Neuss: Bund der Vertriebenen lud zum Tag der Heimat

Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen in Neuss : Erinnerungen und Ausblicke beim „Tag der Heimat“

Am 13. September bricht Peter Pott erneut auf in seine alte Heimat. Rund 50 Mal hat der 76-Jährige die rund 1200 Kilometer ins frühere Ostpreußen zurückgelegt, zehn Mal davon als Organisator einer Bustour mit Familien, die wie er aus der ostpreußischen Heimat geflohen sind.

„Geboren bin ich 1942 in Lötzen, was heute Gizycko heißt“, erzählt der Vorsitzende des Bunds der Vertriebenen (BdV) im Rhein-Kreis Neuss. Als Dreijähriger ist er mit seiner Familie nach Hamburg geflohen; seit 1964 lebt er in Neuss. Am Samstag war Pott Hauptakteur beim „Tag der Heimat“.

Alljährlich erinnern der BdV und alle zugehörigen Landsmannschaften aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und anderen Regionen in Ost- und Südeuropa an diesem Tag Anfang September an die Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat; in diesem Jahr unter dem Motto „Unrechtsdekrete beseitigen – Europa zusammenführen“. Am Ostdeutschen Gedenkstein an der Oberstraße hat Pott gemeinsam mit Bürgermeister Reiner Breuer und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke einen Kranz niedergelegt und „der Toten, Gefallenen und Vertriebenen gedacht, die nicht zurück gekehrt sind und von denen wir daher nicht wissen, ob sie noch leben“, sagte Pott, der dem BdV-Kreisverband seit vier Jahren vorsteht.

Anschließend empfing der Verband rund 90 Besucher zur feierlichen Gedenkstunde im Marienhaus; darunter auch die fast 90-jährige Olga Meuer. „Ich bin 1947 aus Südostpreußen geflohen“, berichtet die Kaarsterin. 22 Jahre lang sei sie vier bis fünfmal im Jahr mit Hilfsgütern durch die alte polnische Heimat in die Ukraine gefahren, wo ihre Mutter herkam.

Vor sieben Jahren habe sie mit den Hilfsfahrten aufgehört. Viel mehr konnte die rüstige Dame nicht berichten, denn der ganze Saal stimmte erst das Ostpreußenlied und dann das Neusser Heimatlied an. „So schön“, schwärmte Olga Meuer. „Wir haben eine Heimat verloren, aber auch hier eine neue gefunden“, sagte Landrat Petrauschke, dessen Eltern aus Schlesien stammen. „Auf diese neue Heimat, in der wir im Wohlstand leben, sollten wir stolz sein und Veränderungen positiv annehmen.“

Seit fast sieben Jahrzehnten richtet der BdV den Blick in die Vergangenheit und gedenkt der Vertreibung in der Folge des Zweiten Weltkriegs. „Ich spüre, dass eine Veränderung in Gang kommt“, sagte Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, in seiner Gedenkrede. Zwar werde die „Erlebnis-Generation“, die Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erfahren habe, zahlenmäßig immer kleiner. Dafür nehme das Interesse der Folgegenerationen an der Heimat ihrer Vorfahren zu. „Die Urenkel begeben sich auf die Suche nach ihren Wurzeln“, berichtete Rauhut.