Neuss baut ein Netz mit 39 Sirenen neu auf

39 Standorte für Warnanlagen identifiziert : Neue Sirenen für Neuss

Eine Firma aus Bayern soll bis 2021 ein Netz von 39 Sirenen aufbauen. Ab Februar wird der Auftrag umgesetzt.

Im Februar beginnt in der Stadt der Wiederaufbau eines Netzwerks von Sirenen, um damit die Bevölkerung im Not- oder Katastrophenfall flächendeckend und schnell warnen zu können. 39 Hausdächer sind schon vor Monaten als Standorte identifiziert worden, nun sollen sie Zug um Zug mit elektronischen Sirenen bestückt werden. Bis zum Jahr 2021 muss die Firma Hörmann aus dem bayerischen Kirchseeon das Projekt abschließen.

800.000 Euro hat die Stadt für das Projekt veranschlagt, 121.000 Euro tut das Land dazu. Seit es dieses Förderprogramm des Landes gibt, haben Sirenenanlagen Konjunktur, berichtet Benjamin Kirmeier, der Projektleiter der Firma Hörmann für die Sirenen in Neuss. Seitdem jage eine Ausschreibung die nächste. Aktuell sei alleine seine Firma in vielen Städten Nordrhein-Westfalens tätig, darunter auch in Düsseldorf, Münster, Bocholt und  Wesel.

Mit dem Ende des Kalten Krieges waren Anfang der 1990er Jahre auch in Neuss die Sirenen verstummt. Anders als andernorts wurden die Anlagen danach aber nicht vom Bund in städtische Regie übernommen, sondern abgebaut. Ein vielerorts gemachter Fehler, wie die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren 2008 monierte. Sie stellten fest: Eine effiziente Warnung erfordert ein Wecksystem – und das ist ohne Sirenen nicht realisierbar. 2015 übernahm die Stadt die Forderung in den damals überarbeiteten Brandschutzbedarfsplan.

Der Wiederaufbau eines Sirenennetzes entspreche auch dem Ergebnis eines CDU-Sonderparteitages zum Thema Sicherheit im Juni 2016, betont Jörg Geerlings. Er hatte sich im September, als es beim bundesweiten „Sirenentag“ in Neuss stumm geblieben war, nach dem Sachstand erkundigt und auf baldige Umsetzung der bestehenden Ratsbeschlüsse dazu gedrängt. Die Antwort fand er nicht befriedigend, aber nun stimme die Richtung. Allerdings: „Andere Städte haben das Projekt schon abgeschlossen.“

Nach fast 30 „stummen“ Jahren kommt den Neussern jetzt modernste und digitale Technik aufs Dach. Die alten und wartungsintensiven Sirenen, die den Heulton über einen drehenden Motor erzeugen, haben allerorten ausgedient. In den Rücken an Rücken montierten Hörnern, die den neuen Anlagen ein charakteristisches Aussehen geben, sitzt vielmehr ein elektrischer Treiber, der mit einem Verstärker in einem Sirenenschaltschrank verbunden ist. „So ist es möglich, die Signale wie auf einer Stereo-Anlage abzuspielen“, sagt Kirmeier. Das können Töne, aber auch Sprachnachrichten sein, die entweder in einem Prozessor gespeichert sind oder live gesprochen und „gesendet“ werden. Damit verfügen Feuerwehr und Polizei über ein weiteres Instrument, das Durchsagen von Lautsprecher- oder Kommandowagen unnötig macht. Derzeit sind diese laut Brandschutzbedarfsplan noch die einzigen Mittel, um die Bevölkerung direkt zu erreichen.

Für die 39 Standorte im Stadtgebiet gibt es keine Sirene von der Stange, berichtet Kirmeier. Vielmehr werden vier unterschiedliche Modelle produziert und installiert – mit variierender Leistung. Ziel muss ein Signal sein, das noch in größerer Entfernung auch bei geschlossenem Fenster zu hören ist. Größtes Kaliber ist dabei eine Sirene mit 2400 Watt Ausgangsleistung, die auch in fast einem Kilometer Entfernung noch derart vernehmbar ist. Elf Anlagen mit 1800 Watt, 23 mit 1200 und vier mit 600 Watt komplettieren die Bestellliste aus Neuss. Die leistungsstarken Sirenen werden eher in Ballungsräumen verbaut, die schwächeren in den ländlicheren Gebieten, sagt Kirmeier.