Neuss barrierefrei prüft wie das Rheinparkcenter ist

Ortsbegehung im Rheinparkcenter Neuss : Barrierefreiheit liegt im Detail

Mitglieder der Initiative „Neuss barrierefrei“ haben bei einer Ortsbegehung geprüft, wie behindertengerecht das Rheinparkcenter ist. Dabei fiel die Bilanz gut aus, die Experten stellten aber bei vielen Details Verbesserungsbedarf fest.

Welche Rolle spielen der Spiegel im Fahrstuhl oder der Kontrast zwischen Wand und Treppe bei Barrierefreiheit? Eine große, wie die Mitglieder der Initiative „Neuss barrierefrei“ aus Erfahrung wissen. Viele von ihnen haben selbst eine Behinderung, sie sind Experten in eigener Sache. Mit diesem Wissen beurteilen sie in regelmäßigen Ortsbegehungen, wie barrierefrei verschiedene Einrichtungen in der Stadt sind. Jetzt besuchte ein Team das Rheinparkcenter. Orte, die den Test bestehen, bekommen von der Initiative ein Signet für Barrierefreiheit.

Startpunkt der Ortsbegehung ist der Eingang des Einkaufszentrums. Harald Jansen, Projektleiter von „Neuss barrierefrei“ holt sein Handy aus der Tasche und legt es auf die Rampe. Zufrieden blick er vom Display auf: „Sie hat eine Steigung von 4,7 Prozent, das passt.“ Sieben Prozent wäre die Obergrenze, ab dann ist eine Rampe für Rollstuhlfahrer zu steil. Schon hier zeigt sich allerdings auch – es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten, die Menschen mit Behinderungen den Gang zum Rheinparkcenter schwer machen können. Die Rampe ist 22 Meter lang, eigentlich ist das zu viel. „Dazwischen wäre ein Podest angebracht“, sagt Jansen.

Ein paar Schritte weiter findet auch Wilfried Werbitzky Verbesserungsbedarf. Er hat eine Sehbehinderung. „Es würde helfen wenn die Glastüren zum Teil dunkel getönt wären“, sagt er. Dadurch würde ein Kontrast entstehen – dann erkennt auch Werbitzky die Tür sofort als solche.

An den Treppen zwischen den Stockwerken fällt ihm auf, dass sowohl Wand als auch Stufen gelb sind, dadurch sind sie für ihn schwer zu unterscheiden. Dafür wird der Fahrstuhl gelobt. Der sich darin befindende Spiegel ist wichtig für Rollstuhlfahrer – dadurch können sie rückwärts besser rausfahren. Jansen macht sich Notizen. Nach dem Rundgang wird er mit Werbitzky und den anderen zwei Mitgliedern des Begehungsteams beurteilen, ob das Rheinparkcenter das Signet für Barrierefreiheit bekommt. In jedem Fall bekommt der Center-Manager eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen. „Wir bewerten heute nur die Infrastruktur“, so Jansen. Insgesamt fällt die Bilanz dabei gut aus. Die einzelnen Läden werden nicht beurteilt, für sie ist der jeweilige Besitzer zuständig.

„Viele Ladenbesitzer scheuen sich davor, die Initiative zu kontaktieren“, sagt Mirjam Lentzen, Inklusionsbeauftragte der Stadt. „Davon können sie aber nur profitieren. Die Beratung ist umsonst und in der Regel nicht öffentlich.“ Die Maßnahmen seien für alle hilfreich, sagt Jansen. „Auch die Mutter mit dem Kinderwagen, der Manager mit dem Rollkoffer und der Senior mit der Gehhilfe freuen sich darüber. Wenn ein Ort barrierefrei wird, findet das keiner schlimmer als zuvor.“

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