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Neuss: Besuch bei der Traktoren-AG am Gymnasium Norf

Traktoren-AG in Neuss : Die Schrauber von der Eichenallee

Jeden Samstag treffen sich Schüler und Ehemalige des Gymnasiums Norf zur Traktoren-AG. Dort wurde schon der Grundstein für so manche Karriere nach der Schullaufbahn gelegt. Ein Besuch.

Angestrahlt vom schummerigen Licht der Keller-Deckenleuchten wird der dunkelrote Lack zum Funkeln gebracht. Optisch lässt nichts mehr erahnen, dass dieses Gefährt bereits im Jahr 1956 gebaut wurde. Doch um diesen „Neuzustand“ zu erreichen, waren elf Jahre Handarbeit und Schweiß nötig. Bei dem knallroten „Schmuckstück“ handelt es sich um einen alten Traktor der Firma „Fahr“, Typ D130 H, ein echter Bauernschlepper aus dem Rheinland. Als Ralf Fasbender ihn in der Eifel kaufte, war er in seine Einzelteile zerlegt. Jede Schraube wurde gesichtet und zur Not ausgetauscht. Minuziös wurde der Traktor wieder zusammengesetzt. Dass der D130 H nun so gut wie bereit für die Straße ist, macht den 62-Jährigen stolz – vor allem, und das ist ihm anzumerken, nicht auf sich, sondern auf seine Schützlinge.

Vor rund elf Jahren gründete Fasbender nämlich die Traktoren-AG am Gymnasium Norf. Jeden Samstag treffen sich Schüler (nach einigen Umzügen mittlerweile im ehemaligen Fahrradkeller), um gemeinsam zu tüfteln, zu planen und zu schrauben. Einer von ihnen ist Timo Krüll, der bald sein Abitur macht. Er ist seit vier Jahren Teil der besonderen AG. „Man lernt dort, Lösungen für Probleme zu finden“, sagt der 18-Jährige. Ralf, wie sie ihn alle nur nennen, vermittle die Dinge so anschaulich, dass man Lust bekomme, sich näher mit der Materie zu beschäftigen. Bei manch einem wurde aus Interesse sogar Begeisterung – die auch Einfluss auf den beruflichen Werdegang nehmen sollte. Zwei „Ehemalige“ sind mittlerweile Nutzfahrzeug-Mechatroniker bei Mercedes, ein weiterer wurde Fluggerät-Mechaniker bei Airbus.

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Dass das Schrauben an Traktoren eine gute Grundlage für solche Karrieren bietet, hat einen bestimmten Grund. „Es ist eine relativ einfache Materie, es gibt wenig Blech, man sieht, wie sich die Dinge bewegen. Zudem sind Traktoren äußerst robust und massiv gebaut worden, sodass man fast nichts kaputt machen kann“, sagt Fasbender, der jedoch nicht nur Traktoren-Experte ist, sondern sich auch mit Autos, Motorrädern und weiteren Fahrzeugen beschäftigt. „Alles, was Räder hat und brummt, finde ich spannend“, sagt er. Dabei ist der Neusser eigentlich gelernter Kaufmann, machte jedoch nebenbei eine Ausbildung zum Feinmechaniker, ist zudem seit 30 Jahren Ausbilder im Technischen Hilfswerk. Denn: Seine Herzensaufgabe, so sagt er, ist die Arbeit mit Jugendlichen.

Ein Engagement, das nicht nur in der Elternschaft, sondern auch in der Schulleitung gewürdigt wird. „Herr Fasbender ist Motor und Herzstück der AG. Über sein Netzwerk haben wir die Möglichkeit, so etwas hier anbieten zu können. Es ist für jede Schule etwas Besonderes“, sagt Schulleiter Stefan Kremer (51), der sich jedoch wünscht, mehr „Nachwuchs“ für die AG gewinnen zu können. Schließlich kommen mittlerweile mehr ehemalige als aktuelle Schüler zu dem vierstündigen Treffen. Dass auch Niklas Hasse künftig weiter and die Eichenallee kommt, hält der 18-Jährige für gut möglich. „Es ist einfach spannend zu sehen, wie die Technik funktioniert“, sagt er.