Neuss: „Auto-Poser-Szene“ unter Beobachtung der Polizei

Raserei in Neuss : „Auto-Poser-Szene“ unter Beobachtung

Nach Angaben der Stadt gibt es in Neuss keine illegalen Autorennen – dennoch ist die Innenstadt Treffpunkt für Raser.

Manchmal ist es nur eine Frage der Definition. In der Neusser Innenstadt soll es zwar keine Autorenn-, dafür aber eine „Poser-Szene“ geben. Das geht aus den Unterlagen für den kommenden Hauptausschuss (24. Januar) hervor, in der die Stadt auf Antrag von CDU und Grünen Stellung zur angeblichen Raser-Problematik in der Neusser Innenstadt bezieht. Das Ergebnis nach Rücksprache mit den Verkehrsfachdienststellen der Polizei: Illegale Autorennen wie in anderen deutschen Großstädten, die teilweise mit tödlichen Unfällen endeten, sind in Neuss nicht bekannt. Dafür sei die Innenstadt schlichtweg zu klein, im Kern gebe es keine vierspurigen Straßen, wo man sich an der Ampel nebeneinander aufstellen und die Motoren aufheulen lassen kann.

Allerdings werde beobachtet, dass sich eine Szene von „Posern“ – vielfach mit aufgemotzten Fahrzeugen und lauten Auspuffanlagen – im Bereich des Ringes Hafenstraße, Krefelder Straße, Adolf-Flecken-Straße, Erftstraße, Sebastianusstraße, Spulgasse und Rheinwallgraben aufhalten und dort durch starke Anfahr- und Bremsgeräusche beeindrucken möchte. Besonders im Bereich der Unterführung Spulgasse werde häufig durch starkes Beschleunigen die Lautstärke der Auspuffanlage ausgetestet.

Der Neusser Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings gibt an, erst vor wenigen Tagen Raser an der Erftraße beobachtet zu haben. „Es gibt aber mehrere Ecken im Stadtgebiet, an denen sich die Szene trifft“, so Geerlings. Bei den Fahrzeugen handele es sich nicht selten um Mietwagen beziehungsweise um Autos mit auswärtigen Kennzeichen. Geerlings fordert deshalb auch in Zukunft, die Szene mit intensiven Kontrollen im Auge zu behalten.

Nach Angaben der Stadt wurde die Führung der Kreispolizeibehörde sowohl für den allgemeinen Wach- und Streifendienst als auch für den besonderen Verkehrsdienst für die Thematik sensibilisiert. Polizeisprecherin Daniela Dässel bestätigte dies auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die Stadt stellt zudem fest, dass seit der Beklebung der neuen Dienstfahrzeuge des Ordnungsamtes (diese ähneln den Markierungen der Polizei) und der damit verbundenen Erkennbarkeit als Fahrzeuge der Ordnungsbehörde, Autofahrer ihr Fahrverhalten entsprechend anpassen und sich an die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung halten. Dieser Effekt sei durch vermehrte Fahrzeugpräsenz an den neuralgischen Punkten eventuell nutzbar, um Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung vorzubeugen. Allerdings sind die Mitarbeiter des Bürger- und Ordnungsamtes weder befugt noch zuständig, in den fließenden Verkehr einzugreifen und vermeintliche Raser zu stoppen.

Andreas Alberts, Vorsitzender der Initiative Marienviertel, beobachtet die Problematik bereits seit Monaten, wenngleich er bestätigt, dass es sich in den seltensten Fällen wirklich um Rennen handelt, sondern mehr um punktuelle schnelle Beschleunigungen. Einst hat Alberts sogar einige Personen dabei beobachtet, wie sie an der Hafenstraße – an der Ecke zum Rheinwallgraben – sogenannte Donuts gemacht haben. Bei diesem Manöver werden kreisrunde Bremsspuren auf der Fahrbahnhinterlassen.

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