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Neuss: "Biedermann und die Brandstifter" im RLT

Theaterpremiere in Neuss : Regie-Premiere des Intendanten vom Landestheater

Reinar Ortmann inszeniert das Stück „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch.

Seit Beginn der Spielzeit ist Reinar Ortmann RLT-Intendant. Aber erst die dritte große Premiere trägt auch seine Handschrift als Regisseur. „Ich muss nicht den großen diplomatischen Akt machen“, sagt er, der das Theater genau ein Jahr leiten wird, lachend. Außerdem weiß er genau, dass seine Inszenierung von Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ auch deswegen zu den am besten verkauften Abstecher-Stücken gehört, weil „viele Kommunen vorher nachgefragt haben, ob ich die Regie mache“.

Ein Erfolg, den wohl seine Inszenierung des Dürrenmatt-Stücks „Die Physiker“ begründet habe, sagt er selbst. So wie die „Physiker“ (1962) sind auch „Biedermann und die Brandstifter“ (1958) nie von den Spielplänen verschwunden, da das eine wie das andere Stück Fragen verhandelt, die zeitlos aktuell bleiben. Wie aktuell in Zeiten von Chemnitz und AfD die Geschichte um das Ehepaar Biedermann ist, hätte allerdings vor rund eineinhalb Jahren, als im RLT der aktuelle Spielplan aufgestellt wurde, niemand gedacht, sagt Ortmann.

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Die Biedermanns gehören zur gehobenen Gesellschaft, können nicht zulassen, dass sie ihren Status verliert und tun lieber so, als ob alles in Ordnung sei, als sich die Brandstifter bei ihnen einquartieren. Für Ortmann hingegen ist heute nicht mehr sicher, wer „wirklich die Brandstifter und wer die Feuerwehrleute sind“ und fragt: „Sind letztere nicht oft genug auch die Brandstifter?“ Das zeige sich auch äußerlich, sagt er, die Kostüme kommen von Alide Büld, die Bühne wurde (zum ersten Mal) vom Technischen Leiter des RLT, David Kreuzberg, zusammen mit Marilena Büld-Weghenkel gebaut.

In knapp 75 Minuten bringt Ortmann eine Fassung auf die Bühne, die sprachlich vor allem auf „die schweizerischen Elemente“ verzichtet und im Personal auf wichtige Figuren zusammengestrichen ist. So wird das Dienstmädchen Anna eher eine Art „Kassandra-Figur“, aber den Chor hat er beibehalten.

Für Ortmann und seine Dramaturgin Marie Johannsen gehört das Stück von Max Frisch zu jenen, die sich „unaufwändig in die Jetztzeit holen lassen“. Seine Inszenierung setze das vor allem in Spielweise und Optik um: „Familie Biedermann wohnt in einem Haus, das einerseits an die angesagten ,Tiny Houses’ angelehnt ist, aber auch an die Container, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.“

Es spielen: Stefan Schleue (Gottlieb Biedermann), Hergard Engert (seine Frau Babette), Johanna Freyja Iacono-Sembritzki (Anna), Richard Lingscheidt (Schmitz) und Peter Waros (Eisenring).

Info Oberstraße 95, Samstag, 29. September, 20 Uhr (Premiere), Karten unter 02131 296633