Neuss: Betti Mainz erzählt von ihrer Verbindung zur Tulpenstraße

Heimatverbundenheit in Neuss : Frau Mainz und ihre Tulpenstraße

Gewohnt hat Betti Mainz in der Tulpenstraße nicht immer, den Weg zurück hat sie jedoch jedes Mal gefunden.

Alles begann mit dem Einzug im Jahr 1939. Die Häuser waren gerade fertig und Mainz gerade einmal sieben Monate alt. Damals hieß sie noch Mehring und die Tulpenstraße Heinz-Hilpert-Straße – es hat sich eben viel verändert in 80 Jahren.

Jedenfalls teilte sich die Familie mit drei Kindern 34 Quadratmeter in der ersten Etage. Unter ihnen wohnte eine weitere Familie. „Ich erinnere mich so gut daran, wie wir acht Kinder alle zwei Wochen zum Baden zusammen kamen“, sagt Mainz. In der Waschküche stiegen sie nacheinander in die „Zinkbütt“.

Ihre Kindheit war jedoch auch geprägt vom Krieg, und so wurde die Familie in der Pfalz evakuiert, während der Vater in den Krieg zog. „Unser Haus wurde dann zur Essens-Ausgabestelle für Soldaten – das hat man mir erzählt“, sagt Mainz. Ein Nachbar habe sich nach Kriegsende dafür eingesetzt, dass die Familie in die Tulpenstraße 49 zurückkehren konnte. Nur vom Vater keine Nachricht. „Ich war damals noch ’ne Stropp und sagte zu meiner Mutter: Was würdest du jetzt machen, wenn Vater käme?“, erzählt Mainz und ihre Stimme bricht vor Rührung. Denn tatsächlich hatte sie an diesem Tag einen siebten Sinn: Der Vater kehrte aus dem Krieg zurück und stand plötzlich in der Küche. Zu dieser tiefen emotionalen Verbindung kommen etliche Kindheitserinnerung: „Einmal haben wir uns mit den Rollschuhen an das Auto des Fischhändlers drangehangen.“ Sie seien mit ihm – trotz Verbot der Eltern – in Richtung Neuss gedüst. Passiert ist damals nichts, nur zurückrollen mussten sie damals weiter als gedacht.

Ihre Heirat führte sie dann 1960 weg von der Tulpenstraße nach Neuss. „Dort habe ich aber immer den Garten vermisst“, sagt sie. Heute pflanzt sie in ihrem Garten wieder eigenes Gemüse an und sammelt Blütensamen.

Dass sie nun wieder in die Tulpenstraße wohnt, habe sie ihren Kindern zu verdanken. Die beiden hätten immer bei ihrer Schwester gespielt, die in der Tulpenstraße gewohnt habe, und seien schließlich auch dorthin gezogen. Als sie davon erfuhren, dass eine Wohnung frei werden würde, konnte ihre Mutter zurückkehren. Ob nach der Evakuierung aus dem Krieg oder nach ihrer Ehe – Betti Mainz hat in der Tulpenstraße ihren liebsten Ort gefunden. Und noch einmal weggehen, das wird sie bestimmt nicht wieder.

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