Neuss: Bürger in Grimlinghausen unzufrieden mit der Politik

Stadtteilkonferenz Grimlinghausen : Bürger machen sich zum Bezirksausschuss

Weil er Grimlinghauser Belange nicht gut vertreten sieht, hat der Verein „Freunde der Heimat“ zur Stadtteilkonferenz geladen.

Uedesheim hat seine Eingemeindung in die Stadt Neuss besser verhandelt als die Verantwortlichen aus dem „Hippelank“, die sich 1929 nach ein paar Gläsern Alt über den Tisch ziehen ließen. Historisch korrekt oder nicht: Die Anekdote wird in Grimlinghausen gerne erzählt um zu erklären, warum das „Dörp“ schlechter gestellt ist als der Nachbarort, der seine Angelegenheiten in einem eigenen Bezirksausschuss erörtern kann. Ein solches Gremium fordern die Grimlinghauser nun auch, denn die Probleme seien groß – und eine wirkungsvolle politische Interessenvertretung wird von vielen vermisst.

Gastgeber der Stadtteilkonferenz war auch deshalb der Verein „Freunde der Heimat“, der fast 100 Menschen mobilisieren konnte, mit Bürgermeister Reiner Breuer über die drängenden Themen Planung und Verkehr zu diskutieren. Die gewählten Vertreter für Stadtrat und Kreistag glänzten dabei durch Abwesenheit. Harald Holler, Peter Ott und Karlheinz Kullick von der SPD schauten kurz vorbei, verschwanden aber nach wenigen Minuten geschlossen wieder, ohne sich zu Wort gemeldet zu haben. Von der CDU erschien – wenn auch verspätet – Johannes Schmitz. Bernd Ramakers und Hermann-Josef Baaken ließen sich entschuldigen.

Für die Gastgeber Willi Könen und Eva Maria Olszewski bestätigte das nur ihre akute Forderung nach einer neuen „Fraktion Grimlinghausen“, die die Interessen des Ortes nachhaltig vertritt. Dem damit verbundenen Vorwurf widersprach der Bürgermeister schon in seiner Begrüßung. „Es ist nicht so, dass Grimlinghausen in Rat und Verwaltung keine Stimme hätte“, sagte er. Breuer zeigte sich allerdings offen für die Forderung (die Bernhard Korbmacher aus der Versammlung heraus zum Antrag erhob), für den 9000 Einwohner zählenden Ortsteil einen eigenen Bezirksausschuss einzurichten. Leider aber habe der Rat mit Mehrheit beschlossen, dieses Thema, das auch mit Blick auf die 40.000 Bürger der Nordstadt diskutiert wurde, bis zur Kommunalwahl 2020 auszusetzen. Alternativ sagte er zu, Eigeninitiative wie die des Heimatvereins zu unterstützen und im Ort Rede und Antwort zu stehen – „auch wenn ich Ihnen nicht nach dem Mund reden werde“.

Willi Könen und Eva-Maria Olszewski(v.l) moderierten die erste Stadtteilkonferenz. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Das tat er schon bei dieser Premiere nicht. Breuer betonte seine gesamtstädtische Verantwortung und sprach von „gewissen Belastungsgrenzen“, die man in einer wachsenden Stadt wie Neuss ertragen muss. Er gab aber die eindeutige Zusage, dass mit dem neuen Flächennutzungsplan kein Gewerbegebiet Grimlinghausen-Süd auftauchen wird. Breuer unterstrich aber die Notwendigkeit eines neuen Baugebietes, das allerdings frühestens nach 2020 entwickelt werden soll. Gerne Schritt für Schritt, wie es aus der Versammlung hieß. Um den dörflichen Charakter zu betonen. Den gefährdet derzeit besonders die Bundesstraße 9 als Ortsdurchfahrt. Sie teilt den Ort in zwei Hälften, die, so Willi Könen, „sich fast nicht mehr kennen“. Trotzdem ließ sich Breuer zu keinem Versprechen drängen. „Ich bin nicht der Houdini der Verkehrspolitik“, sagte Breuer, der sich gegen eine Sperrung der B 9 für Schwerlastverkehr stellt und auf andere Effekte setzt. Etwa den Anschluss Delrath. Mit Blick auf die gewählten Vertreter hatte er aber einen Rat für die Heimatfreunde: „Greift sie euch.“

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