Neuss: Behörde kippt Gewerbegebiet Kuckhof-Ost in Allerheiligen

Debatte um Gewerbegebiete in Neuss : Gewerbegebiet „Kuckhof-Ost“ gekippt

Stadt hofft auf zusätzliche Gewerbeflächen in Holzheim und westlich der Autobahn 57, um den Verlust der Fläche in Allerheiligen zu kompensieren. Die Grünen kündigen Widerstand gegen den „Schritt in die offene Landschaft“ an.

Die Stadt arbeitet seit Jahren an einem neuen Flächennutzungsplan. Doch der vorliegende Entwurf wäre in der jetzigen Form nicht genehmigungsfähig. Das Problem sind nicht die darin neu ausgewiesenen Wohngebiete. Sie können wegen der Wohnungsnot in Neuss mit Zustimmung der Bezirksregierung zügig weiterbearbeitet werden, noch bevor der Flächennutzungsplan Rechtskraft erhält. Ein Problem hat die Genehmigungsbehörde in Düsseldorf aber mit einigen Gewerbegebieten.

Die Umwandlung der alten Pierburg-Produktionsstätte an der Stadtgrenze zu Düsseldorf in eine gemischte Baufläche ist für Regionalplaner das eine Problem. Dafür, so glaubt man im Rathaus, lasse sich noch über ein – aktuell angestrebtes – regionalplanerisches Zielabweichungsverfahren eine Lösung finden. Beim geplanten Gewerbegebiet „Kuckhofstraße-Ost“ in Allerheiligen mit insgesamt 25 Hektar sieht das anders aus. Im gerade in Kraft getretenen – übergeordneten – Regionalplan ist an seiner Stelle ein regionaler Grünzug verzeichnet. „Die Fläche ist weg“, fasst Planungsamtsleiter Christian Unbehaun den Tatbestand zusammen.

Die Stadt reagiert. Muss reagieren. Denn mit „Kuckhof-Ost“ bricht mehr als ein Viertel der Gewerbeflächen weg, die die Stadt im neuen FNP berücksichtigt sehen wollte. Hinzu kommt, dass die Erweiterung des Gewerbegebietes Derikum in gleicher Größenordnung nur dann die Zustimmung erhält, wenn zuvor zum Schutz der Einwohner (nicht nur) in Elvekum eine Entlastungsstraße gebaut wird. Und gegen beides opponiert die Bürgerinitiative „Pro Lebensqualität Elvekum“.

Was tun? Diese Frage stand am Mittwochabend im Raum, als im Planungsausschuss das vor Jahresfrist beauftragte Gewerbeflächenbedarfsgutachten vorgestellt wurde. Das geht von einem Bedarf neuer Gewerbeflächen von mindestens 106 Hektar bis zum Jahr 2030 aus. Deutlich mehr als die knapp 95 Hektar, die die Stadt bislang im laufenden Verfahren hatte.

Lösungsvorschlag Nummer eins der Gutachter: Das Gewerbegebiet Kreitzweg in Holzheim, das bereits vermarktet ist und für das derzeit die Erschließung vorbereitet wird, soll noch einmal um 32 Hektar vergrößert werden. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und im Gegenzug auf Beschluss der CDU „Kuckhof-Ost“ aus dem Verfahren und allen Plänen gestrichen.

Die Harmonie kam an ihr Ende, als der zweite Gutachter-Vorschlag auf den Tisch kam: ein Gewerbegebiet Morgensternsheide mit 20 Hektar Fläche. Dieses, so die Einschätzung von Wirtschaftsförderer Andreas Galland, könnte bei der Genehmigungsbehörde Freude auslösen, weil es an ein Gewerbegebiet in Kaarst (Ikea) anschließt. Seine Hoffnung: Das damit interkommunale Gewerbegebiet könnte überplanmäßig im Regionalplan berücksichtigt werden.

Dagegen kündigte Roland Kehl (Grüne) den erbitterten Widerstand seiner Partei an. „Wir gehen damit den ersten Schritt in die freie Landschaft“, sagte er zur Begründung. „Ein Sündenfall.“ Unterstützung kann seine Fraktion nur von den Linken erwarten, die schon hinter den berechneten Gesamtbedarf ein Fragezeichen machen. Widerstand gegen „Morgensternsheide“ vermutet Kehl aber auch bei der Stadt Kaarst. Denn die neue Fläche liegt westlich der A 57 und kann nur über deren Stadtgebiet erschlossen werden. Vorerst schafften es die Grünen nur, das Thema zu vertagen.

Einen Schlussstrich zieht die BI Elvekum unter das von ihr kritisierte Gebiet „Kuckhof-Ost“. BI-Sprecherin Dorothee Helten zum Beschluss: „Jetzt glauben wir es auch.“

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