Neuss bekommt sein erstes interkulturelles Jugendzentrum

Jugendarbeit in Neuss : Das erste interkulturelle Jugendzentrum

Ein neuer Träger, ein neuer Ansatz: Die „Interkulturellen Projekthelden“ wollen am Berghäuschensweg einen offenen Treff für Kinder und Jugendliche etablieren. Ein Motiv dabei: Die Integrationsarbeit neu definieren.

Zwischen der Furth und Allerheiligen verteilt, bestehen derzeit 16 Kinder- und Jugendheime. Mittendrin entsteht jetzt neuer, ein besonderer Treff: das erste interkulturelle Jugendzentrum. Dort soll Integrationsarbeit neu definiert werden. Denn interkulturell, so erklärt es Umut Ali Öksüz vom Trägerverein „Interkulturelle Projekthelden“, heißt offen für alle.

Was er darunter versteht, hat der Verein, seit 2017 als Träger der Jugendhilfe von der Stadt offiziell anerkannt und damit förderfähig, bisher in Projektarbeit auszudrücken versucht. Was bislang fehlte, sei ein Angebot für den Alltag gewesen, sagt Öksüz. Also ein Jugendzentrum, das üblicherweise Voraussetzung für den Aufbau jeglicher Jugendarbeit ist. Bei den Projekthelden ist es eben der zweite Schritt.

Etabliert werden soll der Treff unter der Adresse Berghäuschensweg 30. Dort haben sich die „Projekthelden“ in Räumen des Neusser Bauvereins einrichten dürfen. Interkulturell im Sinne der Vereinssatzung ging es dort zuletzt am Wochenende zu, als zum Abschluss des islamischen Fastenmonats Ramadan ein – etwas verspätetes – Zuckerfest gefeiert werden konnte. 500 Kinder, die zu einem großen Teil mit ihren Familien als Flüchtling nach Neuss gekommen sind, wurden dabei beschenkt. Und zwar unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder Herkunft, wie Esra Cam betont, der ein Mandat für den Integrationsrat der Stadt hat und den Anstoß zu dieser Geschenkaktion gab.

Möglich machte diese ein breites Bündnis von Unterstützern, zu denen neben vier Moscheegemeinden in der Stadt auch die Jüdische Gemeinde, das Jugendzentrum der evangelischen Reformationskirchengemeinde, der Förderverein des Kinderbauernhofes sowie die Stadt selbst zählen. Besorgt hatte die Geschenke der Jugendvorstand im Verein der „Projekthelden“. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn sich Jugendliche in einer Stadt für Kinder engagieren, die es nicht einfach haben“, sagt Öksüz.

Auch für diese Kinder organisiert der Verein ein Ferienprogramm im Rahmen der Stadtranderholung der Stadt. Eine Holzwerkstatt ist schon ausgebucht, ein Feriencamp auf dem Kinderbauernhof zum Ferienstart und ein Theaterprojekt „Konferenz der Tiere“ sind in Vorbereitung.

Solche Projekte gab und gibt es auch weiterhin. Doch oft wurde von den Kindern im Anschluss an diese befristeten Angebote gefragt, wie es weitergehe. „Es ging aber nicht weiter“, sagt Öksüz. Der Paritätische Wohlfahrtsverband, dem sich der Verein „Projekthelden“ anschloss, machte es daher dringlich: „Ich braucht etwas für danach.“ Einen Jugendtreff mit offener Tür und geregelten Öffnungszeiten.

Seit einem Jahr ist der Aufbau dieses Treffs in Vorbereitung, nach den Ferien soll es losgehen. Am Konzept wird noch gearbeitet. „Es gibt eben nichts, was wir woanders abschreiben könnten“, sagt Öksüz. Der SPD-Stadtverordnete Hakan Temel, der schon hinter die Kulissen geschaut hat, bestätigt das. „Das ist wirklich etwas Neues.“

Mehr von RP ONLINE