Ausstellung am Schloss Reuschenberg Kunstinstallationen reisen von LA nach Neuss

Neuss · Die Kunstinitiative Wurzeln und Flügel präsentiert in ihren Räumen am Schloss Reuschenberg eine neue Ausstellung: Arbeiten von Petra Eiko beschäftigen sich mit der Natur. Warum dort „Niemand“ eine Rolle spielt.

Kuratorin Beate Düsterberg und Künstlerin Petra Eiko präsentieren die neue Ausstellung „Sense of Space.“

Kuratorin Beate Düsterberg und Künstlerin Petra Eiko präsentieren die neue Ausstellung „Sense of Space.“

Foto: Foto: Judith Michaelis (jumi)

Sie hat eine lange Reise hinter sich: Noch im vergangenen Jahr war die Installation „Sense of Space“ auf der Art Show in Los Angeles zu sehen, nun werden Teile von ihr im 6000 Kilometer entfernten Neuss präsentiert. „Der Transport war ein Kraftakt, wir haben zwei Container für die Lieferung gebraucht“, erzählt Kuratorin Beate Düsterberg von der Kunststiftung „Wurzeln und Flügel.“ Umso mehr freut sie sich nun, die Arbeiten der in Los Angeles lebenden Künstlerin Petra Eiko in den Räumen am Schloss Reuschenberg zeigen zu können.

Kennengelernt haben die beiden Frauen sich über einen gemeinsamen Kontakt zu einer Düsseldorfer Kuratorin. Und da die Stiftung es sich zur Aufgabe gemacht hat, außergewöhnliche Kunstprojekte zu fördern, unterstützte sie Petra Eiko zunächst, als es darum ging, auf der LA Art Show auszustellen. Dabei handelt es sich um eine internationale Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst in Los Angeles.

Eiko wurde unter 300 Bewerbungen ausgewählt ihre Werke dort vor mehr als 60.000 Besuchern zu zeigen. „Dann haben wir gedacht, dass es doch schön wäre, wenn wir im Anschluss die Arbeiten auch bei uns präsentieren können“, erinnert sich Düsterberg.

Und so können seit Sonntag die Installationen und Objekte von Petra Eiko auch am Schloss Reuschenberg entdeckt werden. Sie alle handeln von der Vernetzung zwischen Mensch und Natur, dem Umgang mit Ressourcen und enthalten den Appell, Verantwortung für eine Umwelt im Gleichgewicht zu übernehmen.

Da wären zum einen Eikos 3D-Skulpturen: Sie bestehen aus Aluminiumrohren, die in Amerika auch für die Raumfahrt genutzt werden. Eiko sieht sie als Sinnbild für unterirdische Leitungen, die die Menschen mit Wasser versorgen, es umverteilen, verknappen und weiterleiten. Aufgesetzte Halbkugeln aus Plexiglas geben den Blick frei auf Augen: Mal sind sie geschlossen, mal glitzert eine Träne darin, im Hintergrund ist Wasser oder Wüstenboden zu sehen. „Die Augen zeigen, wie die Menschen teils passiv das Geschehen verfolgen und erinnern daran, dass jeder die Power hat, etwas zu verändern“, erklärt die Künstlerin. „Meine Arbeiten sollen nicht dekorativ sein, sondern eine Story erzählen.“ Und sie handeln von der Frage, wo der Mensch seinen Platz im Universum, in der Natur und in der Gesellschaft hat.

Ursprünglich gehören zu den Skulpturengruppe sieben solcher Aluminiumröhren. Bei der LA Art Show waren sechs von ihnen zu sehen, am Schloss Reuschenberg können drei erkundet werden.

Neben dem Auge ist da eine weitere Metapher, die in ihren Werken auftritt. Die Figur: „Niemand.“ Sie ist gesichtslos und kann so für jeden Menschen und zugleich keinen stehen. „Es ist ein Spiel mit der Aussage: Niemand ist ersetzbar und jeder ist ersetzbar“, erklärt die Künstlerin. Und: So individuell die Menschen auch sein mögen, in ihren Sorgen und Freuden sind sie gleich, sie bilden ein Kollektiv. Das wird auch in einer Fotoserie deutlich, die zeigt wie „Niemand“ mit Schmerz und Verzweiflung kämpft und versucht, sich zu befreien.

Im Nebenraum lassen ihre Plexiglasobjekte mit nach innen gewölbtem und verspiegeltem Hohlraum einen Blick in die Unendlichkeit zu. Ein weiteres Objekt zeigt eine gesichtslose Menschenmasse: Steht der Betrachter davor, spiegelt sich darin sein Abbild, so dass er zum Teil der Masse wird. Je nach Perspektive tritt er aus der Masse hervor, bereit etwas zu verändern.

In einem weiteren Objekt zeigt Petra Eiko die „Welt“ als komprimierte Collage: Baumstämme sind dort zu sehen, Menschen, die Sand stehlen, weil ihnen die Baumaterialien ausgehen, aber auch ein Teil der natürlichen Umgebung des Schloss Reuschenberg. Dass sie nun an jenem Ort ihre Werke, die sich rund um die Natur drehen, zeigen kann, freut sie. „Es ist wie ein kleines Paradies, die Umgebung hat etwas Ursprüngliches und Verwunschenes. Schon auf dem Weg hierher schaltet man die Gedanken aus und hat den Kopf frei für die Kunst.“

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