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Neuss: Baumsterben verschärft sich durch Hitze und Trockenheit

Stadt schlägt Alarm : Immer mehr Bäume in Neuss sterben

Die beiden vergangenen Hitzesommer haben zahlreiche Bäume im Stadtgebiet stark beschädigt. Trotz zahlreicher Neupflanzungen ist das Problem kaum in den Griff zu kriegen. Die Stadt schlug am Mittwoch Alarm.

Die Stadt kämpft gegen einen unsichtbaren Gegner. Und ausnahmsweise ist in dieser Zeit damit mal nicht das Coronavirus gemeint, sondern Hitze und die damit verbundene Trockenheit. Die hat nämlich einen immer heftigeren Effekt auf die Bäume im Neusser Stadtgebiet. Vor allem die beiden vergangenen Hitzesommer haben dem Bestand stark zugesetzt. „Durch die aktuellen Witterungsverhältnisse wird dort nahtlos angeknüpft“, sagt Umweltdezernent Matthias Welpmann. Zwar habe es in diesem Jahr so viele Neupflanzungen gegeben wie noch nie, durch die nötigen Fällungen nehme der Bestand aber trotzdem nicht zu – eine besorgniserregende Entwicklung.

Das Problem hat die Stadt am Mittwoch am Beispiel einer mehr als 100 Jahre alten Buche im Stadtgarten verdeutlicht. Diese hat nämlich den Kampf gegen die Hitze bereits verloren und muss zeitnah gefällt werden. Der Baum hatte in der Vergangenheit durch Pilzbefall und Vertrocknung von Teilen der Krone bereits mehrere Stark-Äste verloren. Eine große Gefahr für Besucher des Parks – schließlich steht der Baum direkt an einem der Hauptwege.

Doch das Schicksal der Buche ist bei weitem kein Einzelfall. Allein im Stadtgarten müssen aktuell zwischen 20 und 30 Bäume gefällt werden. „Tendenz steigend“, sagt Hans-Georg Strangemann, Abteilungsleiter Stadtgrün. Im gesamten Stadtgebiet seien es noch einmal deutlich mehr Fällungen, die vorgenommen werden müssten.

Geschädigte Bäume, die an weniger exponierten Standorten stehen als zum Beispiel die mehr als 100 Jahre alte Buche, sollen hingegen bis zum endgültigen Absterben erhalten bleiben. Durch einen starken Kronenrückschnitt soll der verbliebene Torso für Vögel, aber auch Insekten weiterhin Lebensraum bieten.

Die verschärfte Lage verdeutlichte Welpmann am Mittwoch auch mit dem Verweis auf eine große, trockene Wiese im Stadtgarten: „Sie sieht normalerweise Ende August so aus, jetzt ist erst Anfang Juni.“ Eine weitere Negativ-Entwicklung: Auch zunehmend alten Bäumen, die normalerweise gut an ihre Umgebung angepasst sind, fällt es immer schwerer zu überleben. „Es sind keine Einzelfälle, wir haben ein systemisches Problem“, so der Umweltdezernent.

Die zunehmende Gefahr für große, alte Bäume stellt die Stadt auch vor das Problem, dass in diesem Fall selbst das eifrigste Engagement aus der Bürgerschaft nichts mehr bringt. „Die Wassermenge, die dort fehlt, kann nicht kompensiert werden“, sagt Henrike Mölleken, Leiterin des Amtes für Stadtgrün, Umwelt und Klima. Anders sieht es allerdings bei Bäumen aus, die bis zu drei Jahre alt sind. Dort können Bürger mit ein paar Eimern Wasser täglich einen guten Effekt erzielen. „Unterstützung bei der Wässerung bekommen wir in Extrem-Situationen auch von der Feuerwehr oder von den Stadtwerken“, so Henrike Mölleken.

Im vergangenen Jahr war die Bewässerungs-Hilfe durch die Neusser Feuerwehr so aufwendig, dass der ganzen Aktion ein eigener Name gegeben wurde: Operation Dryland! Der Fokus lag dabei vor allem auf jungen Bäumen, deren Wurzeln noch nicht tief genug sind. In starken Hitze-Perioden lagert die Feuerwehr aber auch extra gekühltes Trinkwasser – für den Fall, dass es zu einem langen Stau auf einer Autobahn kommt. Wenn Autofahrer stundenlang unvorbereitet in der prallen Sonne stehen müssen, kommt das Wasser aus dem Lager zum Einsatz.