachspürend. Was Gerold Huber, der seit Schülerzeiten mit Gerhaher ein Duo bildet, mitgestaltend leistet, ist großartig und für den Sänger wohl unverzichtbare Motivation.

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Im ersten Teil von Schuberts „Schwanengesang“, der sieben Lieder auf Texte von Friedrich Rellstab enthält, fesselte die dynamische Bandbreite des Künstlers, gepaart mit vorbildlicher Diktion, noch um einiges mehr. Das „Rauschende Bächlein“ erstand ebenso vor dem geistigen Auge wie die „Säuselnden Lüfte“ oder das flehentliche „Ständchen“, mit dem Ruf nach dem Liebchen. Die Texte Heinrich Heines, die den letzten sechs Liedern des „Schwanengesangs“ zugrunde liegen, scheinen den Gefühlen des im Kompositionsjahr (1828) bereits todgeweihten Franz Schubert in besonderer Weise entsprochen zu haben. Den beklemmenden „Atlas“, das ergreifende „Ihr Bild“, „Die Stadt“, in der der Sänger „sein Liebstes verloren hat“ oder der furchterregende „Doppelgänger“ – all‘ das gestaltete Christian Gerhaher mit beklemmender Intensität und, wenn nötig, mit einem staunenswerten Stimmvolumen.

Großer Jubel dankte den Künstlern – sie schenkten ihrem begeisterten Publikum noch zwei Zugaben.