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Neuss: Berufe am Theater mit Bühnemalerin Sarah Durry am RLT

Berufe am Theater in Neuss : Die Bilderfälscherin

Sarah Durry ist Bühnenmalerin am Rheinischen Landestheater. Sie muss „ein bisschen fälschen“ können, sagt sie, etwa wenn, sie eine Marmortreppe malt.

Irgendwo in der Ahnenreihe gibt es Franzosen. Der Nachname „Durry“ jedenfalls zeugt davon. Aber weil Sarah Durry sich als Rheinländerin fühlt, hat sie auch nichts dagegen, wenn sie statt mit „Frau Dürri“ ganz einfach mit „Frau Durry“ angesprochen wird. Ihr Urgroßvater, ein Müller, sei aus Frankreich gekommen und in die Eifel gezogen, erzählt sie.

38 Jahre alt ist Sarah Durry, hat zwei Kinder und ist Bühnenmalerin. Ein anderes Berufsziel kannte sie nicht, als sie mit 20 zurück ins Rheinland kam und sich unter anderem auch am RLT bewarb. Deutschlandweit habe sie Bewerbungen losgeschickt, sagt sie, „dass es dann Neuss geworden ist, hat mich besonders gefreut“. Denn das Rheinland lockte, und so erzählt sie auch lachend, dass sie als „15-Jährige nach Baden-Württemberg verschleppt wurde“. Aus Bergisch-Gladbach, wo sie geboren wurde und aufgewachsen ist. „Das war echt hart“, erinnert sie sich, „und der Dialekt sehr gewöhnungsbedürftig.“ So war für sie klar, dass sie, sobald es ging, wieder ins Rheinland zurückkehren würde.

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Sarah Durry machte eine Ausbildung zur Bühnenmalerin, gehört am RLT mit drei weiteren Kollegen und zwei Auszubildenden zum Malsaal. „Aber ich bin die einzige, die eine ganze Stelle hat“, sagt sie, „die anderen sind Halbtagsstellen.“ Was sie hält und begeistert, ist das familiäre Klima am RLT – und die Herausforderung, Aufführungen auf noch kleineren Bühnen in Abstecher-Orten mitzudenken.

Denn Durrys Arbeit beinhaltet auch das Malen von Prospekten, von Bühnenhintergründen. Meistens benutzt sie dafür lange Pinsel, legt eine Fläche auf dem Boden aus, um dort ein Bild, das es in klein gibt, dann zu vergrößern. Das größte Bild habe zehn mal acht Meter betragen, sagt Durry und ergänzt: „Für das RLT ist das wirklich sehr groß!“ Für andere Bühnen hingegen weniger, ergänzt sie und weiß, wovon sie spricht. Schließlich hat sie auch in Trier gearbeitet, wo etwa in der Oper für jede Szene ein neues Bild geschaffen wurde. Und alles noch viel größer.

„Materialimitation“ sei ein anderer Aspekt ihrer Arbeit, erzählt sie, weiß zudem, dass diesem in der Ausbildung großer Raum gewidmet ist. Eine Marmortreppe, die wie echt aussieht, oder ein Gebäude aus Backstein oder Beton muss sie malen können.  „Aber es gibt Tricks und Techniken, die man lernen kann“, sagt sie und ergänzt lachend: „Man lernt ein bisschen fälschen.“

Eine künstlerische Ader schade nicht, meint sie: „Bevor Bühnenmalerei ein Ausbildungsberuf wurde, haben oft Künstler sich damit ihr Geld verdient.“ Aber auch heute lässt sie sich gern Mappen schicken, um zu sehen, wie die Bewerber zeichnen. Räumliches Denken sei erforderlich, sagt sie, „ein grundsätzliches Verständnis“, und die Farben müssten stimmen.

Im Gegensatz zu anderen Kollegen im Haus ist Durry nicht in Kurzarbeit, sie und ihre Kollegen im Malsaal mussten schließlich Prospekte und mehr für jene Produktionen schaffen, die trotz Corona premierenreif geprobt wurden.