Autor in Neuss Neusser will Bildung neu denken

Neuss · Florian von Schreitter ist unter die Autoren gegangen. Mit 32 Jahren hat er sein erstes Buch geschrieben. Seine These: Bildung ist viel mehr als Schule, Uni oder Ausbildung. Was Bildung nämlich noch ausmacht.

 Mutiger Blick in die Zukunft: Der Neusser Florian von Schreitter stellt mit „Die Macht der Bildung“ sein erstes Buch vor.

Mutiger Blick in die Zukunft: Der Neusser Florian von Schreitter stellt mit „Die Macht der Bildung“ sein erstes Buch vor.

Foto: Florian von Schreitter/Mario Reimann

Abends trinkt er gelegentlich mit seinen Kameraden vom Hubertuszug „Jägermeister“ ein Alt in der Traditionsgaststätte „Em Hahnekörfke“ an der Bergheimer Straße. Tagsüber geht der Strategieberater der Thomsen Group bei Managern internationaler Konzerne ein und aus. Florian von Schreitter, der sich gern Flo rufen lässt, saugt das Leben in seiner gesamten Spannbreite auf, versucht dort, wo er sich gefordert fühlt, mitzugestalten. Jetzt, gerade einmal 32 Jahre alt, hat der junge Betriebswirt aus Neuss sein erstes Buch vorgestellt: „Die Macht der Bildung – Warum wir dringend ein neues Bildungsideal brauchen“. Auf der Frankfurter Buchmesse habe sein Werk, das im Eigenverlag erschienen ist, lebhafte Aufmerksamkeit gefunden, sagt er nicht ohne Stolz.

Von Schreitters These: Bildung ist viel mehr als Schule, Universität oder Ausbildungsstätte. Um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, brauche es plurale Kompetenzen, er spricht und schreibt von Lebensressourcen. Dazu gehören für ihn neben Wissen, das schon heute überall per Knopfdruck verfügbar ist, und Fertigkeitsbildung insbesondere Herzensbildung, die Schule der Emotionen und ein innerer Wertekompass (Haltung). In von Schreitters Sprache klingt das so: „Wir brauchen dringend ein neues Bildungsideal. Mein Menschenbild ist sehr positiv, ich gehe davon aus, dass jedes Individuum etwas kann, dass müssen wir finden, fördern und wertschätzen. Die Wertschätzung der Pluralität und verschiedenster Kompetenzen in der Breite, ich nenne dies Lebensressourcen, ist dafür zentral.“ Der namhafte Journalist und Autor Hajo Schumacher lobt von Schreitter, der einen „erfrischenden Blick“ mit seinem Buch öffne: „Bildungspluralität statt Tunnelblick – so lautet sein Kommando, um den trägen Bildungsdampfer Deutschland wieder flottzumachen.“

Warum schreibt ein 32 Jahre alter junger Mann ein Buch über Bildung? Weil er Verantwortung übernehmen will, sagt Florian von Schreitter, Verantwortung für die Zukunft seiner Generation und damit auch für seine persönliche Zukunft. „Ich habe in meinem Leben schon so viel Glück gehabt“, sagt von Schreitter, „da fühle ich mich verpflichtet, da wo ich kann, Diskussionen anzustoßen und meine Stimme zu erheben, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bildung neu zu denken, ist dafür elementar.“ Und dann fügt er noch ein kurzes Seelenstriptease an: „Das ist das persönlichste Buch, das ich schreiben kann. Das bin ich zu 100 Prozent.“ Vielleicht ist es gerade das offene Visier dieser Emotionalität, mit der Florian von Schreitter den Leser so sehr in seinen Bann zieht.

Inzwischen wohnt Florian von Schreitter mit seiner Frau Helena in Düsseldorf, genauer gesagt im angesagten Unterbilk. Geboren wurde er in Oberhausen, aufgewachsen ist er in Neuss, im Stadionviertel steht sein Elternhaus. Seine Eltern Martina und Wolfgang von Schreitter genießen als niedergelassene Ärzte einen guten Ruf in der Stadt – und darüber hinaus. Florian besuchte die Görres-Schule und das Quirinus-Gymnasium, beim HTC Schwarz-Weiß spielte er Hockey und Tennis. Nach dem Abitur folgte das Studium der Betriebswirtschaft in Aachen und Hamburg, das er mit dem Master of Science abschloss. An der Schnittstelle von Schule und Studium bereiste er Südostasien und Südamerika, wirkte vier Monate als Entwicklungshelfer in Kamerun. Dort gründete er auch einen Feldhockeyverein, einen der ersten in Westafrika.

Von Schreitter analysiert präzise, entscheidet schnell, will was bewegen, ist ergebnisorientiert – er hat keine Angst vor Veränderungen. Im Gegenteil. Wenn er ein neues Bildungsideal fordert, dann aus der Erkenntnis heraus: „Hat doch unser altes dazu geführt, dass viele menschengemachte Probleme heute überhaupt erst zutage treten.“ Dabei sei die Bildung der Ursprung „unseres menschlichen Handelns und auch der Entscheidungen, die wir heute treffen und die unsere Welt von morgen verändern“. Als Zielgruppe für sein Buch hat von Schreitter „Entscheider in Politik und Wirtschaft“ identifiziert, nicht die Bildungsexperten. Aus deren Ecke erwartet er Kritik, auf die er sich vorbereitet wähnt, denn genau diese Diskussion will er führen.

Info „Die Macht der Bildung – Warum wir ein neues Bildungsideal brauchen“, Flo von Schreitter, Eigenverlag, 312 Seiten, gebundene Ausgabe, 22 Euro.

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