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Neuss: Augustinus-Forum diskutiert die Kirchen-Krise

Diskussion in Neuss über Kirchen-Krise : „Die Mehrheit möchte Veränderungen“

Im Augustinusforum wurde über die Vertrauenskrise der Kirche diskutiert. Das Thema „Kindesmissbrauch“ sei der „Tropfen“ gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Es war ein außergewöhnliches Augustinusforum: Wieder ohne Besucher vor Ort, mit nur zwei Talkgästen, die von Michael Schlagheck, dem Leiter des Augustinusforums, interviewt wurden – aber mit ziemlich übereinstimmenden Statements. „Kirche in tiefer Vertrauens- und Systemkrise – nötige und mögliche Schritte auf dem synodalen Weg“, lautete das Thema. Die Krise wurden von keinem der Talkgäste in Frage gestellt.

Professor Thomas Sternberg ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er sprach bei der Diskussionsrunde von Unmut, Wut und Verärgerung, wie es sie so noch nie gegeben habe. Das Thema „Kindesmissbrauch“ sei nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Schwester Katharina Kluitmann, Vorsitzende der deutschen Ordensobernkonferenz, schockierte mit folgender Aussage: „Viele Ordensfrauen sagen mir, sie würden aus der Kirche austreten, wenn sie Ordensfrau bleiben könnten.“

Für Sternberg ist es abstrus zu sagen, dass die Kirche in Deutschland auf dem Weg zu einer Nationalkirche sei. Er mahnte, dass Vertrauen aufgebaut werden müsse, dass der Wert der Kirche und des Glaubens wieder nach und nach sichtbar werden könnten.

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Katharina Kluitmann zeigte sich optimistisch: „Der synodale Weg läuft volle Kanne weiter.“ Was sie hoffen lässt: „Menschen verändern sich, Bischöfe verändern sich.“ Es sei die breite Masse, die Veränderungen herbeisehne. Dass Frauen Priesterinnen werden können, könne der Papst nicht so einfach entscheiden. Thomas Sternberg schlug vor, Frauen den Weg schnell ins Domkapitel zu ermöglichen. Sein Eindruck: „Der Frust der Gläubigen ist bei den Bischöfen angekommen.“ Ansätze von Gewaltenteilung in der Kirche seien dringend überfällig.

Die Gefahr einer Spaltung der katholischen Kirche sieht Katharina Kluitmann jedoch nicht: „Es gibt nicht nur Schwarz-Weiß, sondern auch Graustufen. Die Mehrheit möchte Veränderungen.“ Sternberg gab zu bedenken: „Es gibt eine kleine Minderheit, die mit dem ganzen Synodalweg nichts zu tun hat. Diese Minderheit ist aber sehr laut und sie hat gewisse Medien hinter sich.“ Von 230 Synodalen hätten knapp 20 mit dem synodalen Weg nicht viel am Hut. Gewaltenteilung, Ämterbegrenzung, Verweigerung der Segnung homosexueller Paare – das waren weitere Knackpunkte, über die diskutiert wurde.

Thomas Sternberg kritisierte dabei unter anderem die Sexualmoral der katholischen Kirche – sie richte sich nicht nur gegen Homosexuelle, weil sie Sex nur im Zusammenhang mit der Zeugung von Nachwuchs gutheiße.

Zum Thema „Frauen in der Kirche“ machte Katharina Kluitmann folgende Anmerkung: „Ich bin sicher, dass sie kommen werden, aber ich weiß nicht, ob sie rechtzeitig kommen werden.“ Die Menschen verstünden schon längst nicht mehr, warum Frauen keine hohen Ämter bekleiden sollten.