Neuss: Buch beschreibt Bombennacht zum 1. August 1942

Großangriff auf Düsseldorf und Neuss: Buch beschreibt Bombennacht zum 1. August 1942

„To destroy town“ lautet das Ziel des Luftangriffs. Dabei starben in Neuss 34 Menschen. Marcel Lesaar hat jetzt ein Buch darüber geschrieben.

Todestag 1. August 1942. Die Grabsteine der Familien Flock und Görtz auf dem Hauptfriedhof erinnern als steinerne Mahnung auch 76 Jahre danach noch an die Schrecken der Nacht, die den ersten Großangriff auf Düsseldorf brachte und die vor der westlichen Stadtgrenze nicht Halt machte. 34 Menschen verloren in der Nacht zum 1. August 1942 in Neuss ihr Leben, allein elf davon im Haus „Im Brühl 8“ in der Nordstadt.

„To destroy town“ lautete das Ziel des Luftangriffs der Alliierten. 630 Bomber der Royal Air Force mit britischen und kanadischen Fliegern an Bord nahmen damals Kurs auf die Städte am Rhein. Über das Geschehen hat Marcel Lesaar aus Mettmann ein Buch geschrieben, das pünktlich zum Jahrestag erschienen ist.

Bei seinen umfangreichen Recherchen hat Marcel Lesaar keine Karte gefunden, auf der Zielpunkte im Neusser Stadtgebiet vermerkt sind. Für den Autor besteht aber kein Zweifel, dass die Planungen der Angreifer auch Neuss betrafen – insbesondere die Innenstadt sowie die Industrieanlagen im Hafen, im Hammfeld und auf der Furth. Laut Bericht des Luftschutzleiters, so Lesaar, sollen 120 Spreng-, 200 Posphorbrand- und 2500 Stabbrandbomben abgeworfen worden sein.

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Für Neuss und die Neusser seien die Ereignisse der Nacht zum 1. August 1942 wichtig, weil sie Teil der Stadtgeschichte seien: „Neuss war stark betroffen.“ Nach seiner Einschätzung hat kein anderer Autor vor ihm so detailliert die Bombennacht geschildert. Bei der Lektüre des Buches fällt auf, dass Marcel Lesaar ungemein viel Material zusammengetragen hat, darunter auch Quellen, Berichte, Tagebücher und Fotos, die bisher in der Öffentlichkeit nicht präsent waren. Dabei sprach Lesaar mit vielen Zeitzeugen oder den Kindern und Enkeln der Beteiligten – mit Deutschen, Briten und Kanadiern. Er habe viel Neues erfahren, sagt Lesaar, aber er habe auch viele Informationen weitergeben können. Familien hätten durch ihn erfahren, wo Großväter, Väter oder Bruder umgekommen seien. Für die linksrheinischen Ereignisse arbeitete Marcel Lesaar eng mit dem Neusser Stadtarchiv zusammen, das ihm eine ganze Reihe von Fotos für seine Arbeit zur Verfügung stellte und auch mit inhaltlichen Quellen dienen konnte. So hat ein stark bebildertes Kapitel über Neuss den Weg ins Buch gefunden, eine Traueranzeige des Neusser Oberbürgermeisters Tödtmann am 4. August 1942 in den Düsseldorfer Nachrichten inklusive.

Akribisch listet Lesaar die Folgen des Angriffs auf: In Neuss wurden hundert Wohngebäude zerstört, 1200 wurden schwer beschädigt; „sieben Großbrände, 25 Mittelbrände und 25 Kleinbrände trugen zu den Zerstörungen bei. 700 Personen mussten evakuiert werden.“ Den Daten, Zahlen, Fakten stellt Lesaar viele persönliche Erinnerungen, Notizen und Aussagen gegenüber: „Ich wollte nicht nur die sachliche Berichterstattung dokumentieren, sondern auch Einzelschicksale erzählen lassen.“ So wird seine Arbeit zu einem spannenden Lesebuch.

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