Neuss: Carsharing ist in Neuss auch nach drei Jahren kein Erfolgsmodell

Ein Wagen am Neusser Hauptbahnhof : Carsharing noch kein Erfolgsmodell

In Neuss steht nur noch ein Wagen zur Verfügung. Für 2020 E-Autos sind geplant.

Belastete Luft und verstopfte Straßen: Auch in Neuss ist die Verkehrswende Thema. Trotzdem scheint das eigene Auto für die Bewohner der Quirinusstadt mehrheitlich noch immer unumgänglich zu sein, Carsharing als Alternative gibt es seit Jahren, aber das Angebot wurde aus wirtschaftlichen Gründen verringert. Aktuell steht noch ein Auto von Ford Carsharing am Bahnhof zur Verfügung. Im Städtevergleich rangiert Neuss derzeit ganz unten.

Ein Auto nur ein paar Stunden leihen und mit vielen teilen – das ist das Konzept von Carsharing. Was mit Blick auf das eigene Portemonnaie und die Umwelt sinnvoll erscheint, kommt in Neuss nicht aus dem Nischendasein hinaus. Seit 2016 bietet Ford Carsharing seine Dienste in Kooperation mit Flinkster von der Deutschen Bahn in Neuss an. Von den ursprünglich zwei Fahrzeuge, die an den Start gingen, ist nur noch eins übrig.  „Aktuell haben wir in Neuss nur noch den Wagen am Hauptbahnhof in Betrieb. Die Station an der Stadthalle mussten wir aus wirtschaftlichen Gründen leider aufgeben“, erklärt Michael Erz von der Pronet Service GmbH, die zur Dresen-Gruppe gehört und das Angebot im Rhein- Kreis organisiert. Wegen Umbauarbeiten am Parkhaus am Bahnhof, in dem der Wagen steht, gab es zeitweise auch gar kein verfügbares Auto in Neuss.

Geplant wird derzeit, im nächsten Jahr den Fuhrpark um Elektrofahrzeuge zu erweitern. Passende Standorte gibt es bislang aber noch nicht. Denn neben einem Standplatz braucht es auch die Ladeinfrastruktur. Interessant könnte für die Autoverleiher das Konzept der Mobilstationen sein, das im Arbeitskreis ÖPNV des Rates diskutiert wird. Busstation kombiniert mit Fahrrad Leihmöglichkeit, Carsharing-Standort für E-Fahrzeuge und Taxistand. Für Michael Erz ein guter Ansatz, um den vielleicht perfekten Carsharing-Standort in Neuss zu finden. Gespräche gab es nach Auskunft der Stadtwerke bislang aber noch nicht.

Alle 18 Monate tauschen die Carsharer die Fahrzeuge Im Rhein-Kreis Neuss steht derzeit noch an drei Standorten jeweils ein Fahrzeug zur Verfügung: In Neuss, in Kaarst am Bahnhof und in Meerbusch. Ursprünglich waren es fünf, auch am Kaarster Rathaus wurde das Fahrzeug abgezogen. „Der Wagen am Neusser Bahnhof wird ganz gut genutzt, allerdings hat sich das Konzept in Neuss leider noch nicht durchgesetzt“, erklärt Erz. Laut Gunnar Nehrke vom Bundesverband Carsharing helfe bei der Etablierung zum Beispiel, wenn die Stadtverwaltung mit ihren Mitarbeitern für Dienstfahrten Carsharing nutzt, hilfreich seien auch Kooperationen mit Unternehmen als Ankermieter. Beide Konzepte sind laut Erz zwar im Rhein-Kreis angeboten worden, aber nicht längerfristig genutzt worden.

Im letzten Städteranking des Bundesverbandes von 2017 rangierte Neuss auf Platz 140 mit 0,01 Fahrzeugen pro 1000 Einwohnern. Der Platz dürfte sich mit halbierter Fahrzeugzahl noch einmal verschlechtern. Doch Michael Erz gibt nicht auf. „Wir sind laufend mit Neuss Marketing im Gespräch, um gute Standorte zu finden“, erklärt er.

(NGZ)
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