Beko Technologies – Hidden Champion im Taubental Weltweit gefragt und „einfach sexy“ – Drucklufttechnologie aus Neuss

Interview | Neuss · Wenn es um unbekannte Weltmarktführer geht, die „Hidden Champions“ des Mittelstandes, dann fällt in Neuss sehr schnell der Name Beko Technologies. Der Druckluftspezialist aus dem Taubental steht für den klassischen Start-up-Aufstieg von der Garage bis zum international agierenden Unternehmen. Was hinter der Erfolgsgeschichte steckt und wie Beko für die Zukunft plant.

 Yannick Koch ist Geschäftsführer von Beko Technologies mit Sitz in Neuss. Das Familienunternehmen hat sich auf Druckluft-Technologien spezialisiert und gilt als „Hidden Champion“.

Yannick Koch ist Geschäftsführer von Beko Technologies mit Sitz in Neuss. Das Familienunternehmen hat sich auf Druckluft-Technologien spezialisiert und gilt als „Hidden Champion“.

Foto: Frank Kirschstein

Herr Koch, Ihr Vater, Berthold Koch, hat Beko Technologies 1982 als Start-up gegründet. Von den Anfängen, fast klassisch wie Microsoft oder Apple als Garagenfirma, bis heute ist Beko Technologies als Familienunternehmen beständig gewachsen. Mehr als 650 Mitarbeiter arbeiten in Neuss und rund um den Globus in fünf weiteren Produktionsstätten an der Entwicklung, Fertigung und dem Vertrieb von Komponenten und Systemen für die Aufbereitung und das Management von Druckluft. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?

Yannick Koch Einen Kern des Erfolges haben Sie bereits genannt: Wir sind ein Familienunternehmen. Wir können unsere Entscheidung selbst treffen, sind unabhängig von irgendwelchen fremden Interessen und komplett selbst finanziert. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere: Wir haben uns sehr früh internationalisiert und haben auch in unseren Kernmärkten in Indien, China, USA eigenen Produktionsstätten. Wir produzieren also einerseits in Neuss und an zwei weiteren Standorten in Deutschland, aber auch international lokal für die entsprechenden Märkte. Dabei setzen wir auch auf lokale, regionale Zulieferer. So können wir die Bedürfnisse unserer Kunden optimal bedienen und auch im Ausland schnell und kostengünstig sogar Großanlagen liefern.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Koch Ein Beispiel ist unsere Produktion in Indien. Beim Versuch, große Anlagen von Neuss dorthin zu transportieren, würde jeder Preisvorteil oder Gewinn durch die Transportkosten extrem geschmälert. Wir haben stattdessen in Indien eine Fertigung aufgebaut, mit lokalen Kräften, die nach unseren Qualitätsstandards produzieren. Die Unabhängigkeit, die wir so erzielen, hilft auch in Krisensituationen. Während der Corona-Pandemie zum Beispiel konnten wir weiter produzieren.

Was macht das Geschäft mit der Druckluft aus?

Koch Druckluft ist, nach Strom, das Produktionsmedium Nummer zwei in der gesamten Industrie: Zum Lackieren von Autos, für den Bohrer beim Zahnarzt oder die Halbleiterfertigung – überall wird Druckluft benötigt. Wir sorgen dafür, dass Druckluft in der benötigten Qualität und zu möglichst geringen Energiekosten sicher und in der Qualität jederzeit dokumentierbar zur Verfügung steht. Zum Beispiel stehen unsere Drucklufttrockner im Tesla-Werk in Brandenburg. Unsere Produkte sind aber auch im Einsatz, wenn Lebensmittel in der Produktion transportiert oder verpackt werden, etwa Gewürze in die Tüte kommen oder der Schinken schön, einmal umgeklappt, in der Packung liegt. Dabei kommt es auf höchste Qualität und Sicherheit an. Das gilt erst recht, wenn wir über Anwendungen bei Produktion von Medikamenten oder in der Medizintechnik, zum Beispiel bei Beatmungsgeräten, sprechen.

Was unterscheidet Beko Technologies von Mitbewerbern?

Koch Das Unternehmen baut darauf auf, dass wir Energie einsparen bei der Druckluft und die Umwelt vor Öl schützen. Häufig ist Kondensat, das bei der Drucklufterzeugung und -aufbereitung anfällt und abgeleitet wird, mit Öl des Kompressors und weiteren Stoffen verunreinigt. Wir sorgen dafür, dass das Kondensat aufbereitet und vom Öl befreit wird und danach sauber in die Kanalisation abgeleitet werden kann. Wenn man bedenkt, dass ein Tropfen Öl 1000 Liter Wasser verunreinigt, haben wir in den vergangenen 40 Jahren einen Riesen-Beitrag zum Umweltschutz geleistet. In diesem Bereich bringen wir immer wieder Innovationen auf den Markt, zuletzt zum Beispiel den ersten aktiven Öl-Wasser-Trenner, den es so noch nicht gab. Das ist eine echte Weltneuheit. Die Technologie wird ständig weiterentwickelt, stammt im Prinzip in Teilen aber immer noch aus dem ersten Kondensatableiter Bekomat, den mein Vater Anfang der 80er-Jahre entwickelt hat.

Wie fördern Sie diese Innovationskraft im Unternehmen?

Koch Dass wir Technologieführer sein wollen, ist tief in unserer DNA als Familienunternehmen verwurzelt. Wir bespielen die komplette Wertschöpfungskette vom Problem des Kunden, das wir lösen wollen, bis zum entsprechenden Produkt. Entwicklung, Vertrieb und Produktion haben wir im Haus. Wir fördern gezielt Innovationsprozesse, im Zusammenspiel mit unseren Kunden, aber auch mit Universitäten und natürlich unseren Mitarbeitern. Dieser Innovationsgeist ist im gesamten Unternehmen zu spüren: Wir haben viele Mitarbeiter, die schon seit Jahrzehnten bei uns sind und immer versuchen, unsere Produkte noch ein Stück besser zu machen. Das macht Beko Technologies zukunftsfähig und auch unabhängig.

Apropos Mitarbeiter: Wie gehen Sie mit dem Problem des Fachkräftemangels um?

Koch Das ist auch für uns ein Riesen-Thema. Bei 300 Mitarbeitern am Standort Neuss wollen wir bis zum Jahresende 15 Auszubildende haben, außerdem beschäftigen wir ständig bis zu zehn Werkstudenten, die wir nach dem Uni-Abschluss auch teils direkt übernehmen. Der Personalbedarf ist groß, denn das Unternehmen wächst ständig weiter. Wir brauchen immer gute Kräfte, vom Lageristen bis zum IT-Systemadministrator. Wir suchen auch den Kontakt zu Schulen und beteiligen uns an Informationsveranstaltungen und Projekten. Dass Druckluft ein sexy Thema ist, muss man erst mal vermitteln. Wenn wir aber zeigen können, wo überall Druckluft eine Rolle spielt, vom Bierschaum bis zur Chip-Produktion, gelingt das schnell.

Mit welchen Argumenten werben Sie um Fachkräfte?

Koch Wir bieten unseren Mitarbeitern – abgesehen von einem guten Gehalt – sehr viel und legen großen Wert auf ein tolles Arbeitsklima. Außerdem ist die Arbeit mit Technologie für Druckluft einfach extrem spannend und vielfältig, weil die Einsatzmöglichkeiten so verschieden und immer wieder neu sind. In unserem Betriebsrestaurant gibt es täglich kostenlose frisch zubereitete Mahlzeiten, Getränke sowieso, wir bieten ein Job-Bike an und sind flexibel, wenn Mitarbeiter auch in privaten Ausnahmesituationen Unterstützung brauchen. Demnächst geht es mit 400 Leuten, davon 150 Kindern in den Kölner Zoo, im September fahren wir mit der ganzen Mannschaft von Neuss nach Netphen im Siegerland, wo wir 12 Millionen Euro in einen weiteren Standort investiert haben. Bei uns gibt es einfach traditionell ein großes Miteinander, ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir ziehen alle an einem Strang. Das fördern wir und das kommt super an.

Wie zufrieden sind Sie mit Standort in Neuss?

Koch Die vergleichsweise hohen Hebesätze für die Gewerbesteuersteuer sind für jedes Unternehmen ein echtes Thema, auch wenn der Standort mit Blick auf die Lage zwischen Köln und Düsseldorf mit zwei Flughäfen und sehr guten Autobahnanbindungen für uns optimal ist. Die Unternehmen im Taubental leiden allerdings darunter, dass die Anbindung an die Autobahn für den dort entstehenden Verkehr nicht ausreicht. Je nach Situation stehen Sie hier auch mal 40 Minuten, bis Sie aus dem Industriegebiet raus sind. Hier wurden viele Logistiker angesiedelt, aber der Autobahnanschluss wurde nicht entsprechend erweitert. Auch der ÖPNV-Anschluss für das Taubental könnte besser sein.

Ein Blick auf die Wirtschaftslage in Deutschland. Was macht Ihnen Sorgen?

Koch Immer mehr Bürokratie, ganz klar, das lähmt. Ebenso zentralisierte Genehmigungsverfahren, zum Beispiel für Schwertransporte. Eine Freigabe dafür aus Berlin kann auch mal sechs Wochen dauern. In der Zeit bauen wir ganze Anlagen. Lähmend für die Wirtschaft, aber auch auf Investoren wirkt auch die Verunsicherung, die die Politik beim Thema Energie ausstrahlt. Deutschland macht da derzeit auf der weltpolitischen Bühne leider kein gutes Bild.

Wie plant Beko Technologies für die Zukunft?

Koch Wir planen mit einem durchschnittlichen Wachstum von neun bis zehn Prozent durchschnittlich in den kommenden Jahren. Dann wären wir im Jahr 2032 bei einem Umsatz von 300 Millionen Euro und 1200 Mitarbeitern.

Der Standort Neuss ist dabei gesetzt?

Koch Ja, Neuss ist gesetzt. Das Herz von Beko Technologies schlägt in Neuss.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort