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Neuss: Bürgermeister Reiner Breuer forciert Landesgartenschau-Bewerbung

Stadtentwicklung Neuss : Bürgermeister Breuer forciert Gartenschau-Bewerbung für 2026

Das Stadtoberhaupt treibt die Vorbereitungen auch ohne ausdrücklichen Ratsauftrag weiter voran. Er glaubt an einen positiven Langzeiteffekt für Neuss. Diese Sicht untermauern die Verantwortlichen der Landesgartenschau 2020.

Im Rathaus wird weiter an der Ausrichtung einer Landesgartenschau gearbeitet. Und das auch ohne ausdrückliche Zustimmung des Rates. Der hatte sich zuletzt zwar mehrheitlich gegen eine Bewerbung für das Jahr 2026 ausgesprochen und eine solche – wenn überhaupt – frühestens für 2029 ins Auge fassen wollen. Doch wie der Befehl „Abteilung halt“ klang das für Bürgermeister Reiner Breuer nicht.

Er sieht ein „Weitermachen“ auch durch den Beschluss legitimiert, den Rheinkorridor zu entwickeln.  Jene Achse vom Markt über die Rennbahn zum Rheinparkcenter also, der nach Überzeugung einer Potenzialstudie von Studenten der Universität Geisenheim bei der Bewerbung um die Landesgartenschau zentrale Bedeutung zukommt.

Diese Studie ist eine Grundlage, auf die bei der Bewerbung aufgebaut werden soll. Das Stadtentwicklungskonzept, die Ergebnisse aus dem Workshopverfahren „Hammfeld-West“ und die im Zusammenhang mit der Wendersplatz-Debatte angestellten Überlegungen zur „Urbanen Mobilität“ kommen nach Darstellung von Planungsdezernent Christoph Hölters noch hinzu. Mit diesem Paket glaubt die Verwaltung so viel Grundlagenarbeit schon geleistet zu haben, dass eine Bewerbung für 2026 auch dann noch gelingen kann, wenn sich erst ein im Oktober neu konstituierter Rat für diesen Weg entscheidet. Im Grunde, sagt Hölters, fehle nur noch eine Machbarkeitsstudie plus Kostenschätzung, die dem Land mit der Bewerbung vorzulegen ist.

Der Landesregierung hatte Breuer bereits schriftlich die Bereitschaft und das Interesse der Stadt Neuss mitgeteilt, 2026 eine Landesgartenschau auszurichten. Diese Aussage stehe noch, sie sei nicht widerrufen worden, sagt Breuer. Er glaubt unbedingt an den langfristig entstehenden Positiv-Effekt für die Stadt und begrenzt das Thema auch nicht auf den Rheinkorridor. „Es kann und muss auch Verknüpfungen mit den Stadtteilen geben“, sagt er.

Dass eine Bewerbung in kurzer Zeit gelingen kann, haben die Verantwortlichen in Kamp-Lintfort gezeigt, wo am 17. April die nächste Landesgartenschau eröffnet wird. Ende 2012 schloss dort das Bergwerk „Friedrich Heinrich“, schon im August 2014 waren die Pläne zur Umwandlung des 25 Hektar großen Zechengeländes  so weit gediehen, dass sich die Stadt damit um die Ausrichtung der Landesgartenschau bewerben konnte.

Seitdem entstand mehr als ein Park, der mit dem Gelände von Kloster Kamp über einen knapp drei Kilometer Weg verbunden ist. Daneben erhielt die Universität Rhein-Waal auf dem Gelände ein Forschungs- und Seminargebäude, ein Zentrum für Bergbautradition entstand – und das neue Stadtquartier „Friedrich-Heinrich“ mit rund 1000 Wohneinheiten, wie Imma Schmidt erklärt, die Sprecherin der Landesgartenschau Kamp-Lintfort. Für sie ist diese Veranstaltung ein Katalysator für die Stadtentwicklung entlang einer wichtigen Verkehrsachse Richtung Innenstadt und Anstoß für weitere Infrastrukturmaßnahmen. Denn ein Nebeneffekt der Schau ist die Reaktivierung der ehemaligen Grubenanschlussbahn für den Schienenverkehr. Kamp-Lintfort bekomme damit erstmals eine Eisenbahnanbindung, sagt sie.  „Wir feiern einen Sommer lang ein Fest – aber  profitieren  für Jahrzehnte von den Investitionen dafür.“